Der Tag"Absolutes Neuland": Forscher wollen Antimaterie transportieren
Platz da, hier kommt Antimaterie! Erstmals in der Geschichte der Menschheit sollen am morgigen Dienstag Antiteilchen auf der Straße transportiert werden - um zu beweisen, dass so ein Transport überhaupt möglich ist und die Teilchen nicht entweichen. "Wir betreten absolutes Neuland", erklären die Physiker Stefan Ulmer und Christian Smorra von der Universität Düsseldorf, die in Genf am europäischen Kernforschungszentrum Cern die Grundlagen des Universums erforschen. "Nie zuvor wurde etwas Ähnliches bewerkstelligt."
100 bis 1000 Antiprotonen sollen auf Reisen gehen, fünf Kilometer weit, ausschließlich auf Cern-Gelände bei Genf. Klappt der Test, soll das Material später per Lkw zu Laboren in Düsseldorf, Hannover und Heidelberg gebracht werden. Die Bedeutung wäre immens: Das Cern ist der einzige Ort weltweit, an dem Antiprotonen gespeichert werden können. Gelingt der Transport, könnte ortsunabhängig geforscht werden. Für den Transport haben Smorra, Ulmer und ihr Team eine Art elektromagnetischen Container entwickelt, eine sogenannte Penning-Falle. "Die Falle selbst sieht aus wie ein Stapel aus Fingerringen", erklärt Smorra. Innendurchmesser etwa ein Zentimeter, rund drei Zentimeter lang. Dazu kommt ein supraleitender Magnet, in dem die Teilchen bei minus 268 Grad in einem Hoch-Vakuum schwingen. Insgesamt wiegt der Container rund 800 Kilogramm - für den Transport ist deshalb ein Lastwagen nötig.