Der TagAchtsames Trinken: Was trinke ich, wenn ich nicht trinke?
Kurz vor dem ersten Kaffee mal was wirklich Wichtiges: Gestern Abend, kurz vor Beginn der Sperrstunde, sind Sie da auch noch beim Späti gewesen? Die Angst, dass Bier- oder Weinvorräte nicht reichen könnten, soll im letzten Jahr ja gewaltig gestiegen sein. Machen Sie sich doch aber mal frei von diesen Zwängen, Alkohol ist ja auch keine Lösung! In Berlin gibt es inzwischen ein Fachgeschäft mit - zum Glück - Onlineshop für alkoholfreie Biere, Rum, Gin, Whisky, Wodka, Wein. Und nein, die Macherinnen sehen sich nicht als "Spaßbremsen", sondern mögen den Trend "Mindful Drinking".
Denn - Berlins Szene ist zwar berühmt für Rausch und Exzess, doch Corona hat dieses Lebensgefühl ausgebremst. Deswegen gibt es in der Hauptstadt nun den "ersten alkoholfreien Späti Deutschlands". Im "Null Prozent Späti" in Kreuzberg, der nicht zuletzt wegen Corona nur bis 20 Uhr aufhat, und im Online-Shop gibt es alles, was die Leber begehrt, nur eben ohne Umdrehungen. Der "Alkfrei"-Trend, den auch der Biermarkt seit Jahren bedient, breitet sich aus. Die Marke Martini beispielsweise bietet alkoholfreie Aperitivo-Sorten an, im Berliner Stadtteil Friedrichshain eröffnete 2020 eine Alkoholfrei-Bar namens "Zeroliq".
"Wir haben mehr als 200 alkoholfreie Getränkealternativen und helfen dabei, die Frage zu beantworten: Was trinke ich, wenn ich nicht trinke?" so die Späti-Macherinnen Katja Kauf und Isabella Steiner. Die beiden kommen aus Süddeutschland und führen ihre Idee unter anderem auf das - selten hinterfragte -Trinkverhalten zurück, dass Alkohol irgendwie immer geht: Der Mimosa am Morgen, der Aperol in der Sonne oder das Feierabendbier. Es herrsche ein Gesellschaftsklima, in dem es schwierig sei, ein Glas abzulehnen, "ohne dass man dabei entweder überredet, nicht ernst genommen, verurteilt oder als Spaßbremse abgestempelt wird", sagen sie. Dabei gibt es gute Gründe, auf Promille im Glas zu verzichten: leckere Botanicals, Schwangerschaft, die viel gepriesene Achtsamkeit und eine gewisse Diversität auch im Trinkverhalten.
Bald soll es ein Buch zum Thema geben. Auch so ein neuer Trend ...