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Der TagAfD kürt Weidel zur Kanzlerkandidatin

06.12.2024, 06:48 Uhr

Für Alice Weidel ist es der bisherige Höhepunkt ihrer politischen Karriere: Am Samstag nominiert der Parteivorstand die 45-Jährige als erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der AfD. Die AfD-Politikerin polarisiert: Eisige Schärfe in Wortwahl und Auftreten prägen Weidels Bild in der Öffentlichkeit. Dahinter verbirgt sich eine Politikerin, deren Profil nach jahrelangem Lavieren zwischen den Lagern der von Rechtsextremisten durchsetzten AfD unscharf und widersprüchlich erscheint. Noch komplexer wird das Bild durch Weidels private Lebensverhältnisse als Frau, die in einer lesbischen Partnerschaft mit einer in Sri Lanka geborenen Frau zwei Kinder großzieht.

Wofür steht Alice Weidel also, wie radikal ist sie?

  • "Sie befördert zumindest den Rechtsradikalismus in Deutschland", sagt der Kasseler Politikprofessor und AfD-Kenner Wolfgang Schroeder.

  • Weidel habe in der AfD aufsteigen können, weil sie politisch so flexibel sei: "Sie pendelt zwischen einem konservativen Rechts- und einem Rechtsradikalkurs."

  • Als Frau in einer von Männern dominierten Partei ist Weidel eine Ausnahmeerscheinung.

  • Weidels Aufstieg in der AfD zur Partei- und Fraktionschefin sei "auf den ersten Blick schon verwunderlich", sagt Politikwissenschaftlerin Anna-Sophie Heinze von der Universität Trier.

  • Im Kern sei Weidel "eine Opportunistin", so Heinze. "Sie versucht, von dem Thema Homosexualität wegzulenken. Wenn sie darauf angesprochen wird, versucht sie, es sehr stark in Richtung Anti-Gender und prochristlich-konservative Werte zu drehen."

  • Im anstehenden Wahlkampf schlägt die Weidel-AfD einen nationalistischen Tonfall an: Sie will raus aus EU und Eurozone, fordert eine strikte Anti-Migrationspolitik, will das Recht auf Abtreibung einschränken und traditionelle Familienmodelle stärken.

"Wie viel Selbstverleugnung muss Alice Weidel wohl jeden Tag aufbringen, um Vorsitzende dieser AfD zu sein?", fragt der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung.

Quelle: ntv.de