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Der Tag Als die Sesamstraße in Bayern noch für "Angst vor Überfremdung" sorgte

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"Szenen einer Ehe" oder eher "Ein seltsames Paar"?

(Foto: dpa)

Klingt lächerlich, ist aber so (gewesen): Als am 8. Januar 1973 die "Sesamstraße" erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde, boykottierte sie der Bayerische Rundfunk. "Kulturelle Überfremdung" deutscher Kinder fürchtete der Sender durch die Multikultidarstellung mit dunkelhäutigen Schauspielern.

Die Worte aus Bayern gegen die "Sesamstraße" fielen drastisch aus, über "pädagogische Infamie" etwa wegen einer Verherrlichung des Lebens in der Mülltonne durch die Puppe Oscar. Doch was mit zeitlichem Abstand unfassbar klingt, war nur die Zuspitzung einer tatsächlich größeren Debatte. Auch Pädagogen und Eltern aus anderen Landesteilen waren unsicher bis skeptisch, ob die in den USA von dem Puppenspieler Jim Henson ins Leben gerufene und vom Norddeutschen Rundfunk nach Deutschland geholte "Sesamstraße" für den Nachwuchs taugt. Das oft anarchische Puppenspiel, das Erarbeiten von Buchstaben und Zahlen über permanente Wiederholung - Graf Zahl: "Ich liebe das Zählen bis zur Qual" - und dazu die Einspielfilme mit realen Schauspielern waren eine Mischung, die zunächst niemand so richtig einordnen konnte.

Ernie und Bert waren dabei die Stars der Sendung. Hier der oberseriöse Bert, dort der chaotisch-alberne Ernie. Als Bert wegen eines tropfenden Wasserhahns nicht einschlafen kann, löst Ernie auf seine Art das Problem. Er stellt einfach so laut Musik an, dass sein Freund das Tropfen nicht mehr hören kann. Man muss schon sagen: Das ist ja unerhört! Und auch der nächste Aspekt - die Gay-Community reklamierte Ernie und Bert irgendwann als das erste schwule Paar einer Kinderserie für sich - klingt heute ganz weit weg: Die "Sesamstraßen"-Macher betonten, dass ihre Puppen ein Leben ohne Sexualität führen.

Quelle: ntv.de

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