Der TagArrivederci Angela - Benvenuto Olaf: Zeichen einer hochentwickelten demokratischen Kultur

Vorhang auf für Olaf Schulz! Olaf wer? Am Samstag um 17.45 Uhr teilte das Weiße Haus in einer schriftlichen Presseerklärung mit, dass ein gewisser "Olaf Schulz" beim G20-Gipfel in Rom einem Treffen von Präsident Joe Biden mit Bundeskanzlerin Angela Merkel beigewohnt habe. Knapp zwei Stunden später folgte die Korrektur. Bei dem Mann in Rom handele es sich um "Seine Exzellenz Olaf Scholz, Vizekanzler und Minister der Finanzen", stellte die US-Regierung klar.
Olaf Scholz also, der wahrscheinlich nächste Bundeskanzler, muss zumindest im Weißen Haus noch an seinem Bekanntheitsgrad arbeiten. Unterstützung erhielt er dabei am Wochenende von der Kanzlerin, die ihren mutmaßlichen Nachfolger beim Gipfel der G20-Gruppe in den Kreis der mächtigsten Staatenlenker einführte. Eine ungewöhnliche Geste mit Signalwirkung: Die CDU-Langzeit-Kanzlerin Merkel nahm in Rom den SPD-Kanzler-Lehrling Scholz mit zu ihren bilateralen Treffen mit den Staats- und Regierungschefs. Deutschland demonstrierte so auf internationaler Bühne, dass der Machtwechsel von der einen Partei zur anderen friedlich vonstatten gehen kann - als Zeichen einer hoch entwickelten demokratischen Kultur.
Eine einflussreichere Fürsprecherin hätte sich Scholz kaum wünschen können. "Sie ist schon ein bisschen die Grande Dame in dieser ganzen Gesellschaft", hieß es aus der deutschen G20-Delegation. Und es sei "durchaus eine historische Sache, dass die Vorgängerin mit dem möglichen Nachfolger auftaucht". Sie habe bei ihren Gesprächen in Rom "darauf hingewiesen, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass Herr Scholz der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist", so Merkel in der ihr eigenen Trockenheit.