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Der TagBaerbocks Reise in die USA - Schonfrist war gestern

05.01.2022, 06:55 Uhr

Vier Wochen ist Annalena Baerbock erst im Amt - doch von Anfang an beherrscht Krisendiplomatie die Agenda der neuen deutschen Außenministerin, von den üblichen 100 Tagen Schonfrist also keine Spur. Auch an diesem Mittwoch in Washington, wenn US-Außenminister Antony Blinken die 41-Jährige empfängt, steht wieder der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine im Mittelpunkt. Es gibt Sorgen, die USA und Russland könnten Deutschland und Europa bei ihren Verhandlungen über eine Lösung der Krise außen vor lassen. Die richtig harten Gespräche auf internationalem Parkett stehen für die Grünen-Politikerin noch aus: Gut möglich, dass eine Art Vermittlungsmission sie demnächst auch nach Kiew und Moskau führt.

Spannend dürfte sein, wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow "die Neue" empfängt - auch wegen Baerbocks lautstarker Ankündigungen, gegenüber Russland und China mehr als die schwarz-rote Vorgängerregierung auf das Thema Menschenrechte zu pochen. Welche Bedeutung es hat, vor derart schwierigen Reisen den Schulterschluss mit dem wichtigsten transatlantischen Partner zu suchen, macht das Drehbuch für den Washington-Besuch klar. Es ist ein 26-Stunden-Trip über den Atlantik.

Eine Überprüfungskonferenz zum Atomwaffen-Nichtverbreitungsvertrag in New York, wo Baerbock auftreten wollte, musste verschoben werden. Die Nichtverbreitung von Atomwaffen ist eines ihrer wichtigsten Ziele. Mit ihrer Reise unterstreiche sie sehr früh in ihrer Amtszeit und kurz nach der Übernahme des Vorsitzes der Staatengruppe führender demokratischer Wirtschaftsmächte (G7) durch Deutschland Anfang des Jahres die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen, begründet das Auswärtige Amt die Stippvisite. Auch um die Klimaaußenpolitik solle es gehen und das gemeinsame Engagement zur Stärkung von Demokratien - zwei weitere Herzensangelegenheiten Baerbocks.

Quelle: ntv.de