Der TagDas sagt die Presse zur Festnahme von Ex-Prinz Andrew
Nach der Festnahme von Ex-Prinz Andrew herrscht in Großbritannien Aufruhr. Die Polizei sucht weiter nach Hinweisen. Medien und Öffentlichkeit warten auf neue Details, sind sich in vielen Dingen jedoch bereits einig:
Die britische Tageszeitung "The Times" wähnt die Monarchie in der "größten Krise seit der Abdankung".
Die australische Zeitung "Sydney Morning Herald" spricht von einer Schande für das Königshaus:
Der jüngere Bruder des Königs hat Schande über sich selbst und die königliche Familie gebracht – im größten Skandal, der das Haus Windsor je erschüttert hat. Mit seiner Festnahme beginnt für Andrew Mountbatten-Windsor eine Phase, die den bereits angerichteten enormen Schaden weiter verschlimmern dürfte. Bemerkenswert an der Festnahme ist, dass sie nichts mit seinem Umgang mit Frauen oder seiner Beziehung zu Virginia Roberts Giuffre zu tun hat, die in den letzten zehn Jahren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit um den ehemaligen Prinzen stand. (...)
Die ebenfalls australische Zeitung "The Age" befürwortet die Festnahme, warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen zum Untergang der Monarchie:
Für Mountbatten-Windsor gibt es kein Mitgefühl. Seine Festnahme am Donnerstag erfolgte Jahre nach den Enthüllungen über seine Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und Jahre nach der Veröffentlichung des berüchtigten Fotos, das ihn mit der Hand an der Taille von Virginia Roberts Giuffre zeigt, die ihn der sexuellen Nötigung beschuldigte. (...) Doch niemand sollte voreilige Schlüsse über den Niedergang der Monarchie ziehen. Ja, die Öffentlichkeit hat sich von Andrew abgewandt. Er hat jedoch keine königlichen Pflichten mehr, und seine Titel wurden ihm aberkannt. Und Charles erfreut sich weiterhin immenser Beliebtheit. (...)
Für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" endet mit der Festnahme ein stillschweigendes Privileg:
Die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor ist ein Paukenschlag. Nicht, weil damit bereits seine Schuld bewiesen wäre, sondern weil damit ein stillschweigendes Privileg endet, das viel zu lange Bestand hatte: dass die Herkunft davor schützt, zur Verantwortung gezogen zu werden. (...) Skandale wurden ausgesessen, Probleme verwaltet, nicht aufgearbeitet. Diese Zeiten sind jetzt eindeutig vorbei. Das hat auch damit zu tun, dass sich die britische Gesellschaft verändert hat. Sie ist misstrauischer geworden gegenüber Eliten und sensibler für Machtmissbrauch. Privilegien werden nicht mehr akzeptiert.
Und die norwegische sozialliberale Zeitung "Dagbladet" blickt vor allem Richtung USA:
Die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor erhöht den Druck auf US-Präsident Donald Trump und Justizministerin Pam Bondi. Wenn die Briten in der Lage sind, Vorwürfen gegen einen ehemaligen Royal nachzugehen, ist es für die USA geradezu peinlich, dass die Behörden offenbar ihre Spitzenpolitiker schützen.