Der TagDinieren inmitten der "Banalität des Bösen"?
Schwieriges Unterfangen, eine ehemalige SS-Kantine wieder aufzubauen, oder? In Auschwitz wird darüber nachgedacht. Im Zweiten Weltkrieg kamen die SS-Wachen des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hierhin, um zu Essen oder Partys zu feiern, danach diente sie noch einige Zeit als Getreidelager, bevor sie nach und nach verfiel - nun hofft eine polnische Stiftung, die ehemalige SS-Kantine von Auschwitz wieder aufzubauen. Diese soll nach dem Wunsch der Stiftung künftig Zeugnis von einer weitgehend vergessenen Facette des Holocaust ablegen.
Der 1942 errichtete Speisesaal bot Platz für 4000 Menschen. Hierhin gingen die SS-Wachen, um "einen Happen zu essen" und mit Partys oder Konzerten "etwas Ablenkung" zu finden - "und das alles im Schatten des monströsen Verbrechens", so ein Organisator des Projekts. Die Stiftung der Gedenkstätten in der Nähe von Auschwitz-Birkenau (FPMP) wurde vor acht Jahren gegründet, um Gebäude, die mit dem ehemaligen Vernichtungslager in Verbindung stehen und sich außerhalb des staatlichen Museums befinden, vor dem Vergessen zu bewahren. Die ehemalige Kantine sei "aus historischer Sicht interessant", da sie einiges über das gesellschaftliche Leben des Lagerpersonals verrate.
Ideen, wie sie die Kantine nutzen könnte, hat die Stiftung viele. Unter anderem denkt sie über eine "Wand der Schande" nach, auf der die Namen der SS-Leute - vielleicht sogar mit Fotos - aufgelistet sind. Damit könne die Kantine an die "Banalität des Bösen" inmitten der Hölle von Auschwitz erinnern.