Der TagErdogan wird in Deutschland keine große Rede halten

Wenn der türkische Staatspräsident Erdogan nach Deutschland kommt, ist das eine heikle Sache - die Beziehungen zu Deutschland sind angespannt, nicht zuletzt wegen seines harten Durchgreifens nach dem Putschversuch vor zwei Jahren und zahlreicher Inhaftierungen von Journalisten und Bürgerrechtlern. Aber auch, weil er Erdogan unter den Türken in Deutschland viele Anhänger hat - so stimmten sie mit großer Mehrheit seiner Verfassungsreform zu, die ihm noch mehr Macht gab (bei allerdings geringer Wahlbeteiligung) und gleichzeitig die Bundesregierung und die Deutschen in der Vergangenheit immer wieder hart attackierte und auch mit Nazi-Vorwürfen nicht sparte. Und dann war da ja noch dieses Foto mit den Fußballern Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Vor seinem Staatsbesuch vom 27. bis 29. September war daher die bange Frage: Was, wenn Erdogan eine große Rede hält und sich entscheidet, groß zu provozieren?
Dazu wird es nicht kommen. Wie die türkische Botschaft nun mitteilt, wird der Präsident in Deutschland keine große Rede halten. Es sei allenfalls möglich, das Erdogan bei der Eröffnung einer Moschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib in Köln am 29. September eine kurze Ansprache halte, teilte die türkische Botschaft mit. Auch zu einer ursprünglich angedachten gemeinsamen Begegnung von Erdogan und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit türkischstämmigen Bürgern wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Aus der Umgebung Steinmeiers hieß es, auf der Seite des Präsidialamts gebe es keine solchen Planungen. Die türkische Seite hatte sich eine solche gemeinsame Veranstaltung gewünscht.