Fünf Jahre "Wir schaffen das" Erik Marquardt: "Danke, liebe Ehrenamtliche"
Vor fünf Jahren war ich als Fotograf auf der Balkanroute. Ich habe gesehen, wie tausende Menschen, auf seeuntüchtigen Booten, an den Küsten von Lesbos ankamen. Männer, Frauen und Kinder, die Schutz und Perspektive suchten. Seitdem hat sich viel verändert - vor allem in der politischen Debatte. Der Ton ist rauer, die Politik kälter geworden. Es gibt fast täglich Berichte von Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen, von elendigen Bedingungen für Schutzsuchende in europäischen Camps, von Menschen, die im Mittelmeer ertrinken und Seenotrettungsschiffen, die festgehalten werden.
Die Aufnahme von Schutzsuchenden bringt Herausforderungen mit sich und wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen, verrät mehr über uns als über jene die nach Europa kommen. Europa degradiert sich in der Flüchtlingspolitik derzeit zu einem Häufchen Elend ohne Werte, Moral oder Anstand. Man hat das Gefühl, europäische Asylpolitik besteht vor allem aus dem Jammern über jeden Bürgerkriegsflüchtling, der es wagt, nach Europa zu fliehen.
Dabei haben wir es dank einer lebendigen Zivilgesellschaft und Millionen Stunden ehrenamtlicher Arbeit doch sehr gut geschafft das Ankommen und Zusammenleben zu gestalten. Das war eine große, eine europäische Leistung und wir als Politiker sagen zu selten: Danke dafür, liebe Ehrenamtliche. Ihr seid das "Wir", das es geschafft hat. Ihr habt nicht nur zugeschaut, wenn ihr helfen konntet. Ihr habt nicht gejammert, sondern angepackt. Danke.
Erik Marquardt (Grüne) ist Mitglied des Europäischen Parlaments. Seine Schwerpunktthemen sind Flucht, Migration und Menschenrechte.