Der TagForscher: Deutsche und EU-Behörde verharmlosen Glyphosat
Im Streit um das auch in Deutschland viel verwendete Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat haben 96 Wissenschaftler aus aller Welt den europäischen Behörden gravierende Mängel vorgeworfen.
In einem offenen Brief an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis kritisieren sie, dass die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) den Stoff kürzlich als "wahrscheinlich nicht krebserregend" eingestuft hat. Auch gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erhoben die Wissenschaftler schwere Vorwürfe.
In dem Schreiben fordern die Wissenschaftler die EU-Kommission auf, bei ihren Entscheidungen "die fehlerhafte Bewertung der Efsa nicht zu beachten". Die Analyse des BfR sowie die darauf aufbauende Bewertung der Efsa enthalte schwerwiegende Mängel, schreiben die Forscher in dem Brief.
Sie sei in Teilen "wissenschaftlich inakzeptabel", ihre Sprache "irreführend". Außerdem seien die Ergebnisse "durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt" und "nicht auf offene und transparente Weise erzielt worden".
Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) den Wirkstoff im Frühjahr als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" bewertet. Diese Analyse sei "mit Abstand die glaubwürdigere", unabhängig und transparent, heißt es in dem Brief.