Der TagGuildo Horn - "Ritter der Zärtlichkeit" - vor 25 Jahren beim ESC

Dass es Deutsche mit Humor gibt, das halten viele Briten für ein großes Märchen. Auf der Insel herrscht eher das Bild des steifen Teutonen vor, vollkommen unfähig, sich auch nur ein bisschen locker zu machen. In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1998 aber bröckelte dieses Bild der Briten - ein mäßig frisierter Sänger aus Trier in einem türkisfarbenen Samtmantel sollte dieses Bild für immer verändern. Sein Name: Guildo Horn.
Der selbsternannte "Ritter der Zärtlichkeit" sei einer der ersten "Versuche", zu zeigen, dass die Deutschen Humor hätten, ordnete die "Sunday Times" das Erlebte am folgenden Morgen ein. Was war passiert? Guildo Horn sang damals beim Eurovision Song Contest (ESC) im englischen Birmingham sein Lied "Guildo hat euch lieb!", das vor allem für seine fröhliche Zeile "Piep, piep, piep, ich hab' Dich lieb" bekannt ist. Dazu hüpfte und turnte er über die Bühne, dass man zu Hause Angst haben musste, dass gleich der Röhrenfernseher auseinanderfliegt. Optisch sah er mehr wie ein gealterter Karnevalsprinz aus - weniger wie ein cooler Pop-Star. Am Ende sprang der siebte Platz heraus, was angesichts der schon damals ausgewachsenen deutschen ESC-Misere ein beachtliches Ergebnis war.
Die Platzierung beschrieb aber nur halb, was dem bunten Sozialpädagogen insgesamt gelungen war. Plötzlich interessierte man sich in Deutschland wieder für den arg angestaubten Schlagerwettbewerb, den man damals noch pathetisch Grand Prix Eurovision de la Chanson nannte. Handstreichartig überrumpelte er das alte ESC-Establishment, dessen Großherrscher Ralph Siegel beim Vorentscheid in Bremen konsterniert ins Leere schaute. Komponiert hatte Horns Lied Stefan Raab - unter dem Spott-Pseudonym "Alf Igel".
Später sicher mehr dazu