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Der TagItalien erschwert per Dekret zivile Hilfe für Menschen auf dem Mittelmeer

29.12.2022, 16:28 Uhr

In Italien sind zivile Seenotretter alles andere als gern gesehen - zumindest die, die Menschen aus afrikanischen Ländern vor dem Ertrinken retten. Nun hat die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ein Dekret verabschiedet, das die Einsätze von zivilen Seenotrettern im Mittelmeer deutlich einschränken soll. Internationale Helfer reagieren empört. Das Dekret sieht unter anderem vor, dass die Schiffe der Hilfsorganisationen nach einer ersten Rettung sofort einen dann zugewiesenen Hafen ansteuern müssen, ohne eventuell weiteren Booten in Seenot Hilfe leisten zu können. Normalerweise führen die Schiffe pro Einsatz mehrere Rettungen von Menschen auf kleinen Booten durch.

"Das neue Dekret der italienischen Regierung ist eine Aufforderung zum Ertrinkenlassen", sagte Oliver Kulikowski vom deutschen Verein Sea-Watch, der regelmäßig auf Einsätzen im zentralen Mittelmeer ist. "Schiffe in den Hafen zu zwingen, verstößt gegen die Pflicht zur Rettung, sollten noch weitere Menschen in Seenot sein. Wir werden uns auch diesem Versuch entgegenstellen, zivile Seenotrettung zu kriminalisieren und Flüchtende ihrer Rechte zu berauben." Auch Ärzte ohne Grenzen übte Kritik. "Wir werden gezwungen, die Rettungszone im Mittelmeer ungeschützt zu lassen, was dazu führen wird, dass die Zahl der Toten steigt", sagte Marco Bertotto, der Italien-Verantwortliche der NGO, der Zeitung "La Stampa".

Quelle: ntv.de