Der TagJeder dritte Arzt 55 Jahre alt oder älter

Unsere Gesellschaft wird älter und so haben auch junge Ärztinnen und Ärzte mehr und mehr Seltenheitswert. Knapp ein Drittel aller Medizinerinnen und Mediziner in Deutschland ist mindestens 55 Jahre alt. 2023 waren es gut 31 Prozent der Ärztinnen und Ärzte der Human- und Zahnmedizin, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Damit liegt diese Altersgruppe deutlich über dem Schnitt aller Erwerbstätigen. Im Vergleich zu zehn Jahren vorher ist das schon ein Sprung: Da hatte der 55-Plus-Anteil unter den Ärztinnen und Ärzten noch bei 26 Prozent gelegen. Dazu passend sank der Anteil der Medizinerinnen und Mediziner zwischen 35 und 54 Jahren binnen zehn Jahren um sechs Prozentpunkte auf nun 48 Prozent. Nur rund jeder oder jede Fünfte ist jünger als 35 Jahre.
Also mehr Medizinerinnen und Mediziner aus dem Ausland anwerben? Das kann auch nicht die Lösung sein, anderen - meist ärmeren Ländern - die Fachkräfte auszuspannen. Und es liegt nicht am Willen junger Menschen, Arzt oder Ärztin zu werden: Viele Medizinstudierende aus Deutschland studierten im Ausland. Zahlen dazu liegen nur aus vereinzelten Ländern vor. Allein in Österreich studierten 2600 Deutsche in den Jahren 2021/2022 Humanmedizin. In Ungarn waren es knapp 2100 und in Polen 900. Auch in der Zahnmedizin zog es die meisten, die im Ausland studierten, nach Österreich und Ungarn. Das heißt zum einen, dass das Studienplatzangebot in Deutschland immer noch viel zu gering ist. Zum anderen, dass andere Länder Medizinerinnen und Mediziner ausbilden, die vermutlich nicht dort bleiben und folglich dem dortigen Gesundheitssystem nicht zur Verfügung stehen, sondern in Deutschland oder in Ländern mit noch besserer Bezahlung ihr Geld verdienen werden. Immerhin: In Deutschland stieg die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger nahezu kontinuierlich. Im Wintersemester 2022/2023 begannen 14.300 Menschen ein Studium der Humanmedizin. Das waren 17 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. In der Zahnmedizin gibt es den Statistikerinnen und Statistikern zufolge kaum einen Unterschied.