Der TagKampfstoffe an Russland geliefert? Razzia bei mehreren Firmen
Haben deutsche Unternehmen Kampfstoffe an Russland verkauft? Zollfahnder durchsuchen seit dem Morgen mehrere Firmen in Nord- und Süddeutschland, wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichten. Die Ermittler gehen demnach dem Verdacht nach, dass Firmenverantwortliche über dreieinhalb Jahre ohne Genehmigung hochgiftige Chemikalien nach Russland ausgeführt haben. Im Zentrum der Razzia soll die Firma Riol Chemie GmbH stehen, die im niedersächsischen Lilienthal, nordöstlich von Bremen ihren Sitz hat. Die Staatsanwaltschaft Stade bestätigte den Medienhäusern Durchsuchungen in sieben Firmen und Privaträumen wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz.
Bei den Chemikalien soll es sich dem Bericht nach um "Dual-Use-Güter" handeln, die zivil und militärisch eingesetzt werden können. Wie der Rechercheverbund berichtet, glauben die Ermittler, dass sich unter den fraglichen Substanzen auch Chemikalien befinden, die als Grundstoffe für die Herstellung von chemischen und biologischen Kampfstoffen - wie etwa Senfgas oder womöglich sogar das Nervengift Nowitschok - genutzt werden können. Nowitschok erlangte im März 2018 internationale Bekanntheit nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und seine Tochter in Großbritannien. Auch als der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny im August 2020 vergiftet wurde, soll das Nervengift eingesetzt worden sein.