Der Tag

Fünf Jahre "Wir schaffen das" Lars Eidinger: "Eigentlich wird eher alles immer schlimmer"

31.08.2020, 12:02 Uhr
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(Foto: picture alliance/dpa)

Ich glaube nicht, dass "wir" "es" geschafft haben oder schaffen werden. Ich habe ehrlich gesagt den Glauben an die Menschen verloren. Die Frage ist doch eher: Wie lange braucht der Mensch noch, um sich selbst zu zerstören? Ich empfinde die Menschheit als selbstdestruktiv, niemand wird aus seinen Fehlern schlauer. Eigentlich wird eher alles immer schlimmer. Jesus wurde ans Kreuz genagelt, Greta Thunberg wird verhöhnt, Donald Trump ist Präsident - wo sollte da Hoffnung herkommen?

Und um den Bezug zu den Geflüchteten zu schaffen: Ja, man hat es geschafft, hier und da 50 Kinder zu holen, und unsere Spargel-Ernter, aber sonst? Ich habe neulich ein gutes Zitat gelesen: "Der Grund für unsere Armut kommt nicht in Booten angereist, sondern sitzt in Limousinen." Die Leute, die bei uns ankommen sind nicht der Grund dafür, dass es den Leuten hier schlecht geht. So wird es aber verkauft.

Lars Eidinger ist Schauspieler. Ab dem 24. September ist er wieder im Kino zu sehen. In "Persischstunden" lernt er als Nazi-Kommandant "Fake Farsi", weil er nach dem Zweiten Weltkrieg ein deutsches Restaurant in Teheran eröffnen möchte.

Quelle: ntv.de