Der Tag

Der TagMehr Flüchtlinge als Einwohner in deutschem Dorf Seeth - und es funktioniert

27.03.2023, 06:59 Uhr

Solche Zahlen könnten für Unruhe sorgen: Auf jeden Einwohner des knapp 700 Einwohner zählenden schleswig-holsteinischen Dorfes Seeth kommt mehr als ein Geflüchteter. Rund 790 Flüchtlinge und Asylbewerber sind in der dortigen Landesunterkunft für Flüchtlinge (Luk) untergebracht, Stand 21. März. Hinzu kommen 17 der Kommune zugewiesene Flüchtlinge. Die meisten Menschen in der Luk (719) kommen aus der Ukraine. Die übrigen Bewohner sind Asylbewerber.

Der ehrenamtliche Bürgermeister von Seeth, Ernst-Wilhelm Schulz, sei unheimlich stolz auf seine Bürgerinnen und Bürger, erzählt er. Stolz auf die Akzeptanz der Situation, auch wenn das Verhältnis zwischen Flüchtlingen und Einwohnern zahlenmäßig nicht passe. Als die Luk vor rund einem Jahr nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wiedereröffnet wurde, gab es eine unheimlich große Hilfsbereitschaft, wie Schulz schildert. Manchmal werden die Seether auch zu Veranstaltungen in die Landesunterkunft eingeladen.

Seeth ist ein Dorf im ländlichen Nordfriesland, und nicht überall funktioniert das Neben- und Miteinander von Einheimischen und Geflüchteten so geräuschlos. So sorgen in Mecklenburg-Vorpommern Pläne für den Bau einer Unterkunft in dem 500-Einwohner-Ort Upahl seit Wochen für Proteste. Hier war zunächst eine Containerunterkunft mit 400 Plätzen geplant. Zuletzt hatte der Kreistag beschlossen, eine Begrenzung auf 200 zu fordern. Aber auch in Seeth könnte die Stimmung irgendwann kippen, meint der Bürgermeister. Aufgrund der Erfahrung in anderen Landesunterkünften wurden jedoch Strukturen aufgebaut, die die Menschen an die Unterkunft binden. Es gibt eine Schule auf dem Gelände, eine Art Kindergarten, eine ärztliche Versorgung, ein Frauencafé, Freizeitangebote für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, man kann Räder ausleihen, Tischkicker oder Tischtennis spielen. Es werden Bastelkurse für Kinder oder Nähkurse angeboten. Zudem gebe es fast überall WLAN. Es ist ganz anders als in einer Unterkunft, in der nichts angeboten wird.

Quelle: ntv.de