Der TagMindestens 110 Tote bei Massaker wegen "Hexerei" in Elendsviertel
Cite Soleil ist ein dicht besiedelter Slum am Hafen der Hauptstadt Port-au-Prince und gehört zu den ärmsten und gewalttätigsten Gebieten Haitis. Es wird durch Banden streng kontrolliert. Jetzt dringt ans Licht, dass sich am Wochenende dort grausame Szenen abgespielt haben. Bei einem Massaker starben in dem Elendsviertel einer Menschenrechtsorganisation zufolge mindestens 110 Menschen. Der Chef einer Bande habe es hauptsächlich auf ältere Menschen abgesehen, teilte das haitianische Netzwerk zum Schutz der Menschenrechte (RNDDH) mit. Er habe sie verdächtigt, durch Hexerei die Krankheit seines Kindes verursacht zu haben.
Den Angaben zufolge suchte der Bandenführer Monel "Mikano" Felix nach der Erkrankung des Kindes Rat bei einem Voudou-Priester. Dieser habe ältere Menschen beschuldigt, dem Kind durch Hexerei zu schaden. Dies habe Felix dazu veranlasst, die Tötungen anzuordnen. Seine Bandenmitglieder hätten in dem Slum Cite Solei am Freitag mindestens 60 Menschen und am Samstag 50 Menschen mit Macheten und Messern umgebracht. Alle seien über 60 Jahre alt gewesen.
Update 11.48: Inzwischen gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass mindestens 184 Menschen ermordet wurden. Laut einer Mitteilung der Organisation Komitee für Frieden und Entwicklung (CPD) vom Sonntag handelte es sich anscheinend um den Racheakt eines Bandenbosses. Dieser habe Anhänger des Voodoo-Kultes für den Tod seines Sohnes verantwortlich gemacht.