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Der TagPolanski-Prozess: Schauspielerin schildert "Vergewaltigung" vor 40 Jahren

06.03.2024, 13:56 Uhr

In Paris hat erstmals ein Prozess gegen Filmemacher Roman Polanski begonnen, in dem es um Vorwürfe sexueller Gewalt geht, wenn auch nur indirekt. Angeklagt ist der 90-jährige Starregisseur wegen Verleumdung: Die britische Schauspielerin Charlotte Lewis wirft ihm vor, sie zu Unrecht der Lüge bezichtigt zu haben.

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Das Verfahren gegen den 90-jährigen Regisseur erregt in Frankreich viel Aufsehen. Roman Polanski ist bei dem Prozess in Paris aber nicht anwesend. (Foto: AP)

Vor Gericht schilderte die 56-Jährige am Dienstag, wie sie vor 40 Jahren von dem Starregisseur sexuell missbraucht worden sei. Als 16 Jahre altes Model sei sie mit einer Freundin nach Paris gefahren, um Polanski zu treffen. Dieser suchte damals Schauspieler für seinen Abenteuerfilm "Piraten". "Er meinte, unser Hostel sei nicht gut genug, und lud uns zu sich ein", erinnert sie sich. Sie seien in ein Restaurant gegangen, ihre Freundin habe sich danach bei Polanski zu Hause schlafen gelegt. "Sie ließ mich allein mit ihm. Dann hat er mich vergewaltigt", sagte Lewis.

Erst 2010 ging Lewis mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Klage reichte sie damals nicht ein, weil sie nach eigener Aussage davon ausging, dass der Fall verjährt war. Als Polanski 2019 seinen Film "Intrige" in die Kinos brachte, ließ er sich auf ein langes Interview mit "Paris Match" ein. Auf Lewis angesprochen, warf er ihr darin eine "gemeine Lüge" vor und zog einen Ausschnitt ihres Interviews von 1999 hervor. Darin rühmte sich Lewis, Polanski in Paris selbst verführt zu haben. Zudem berichtete sie darin, dass sie mit 14 Jahren Drogen nahm und von einer älteren "Freundin" zur Prostitution gedrängt worden sei. Wenige Monate nach den Aussagen Polanskis in der Zeitung reichte Lewis ihre Verleumdungsklage ein. Nach französischem Presserecht führt eine solche Klage fast immer zu einem Prozess. Das Urteil soll am 14. Mai bekannt gegeben werden.

Quelle: ntv.de