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Der TagPolin verklagt Holocaust-Forscher - Historiker besorgt

08.02.2021, 06:23 Uhr

Die Geschichtsprofessoren Barbara Engelking und Jan Grabowski befassen sich in ihrem 2018 erschienenen Buch "Dalej jest noc" ("Und immer noch ist Nacht") mit der Vernichtung der Juden in einer polnischen Provinz unter deutscher Besatzung. Darin schreiben sie, dass ein Ortsvorsteher in Ostpolen mitschuldig am Tod von mehr als 20 im Wald versteckten Juden gewesen sei, die den Deutschen übergeben wurden. Der Nichte des früheren Ortsvorstehers passt das gar nicht. Sie verklagt die Autoren wegen Verleumdung, da sie die Erinnerung an ihren Onkel diffamiert sieht. Und verlangt umgerechnet rund 22.500 Euro Entschädigung und eine öffentliche Entschuldigung der Autoren.

Deutsche Historiker sind besorgt über das Verfahren: "Es hat ein enormes Einschüchterungspotenzial, wenn es zu solchen Gerichtsverhandlungen kommt", sagte die Vorsitzende Eva Schlotheuber vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD). Gerade jüngere Forscher könnten abgeschreckt werden. Auch entstehe ein großer Schaden für die Gesellschaft, wenn "wissenschaftlich fundierte Forschungsergebnisse nicht im wissenschaftlichen oder öffentlichen Diskurs verhandelt werden, sondern vor Gericht."

Quelle: ntv.de