Der TagRAF-Experte: Prozess gegen Klette wird keine neuen Erkenntisse bringen

Mit Spannung wird ein Prozess, der morgen vor dem Landgericht in Verden beginnt, erwartet, bei dem es eigentlich um nichts Außergewöhnliches geht: um Raubüberfälle auf Geldtransporter und Supermärkte. Interessant sind hier nicht die Tatvorwürfe, sondern die mutmaßliche Täterin macht das Verfahren besonders - die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette. Seit etwas mehr als einem Jahr sitzt Klette in Untersuchungshaft - nach mehr als 30 Jahren im Untergrund. Mit den Raubüberfällen sollen sie, Burkhard Garweg und Ernst Staub ihr Leben im Verborgenen nach Auflösung der RAF finanziert haben. Allzu große Erwartungen sollte man bei dem Prozess gegen Klette nicht hegen, meint der Extremismusforscher Alexander Straßner. "Wer neue Erkenntnisse zur RAF erwartet, wird enttäuscht werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Wenn man die Vergangenheit von Klette mal beiseite lässt, würde der Prozess kaum jemanden interessieren", sagte Straßner, der seit Jahrzehnten zu Linksextremismus und der RAF forscht.
Er sieht in dem Verfahren vor dem Landgericht Verden sogar die Gefahr eines "Eigentors" für die Behörden: Der große organisatorische Aufwand, darunter der Bau eines neuen Gerichtssaals, könne den Eindruck einer Sonderbehandlung erwecken. "Die Verteidigung wird darin die Kriminalisierung linken Gedankenguts sehen und versuchen, den Strafprozess als politischen Prozess darzustellen", sagte Straßner. Ähnliche Fehler seien bereits in den RAF-Prozessen der 1970er und 1980er Jahre gemacht worden.