Der Tag

Der TagRamelow spricht über seine Legasthenie

11.05.2021, 18:07 Uhr

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat in einem Interview eingeräumt, als Kind Schuldiktate im Namen seines Vaters unterzeichnet zu haben - aus Angst vor Schlägen und Vorwürfen seiner Eltern.

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Kam bei den Diktaten "immer mit Sechsen nach Hause": Bodo Ramelow. (Foto: picture alliance / Flashpic)

"Ich fälschte seine Unterschrift unter den Diktaten, um nicht wieder vollgemeckert zu werden", sagte Ramelow, der unter einer Rechtschreibschwäche litt, der "Zeit". "Bei den Diktaten kam ich immer mit Sechsen nach Hause, was dann aber zur nächsten Tracht Prügel durch meine Mutter führte. Es ist ein Trauma."

Ramelow beschreibt in dem Interview, wie die lange Zeit nicht diagnostizierte Legasthenie sein Leben und seinen Werdegang formte. In der Schulzeit sei er Klassenclown geworden, um zu kaschieren, dass das Schreiben einfach nicht funktionierte.

Eine positive Auswirkung der Legasthenie erkennt Ramelow dennoch: "Ich merkte: Wenn ich Wörter schon nicht intuitiv richtig schreibe, kann ich sie wenigstens auswendig lernen." Bis heute schreibe er Wörter geistig vor sich auf. "Ich vergesse keine Namen, keine Ereignisse. Ich kann Reden aus dem Stegreif halten, jederzeit abrufen."

Quelle: ntv.de