Der Tag"Viele in der Türkei haben schon ihre Koffer gepackt"
Einfach wird es nicht, selbst bei einem Regierungswechsel stehen schwierige Zeiten bevor, ist sich der im Berliner Exil lebende türkische Journalist und Oppositionelle Can Dündar sicher. Er sieht den Ausgang der Präsidentschafts- und Parlamentswahl in der Türkei auch rund drei Wochen vor der Abstimmung als völlig offen an. "Die Türkei muss dann nach zwei Jahrzehnten Ein-Mann-Herrschaft die Demokratie neu lernen", sagt Dündar. Bei einer Niederlage von Staatschef Recep Tayyip Erdogan befürchtet er zudem eine Reaktion ähnlich dem Sturm auf das US-Kapitol im Februar 2021.
Viele Türken sehen der Wahl am 14. Mai mit Hoffen oder Bangen entgegen."Im schlimmsten Fall gewinnt Erdogan die Präsidentschaftswahl und seine Partei AKP bleibt im Parlament stärkste Macht", führt der in der Türkei unter anderem wegen angeblicher Spionage zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilte ehemalige Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet" aus. Das würde längerfristig eine vollständig autoritäre Herrschaft ohne Opposition bedeuten. "Die Enttäuschung wäre so groß, dass Hunderttausende aus der Türkei fliehen würden. Ich kenne viele, die schon ihre Koffer gepackt haben."