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Der TagVier-Tage-Woche bald auch in Deutschland?

21.10.2022, 07:35 Uhr

Vier Tage arbeiten, drei Tage Wochenende - und das bei gleichem Gehalt? In Deutschland ging die Diskussion zuletzt in eine andere Richtung: Industriepräsident Siegfried Russwurm symphatisierte mit der 42-Stunden-Woche, und Gesamtmetallchef Stefan Wolf brachte die Rente mit 70 ins Spiel. Das Argument: Wenn die Babyboomer bald in Rente gehen und immer weniger arbeitende Bevölkerung zur Verfügung steht, müssen die Verbleibenden länger ran.

Arbeitsforscher Philipp Frey vom Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse hält dagegen: "Natürlich ist es erstmal kontraintuitiv zu sagen: 'In einer Lage, wo wir eher wenige Arbeitskräfte zur Verfügung haben, verkürzen wir jetzt die Arbeitszeit'." Es gebe mittlerweile aber eine sehr gute Studienlage zu steigender Produktivität bei Arbeitszeitverkürzung. "Volkswirtschaftlich ist es definitiv möglich." In einer Studie in Großbritannien, an der mehr als 70 Unternehmen beteiligt sind, die ihren insgesamt über 3300 Beschäftigten zunächst für sechs Monate einen zusätzlichen freien, bezahlten Tag pro Woche gewähren, antworteten zur Halbzeit 86 Prozent der befragten Unternehmen, sich die Vier-Tage-Woche auch langfristig vorstellen zu können. 88 Prozent gaben an, das Modell funktioniere gut in ihrem Arbeitsalltag.

In Island zeigte eine Studie unter 2500 Beschäftigten, dass die Produktivität bei einer Vier-Tage-Woche und meist reduzierter Arbeitszeit größtenteils gleich blieb oder besser wurde, Belgien will die Vier-Tage-Woche sogar landesweit ermöglichen. Allerdings wird die wöchentliche Arbeitszeit nicht verkürzt.

Quelle: ntv.de