Der TagWas heute wichtig wird

Was heute wichtig wird, das hat für mich gestern Nacht stattgefunden, bei der Spendengala "Cinema for Peace". Erstens: Der Initiator des Abends, der irische Sänger und Aktivist Bob Geldof, hat nicht das Gefühl, dass die Welt untergeht. Man müsse aber sehr darauf achten, dass wir Vertrauen in unsere Werte haben, die im Moment außerordentlich infrage gestellt werden. Demokratie sei die "radikalste, die revolutionärste, die schwierigste aller politischen Philosophien", so der 72-Jährige. Zweitens: Störaktionen während eines Auftritts von Hillary Clinton im Theater des Westens in Berlin konterte die Ex-First-Lady gewohnt souverän. Der 76-Jährigen wurden unter anderem Kriegsverbrechen vorgeworfen. Auf die Rufe eines Mannes, der lautstark einen Waffenstillstand im Nahen Osten forderte, entgegnete Clinton ruhig: "Wenn die Hamas die Geiseln freilässt, kann es morgen einen Waffenstillstand geben." Und drittens: Wenn Sie auch nur den leisesten Hauch einer Chance haben, einmal im Leben Margot Friedländer zuzuhören, dann tun Sie das. Ich versuche, die Rede, die sie gestern gehalten hat, im Laufe des Tages für Sie zu finden oder zusammenzustellen.
Ansonsten hat mich heute Morgen diese Nachricht irritiert: Zwei Männer kommen nach einer Vergewaltigung - mal wieder - recht glimpflich davon, während das Opfer ein Leben lang mit den Folgen dieser Tat umzugehen haben wird. Im Prozess um die Vergewaltigung einer 14-Jährigen am Berliner Schlachtensee im vorigen Sommer gibt es nämlich ein Urteil. Das Landgericht verurteilte einen 19-jährigen Angeklagten zu drei Jahren Jugendstrafe wegen Vergewaltigung. Ein mitangeklagter 18-Jähriger erhielt wegen des sexuellen Übergriffs eine Bewährungsstrafe von neun Monaten. Zudem muss er ein soziales Einzeltraining absolvieren. Außerdem müssen beide jungen Männer dem Opfer zusammen 5000 Euro zahlen. 5000 Euro! Für ein widerliches Verbrechen. Wird die junge Frau auch ein vom Staat bezahltes "soziales Einzeltraining" erhalten? Bei dem ihr beigebracht wird, mit der Tatsache umzugehen, dass sie einfach Pech hatte? Zur falschen Zeit am falschen Ort? Männer sind so? Man kann schon vom Glauben abfallen. Bevor ich mich um diese Uhrzeit zu sehr aufrege, der weitere Überblick:
Julian Assange hofft bei einer Anhörung vor Gericht in London heute und morgen auf eine letzte Chance, sich gegen seine Auslieferung in die USA zu wehren. Sollte dem Antrag des Wikileaks-Gründers auf Berufung nicht stattgegeben werden, wäre der Rechtsweg in Großbritannien ausgeschöpft. Das US-Justizministerium will ihm wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen.
Deutschland und 25 andere EU-Staaten fordern eine sofortige humanitäre Feuerpause im Gaza-Krieg. Diese soll zu einem nachhaltigen Waffenstillstand, zur bedingungslosen Freilassung der Geiseln und zur Bereitstellung von humanitärer Hilfe führen, wie aus einer gestern Abend nach einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel veröffentlichten Erklärung hervorgeht.
Russische Soldaten sollen nach der Einnahme der Kleinstadt Awdijiwka im Osten der Ukraine nach Angaben aus Kiew mehrere dort zurückgebliebene ukrainische Schwerverwundete entgegen einer Vereinbarung erschossen haben. Der Feind habe zugestimmt, die Verwundeten evakuieren zu lassen, ihnen Hilfe zu gewähren und sie später auszutauschen, teilt die aus Awdijiwka abgezogene 110. Brigade gestern bei Facebook mit. Später seien jedoch in Videos der russischen Seite mindestens fünf der Zurückgebliebenen als tot identifiziert worden.
Verteidigungsminister Boris Pistorius will heute die Fregatte "Hessen" in den EU-Einsatz im Roten Meer zum Schutz von Handelsschiffen verabschieden. Pistorius besucht die rund 240 Soldaten auf dem Kriegsschiff, das im Hafen von Souda auf der griechischen Insel Kreta liegt.
Die Gewerkschaft Verdi hat erneut das Lufthansa-Bodenpersonal zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Beschäftigten sollen bis Mittwoch um 7.10 Uhr die Arbeit niederlegen. Das Unternehmen rechnet mit Hunderten Flugausfällen und mehr als 100.000 betroffenen Passagieren.
Borussia Dortmund hofft auf den ersten Einzug in das Viertelfinale der Champions League seit 2021. Nach Rang eins in der schweren Gruppe mit Paris Saint-Germain, AC Mailand und Newcastle United geht der Bundesliga-Vierte als Favorit in das Achtelfinal-Hinspiel bei der PSV Eindhoven.
In Hamburg findet heute Abend das traditionelle Matthiae-Mahl mit Bundeskanzler Olaf Scholz und der estnischen Regierungschefin Kaja Kallas statt.