Der Tag"Will in Hanau niemand": Familien von Anschlagsopfern wollen Filmprojekt verhindern
Die Kritik von Opferfamilien an dem Filmprojekt des Regisseurs Uwe Boll über den rassistisch motivierten Anschlag in Hanau vor gut einem Jahr reißt nicht ab. Angehörige meldeten sich im "Spiegel" zu Wort. Armin Hamza Kurtovic, Vater des ermordeten Hamza Kurtovic, sagte: "Ich werde alles dafür tun, um zu verhindern, dass sich Bolls Fantasie über rechte Täter als das wahre Schicksal von meinem Sohn bei den deutschen Zuschauern einbrennt." Cetin Gültekin, der Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin, fügte hinzu: "In meinen Augen tötet er mit dieser Verunglimpfung meinen Bruder ein zweites Mal."
Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) solidarisierte sich mit den Angehörigen: "Diesen unsäglichen Film will in Hanau niemand. Nicht die Angehörigen, nicht die politischen Gremien, nicht die Stadtgesellschaft", zitierte ihn der "Spiegel". "Wir werden gemeinsam alle Hebel in Bewegung setzen, um die Ausstrahlung zu verhindern."
Der Film ist dem Bericht zufolge bereits abgedreht und befindet sich in der Postproduktion. Uwe Boll schildert darin die Tatnacht aus der Perspektive des Täters. Er zeigt sich uneinsichtig: Er hätte das Projekt auch realisiert, wenn die Opferfamilien die Gelegenheit gehabt hätten, ein Veto einzulegen. "Die Angehörigen, die diesen Film sehen wollen, werden ihn, so weh er tut, am Ende begrüßen. Da bin ich mir sicher."
Mitte März hatten die Stadt Hanau und die Opferfamilien in einem Offenen Brief gefordert, die Vorbereitungen einzustellen und auf die Dreharbeiten zur Realisierung dieses Films zu verzichten.