Der Tag

Der Tagdocumenta-Chefin legt Amt nieder

16.07.2022, 13:55 Uhr

Die Generaldirektorin der documenta fifteen in Kassel, Sabine Schormann, legt ihr Amt nieder. Man habe sich einvernehmlich geeinigt, ihren Dienstvertrag aufzulösen, teilt der Aufsichtsrat der Kunstausstellung. Schormann zog damit die Konsequenz aus dem Antisemitismus-Eklat auf der diesjährigen Schau.

Noch am Dienstag wies Schormann den Vorwurf, zu lange untätig geblieben zu sein, zurück. Seit Bekanntwerden der ersten Vorwürfe im Januar habe es viele Gespräche gegeben: mit den Kuratoren und Künstlern, externen Experten, dem Aufsichtsrat, Kulturstaatsministerin Claudia Roth und auch dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Schon damals hätten Kuratoren und Künstler "Zensur befürchtet und deswegen ein externes Gremium abgelehnt", schreibt Schormann. "Sie sahen sich unter Generalverdacht gestellt und aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder auch ihrer sexuellen Orientierung diffamiert und zum Teil auch bedroht. Insofern gab es bereits im Januar eine deutliche Abwehrhaltung gegenüber Eingriffen in die Kunst."

Das Banner von Taring Padi mit den antisemitischen Bildmotiven sei nicht gleich abgebaut worden, weil man zunächst mit den Kuratoren und den Künstlern habe sprechen wollen: "Eine Entfernung des Werks aus der Ausstellung gegen den Willen der Künstlerischen Leitung und der Künstlerinnen wäre als Ultima Ratio ein erheblicher Eingriff in die Künstlerische Freiheit gewesen."

Quelle: ntv.de