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"True Grit" von den Coen-Brüdern Jeff Bridges gibt den Maulhelden

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Mattie weckt den Beschützerinstnkt beim Marshal.

Lorey Sebastian

Die Coen-Brüder haben einen neuen Film gemacht. Mehr muss man eigentlich gar nicht sagen. Vielleicht noch: Jeff Bridges spielt in "True Grit" einen versoffenen Marshall, wird aber von einer 14-Jährigen übertrumpft. Ansonsten bleibt nichts beim Alten, wie immer bei den Coens.

"Der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt." Biblisch beginnen Ethan und Joel Coen ihren neuen Film. Und Rache ist sein Thema. Oder Gerechtigkeit, wie man’s nimmt. Der Vater der 14-jährigen Mattie Ross wurde hinterhältig von Tom Chaney erschossen. Nun macht sich das Mädchen, das schon längst eine Frau ist, auf den Weg, den Mörder aufzuspüren. Er soll sich im Indianer-Reservat, im gesetzlosen Land, hinter der Grenze der Zivilisation verstecken.

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Augenklappe rechts: Bridges als Marshal.

(Foto: Lorey Sebastian)

Mattie braucht Hilfe und ihre Wahl fällt auf den ruchlosesten, schießwütigsten und wie sich herausstellt: auch trinkfestesten Marshall, den sie aufspüren kann. Rooster Cogburn lässt sich allerdings nur widerwillig auf das Angebot ein. Doch glücklicherweise verfügt Mattie über eine ihr eigene Überzeugungsgabe – und Cogburn braucht das Geld. Zu ihnen gesellt sich schließlich noch ein redseliger Texas Ranger, der Chaney wegen eines anderen Verbrechens sucht.

Dude und Duke

Wem die Handlung bekannt vorkommt: Sie wurde bereits 1969 mit in der Hauptrolle verfilmt, in Deutschland als "Der Marshal" bekannt. Für seine Darstellung erhielt Wayne am Ende seiner Karriere seinen einzigen Oscar. Die Coen-Brüder legen allerdings Wert darauf, dass ihr Film kein Remake ist, sondern eine neue Verfilmung des Romans "True Grit" von Charles Portis aus dem Jahr 1968. Und Jeff Bridges, der den versoffenen Marshall spielt, stellte kürzlich gewohnt pointiert in einem Interview den Unterschied zu Wayne klar: "Ich bin der Dude. Er ist der Duke."

Einen Vergleich mit dem kürzlich erstmals auf Blue-Ray erschienenen "Der Marshal" braucht "True Grit" keineswegs zu scheuen. Sinnvoll ist dies aber wenig, denn Ethan und Joel Coen gehen anders an den Stoff heran, moderner oder realistischer könnte man sagen. Der Wilde Westen ist rau, dreckig, eisig-kalt und unbequem. Jeder muss zusehen, dass er das bekommt, was ihm zusteht. Am besten sieht man dies an Mattie Ross, die zum eigentlichen Star des Films wird. Ruhig, aber unbeirrbar verfolgt sie ihr Ziel. Vor ihrer Klugheit und Redegewandtheit kapitulieren nicht nur der maulfaule Marshall und heiße Luft von sich gebende Texas Ranger, sondern auch gestandene Geschäftsmänner und Banditen.

Prototyp des Pioniergeists

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Maulheld am Lagerfeuer: Mattie pflegt den Texas Ranger.

(Foto: Wilson Webb)

Die Oscar-nominierte Debütantin Hailee Steinfeld spielt Mattie ohne Naivität, ohne kindlichen Humor und – anders als im ersten Film – ohne schnippisch zu werden. Sie meint es ernst, und sie sieht die Rache als Teil ihrer Verantwortung. Die 14-Jährige wird zum Gegenmodell all der angeberischen Revolverhelden, verlotterten Trunkenbolde und zielsicheren Sheriffs. Sie wird zum Prototyp der amerikanischen Pioniere, die sich mit eisernem Willen, aber auch einem unbeugsamen Gerechtigkeitsempfinden das Land (und die darin wohnenden Ureinwohner) untertan machen und sich allen Widerständen stellen. So reitet Mattie ohne Zögern ins noch unerschlossene Indianerterritorium, wo sie Gewalt als etwas ganz natürliches erlebt, als Teil des Lebens.

Dem gegenüber stehen - neben Josh Brolin als Mörder Chaney - die beiden Gesetzeshüter, jeder auf seine Weise. Da ist der heruntergekommene Marshall, den spielt und natürlich drängen sich hier die Vergleiche auf. Einerseits zu dessen Paraderolle als Dude in "The Big Lebowski", andererseits aber auch zu Bridges Oscar-prämierter Rolle als alkoholkranker Musiker in "Crazy Heart". An diese Darstellung reicht Bridges hier nicht heran, eine Oscar-Nominierung konnte er trotzdem einheimsen. Sein Gegenpart ist ein Texas Rancher, der auch mit verwundeter Zunge nicht müde wird, von seinen Heldentaten und seinem Heimatstaat zu berichten. Matt Damon spielt ihn fast schon als Clown, der auch in einer Rodeo-Show auftreten könnte.

Wenig Rätsel und ein Bärenmann

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Augenklappe links: John Wayne als Marshal im Film von Henry Hathaway.

(Foto: Paramount)

Wie beide – mehr mit Worten als mit Taten – um die besten Heldentaten, die waghalsigsten Erlebnisse und letztlich auch um die Zuneigung von Mattie kämpfen, gehört zu den witzigen Höhepunkten des Films. Beide bleiben in ihrer Affektiertheit gefangen, aus der sie erst Mattie befreien kann, die zur eigentlichen antreibenden Figur wird. Die große Rachegeschichte, die mutige Kämpferin Mattie, der Lerneffekt, den sie bei ihren beiden "Beschützern" auslöst – das alles fangen die Coen-Brüder bzw. ihr Kameramann Roger Deakins in wunderschönen, kraftvollen Naturaufnahmen, ungewöhnlichen Perspektiven und geschliffenen Dialogen ein.

Ansonsten bleiben die Coens hier weniger rätselhaft als in ihren vorherigen Filmen. Auch im Oscar-prämierten "No Country For Old Men", mit dem sie sich bereits dem Western-Genre annäherten, oder zuletzt in "A Serious Man" blieben viele Fragen offen. "True Grit", der wiederum für zehn Academy Awards nominiert ist, kommt dagegen ohne große Wendungen aus, ohne verschachtelte Handlung und – abgesehen von einem Bärenmann – auch ohne skurrile Nebenfiguren. Dem Vergnügen tut dies allerdings keinen Abbruch. Dass sie einen geradlinigen Western machen können, beweisen die Coens mit Bravour. Ungewöhnlich routiniert muss man das bei den beiden Brüdern wohl nennen. Das ist ja auch mal was Neues und damit irgendwie auch schon wieder typisch Coen.

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Quelle: n-tv.de

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