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"Tatort: Sashimi Spezial"Tour de Trance

01.03.2026, 22:05 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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Johanna (Lisa Bitter) versucht, in der Velo-Punks-Zentrale Daten abzugreifen. (Foto: SWR/Benoît Linder)

Essen bestellt, Fentanyl erhalten - Odenthal und Stern bekamen es in Ludwigshafen diesmal mit Fahrradkurieren der besonderen Art zu tun. Drogen per Lieferdienst - kein Ausnahmefall, zuweilen sogar legal.

Ob Johann Baptist Ruhdorfer Ende des 19. Jahrhunderts geahnt hat, was er da - und wahrsten Sinne des Wortes - lostritt? Mit einem selbstgebauten Hochrad fuhr der Mann täglich von Hohenlinden nach München und Rosenheim, um Ersatzteile für seine Kunden zu besorgen. Einige Jahre zuvor hatte bereits ein findiger US-Amerikaner den Eisenbahnerstreik in San Francisco genutzt, um per Kurierteam auf zwei Rädern für den Fortgang von Warenverkehr und Postauslieferung zu sorgen.

Als echte Pedal-Pioniere trugen sich 1910 auch die Roten Radler aus Bayern in die Geschichtsbücher ein. Unter der Telefonnummer 12400-12402 konnte man die Kuriere erreichen und Sendungen aller Art beauftragen, noch heute gibt es das Unternehmen, das Einsatzgebiet: Unternehmen, Maler- und Renovierungsarbeiten.

In den USA bereits in den 1970er-Jahren, 1985 in Deutschland - genauer gesagt, in München - nimmt sie Fahrt auf: die Geschichte der professionellen Fahrradkuriere hierzulande. Als schnelle Alternative wurden die Boten auf zwei Rädern im Laufe der Jahre immer attraktiver, Mitte der 90er wurde der Bundesverband der Fahrradkurierdienste gegründet.

Velo Punks, so hieß das Fahrradkurier-Unternehmen im Ludwigshafener "Tatort", eine buntgewandete Truppe mit alternativem Touch, in knalligen Klamotten, ein Industrieschuppen als Firmenzentrale, die Fahrerinnen und Fahrer, so wurde es dargestellt, nicht einfach "nur" Lieferanten auf zwei Rädern, sondern Zeitgenossen mit einer bestimmen Philosophie. "Unser Traum war, einfach nur Fahrrad zu fahren", so schlicht formuliert es Zoë (Antje Traue), früher mal Öko-Aktivistin, heute Chefin des Ladens.

Reale Begebenheiten gibt es einige

Fahrradkuriere als urbanes Phänomen, mit Dresscodes, eigenen Gesetzen und Traditionen, längst gehören sie weltweit zum Stadtbild, ständig in Bewegung von A nach B und weiter nach C - in ihren Umhängetaschen wichtige Dokumente, eine Klamotte fürs Fotoshooting, Pizza und Pommes, Sushi und Springrolls, Koks, Cannabis oder eben, wie im Fall von "Sashimi Spezial", eine Dosis Fentanyl.

So richtig bekam der "Tatort" die Kurve nicht, reale Begebenheiten ähnlicher Art gab es in jüngerer Vergangenheit jedoch einige. In Remscheid wurde im Februar vergangenen Jahres ein Fahrrad fahrender Dealer hochgenommen, der seinen vielköpfigen Kundenstamm per Drahtesel mit Heroin belieferte. Von seiner Mutter hatte der Mann noch mehrere Tausend Euro bekommen, um auf E-Bike umzusatteln, investierte das Geld stattdessen jedoch lieber in einschlägige Substanzen. Besucher des Fusion-Festivals auf dem Militärflugplatz in Lärz berichteten vor einigen Jahren, ihnen wäre von Fahrradkurieren ominöse Pillen angeboten worden.

In Kanada dagegen ist es seit der Legalisierung von Cannabis sogar erlaubt, sich den Stoff per Fahrrad liefern zu lassen, das Uber-Unternehmen hatte den neuen Markt schnell für sich entdeckt. "In erster Linie sehen wir dies als einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Fahruntüchtigkeit", so die kanadische Uber Eats-Geschäftsführerin Lola Kassim. "Zweitens ist dies nur eine weitere Initiative, die zur Bekämpfung des illegalen Cannabismarktes beitragen kann, der heute immer noch mehr als 40 Prozent der Cannabisverkäufe in Ontario ausmacht."

Ob die in Ludwigshafener Velo Punks in Kanada glücklicher geworden wären? Im kommenden "Polizeiruf 110" jedenfalls wird schon wieder Fahrrad gefahren, auch dort - Spoiler Alarm - endet das Ganze nicht eben glücklich.

Quelle: ntv.de