Leben

Traumjob: Hausfrau Aus der Zeit gefallen - aber glücklich

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Ein US-Propagandaposter aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt die Hausfrau als patriotisches Heimchen.

imago/StockTrek Images

Kinder und Karriere: In Zeiten, in denen Frauen immer häufiger beides miteinander verbinden, stehen Hausfrauen plötzlich unter besonderem Rechtfertigungsdruck. Zu Unrecht. Denn auch die Entscheidung fürs klassische Modell erfordert Mut.

"Der lernt mal etwas Vernünftiges." Gern genommene Antwort, wenn mich Leute fragen, ob unser Sohn in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte. Mein Mann hat die Schule abgebrochen, um mit 20 als Schauspieler durchzustarten. Bitte alles, nur nicht das. Ich war auch nicht besser: Nach dem Bachelor mit 23 habe ich kurz in einer Werbeagentur gearbeitet, um anschließend vier Kinder in fünf Jahren zu bekommen. Repräsentativ geht anders. Als Mutter kann ich mittlerweile verstehen, was unsere Eltern durchgemacht haben müssen.

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Shari Dietz ist 31 Jahre alt, hat vier kleine Kinder und ist Hausfrau.

Mein Name ist Shari Dietz. Ich bin 31 Jahre alt und lebe mit meinem Mann, unseren vier kleinen Kindern und einem Hund in der Nähe von Köln. Unser Leben ist normal. Besonders normal. Neben gestresst sind wir vor allem eines: glücklich. Ich bin gefragt worden, ob ich einen Gastbeitrag schreibe. Dem zugrunde liegt ein Bekenner-Schreiben auf meinem Blog, in dem ich mich als besonders glückliche Hausfrau geoutet habe. Ich bin also alles, nur nicht vernünftig. Kein solider Beruf. Herausfordernde Aufgaben. Keine Beschäftigung mit großen Aufstiegschancen, mit großer Erfüllung und Anerkennung. Kein lukrativer Job, um sich große Wünsche ermöglichen und sorgenfrei leben zu können. So zumindest die Theorie.

Ich habe mir schon als kleines Mädchen gewünscht, Mutter zu werden. Und Hausfrau. Zu Hause sein und mich um Haushalt und Kinder kümmern. Ich hatte da schon immer Bock drauf. Mein Traummann, ein schönes Haus, viele Kinder und Tiere. Das Modell ist aus der Zeit gefallen. Ich weiß das. Und trotzdem habe ich immer daran festgehalten. Ein für mich perfektes Modell.

Verliebt, verlobt, geheiratet

Da der Traummann meistens nicht mit 18 auf der Matte steht, habe ich die Zeit sinnvoll genutzt und Abitur gemacht. Neben der Kinderliebe kochte kurz die Tierliebe hoch. Ich wollte Tiermedizin studieren. Relativ schnell habe ich aber gemerkt, dass ich - aufgrund meines begrenzten Engagements - nicht vor 35 fertig sein werde. Und wofür so lange studieren, wenn ich hinten raus nur Kinder und Mann will?

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Shari Dietz schreibt einen eigenen Blog.

Ich habe dann Medienkommunikation und Journalismus studiert. Etwas Zeitloses. Etwas Allgemeines. Nicht zu speziell, überall irgendwie anwendbar. Und während meine Kommilitonen sich Gedanken über Auslandssemester und Masterstudiengänge gemacht haben, habe ich meinen möglichst schnellen Ausstieg vorbereitet. Ein Ausstieg mit Abschluss. Berufserfahrung habe ich ein Jahr gesammelt. Fast so, wie es sich meine Eltern für mich gewünscht haben. Und wofür? Damit ich auf eigenen Beinen stehe. Mich nicht abhängig mache. Von einem Mann oder vom Staat. Ich bin ihnen dankbar dafür. Jeder sollte mal etwas Vernünftiges lernen. Auch meine Kinder. Weil es eben auch anders kommen kann, als man glaubt. Oder sich wünscht.

Bei mir ist alles glatt gegangen: Traummann getroffen, verliebt, verlobt, geheiratet. Kinder bekommen. Alles in zwei Jahren. Das Leben hat mich gelehrt, an meinen Wünschen festzuhalten. Jeder sollte am Ende das machen, was ihm Glück bereitet. Und dann passiert es: Man wird erfolgreicher Schauspieler. Oder eben glückliche Hausfrau.

Hausfrau: Muss das noch sein?

Jetzt fragen mich Leute, ob das heutzutage noch sein muss: Haushalt und Kinder machen viele Frauen. Nebenbei. Immer mehr machen auch noch Karriere. Das Familienbild hat sich geändert. Heute dürfen kleine Jungs die Kleider ihrer Schwestern tragen und mit Puppen spielen. Väter kümmern sich wie Mütter. Es wird Familien immer leichter gemacht, dass beide Elternteile arbeiten gehen können. Und das ist bestimmt auch gut so. Weil es in vielen Familien auch gar nicht anders geht. Ich ziehe meine Hut davor. Der Tag als Mutter und Hausfrau ist so vollgepackt. Es gibt viele herausfordernde Aufgaben, bei denen ich oft feststellen muss, dass ich zu wenig Arme und Hände habe. Texte wie dieser wären ohne Nachtschicht schlichtweg nicht möglich. Also wie machen das die modernen Working-Mums? Ich weiß es nicht.

Mein Leben ist laut, stressig und anstrengend. Und dennoch oder gerade deswegen bekomme ich als Hausfrau Erfüllung und Anerkennung. Von meiner Familie und von unserem Umfeld. Ich beherrsche das Chaos und bin in meiner Position nicht ersetzbar. Wäsche waschen, Kochen, Aufräumen. Viel aufräumen. Trösten, spielen und dabei sein. Beim ersten "Mama", beim Laufenlernen, beim Martinsumzug, beim Seepferdchen oder bei der Anmeldung in der Grundschule.

Ich habe ein wunderschönes Zuhause mit einer großartigen Familie. Alles, was ich mache, mache ich für meine Kinder und für meinen Mann. Für meine Familie. Darum bin ich gerne Hausfrau. Wir als Ehepaar haben uns dazu entschlossen, das klassische Modell zu leben. So wie wir uns das schon als Kinder gewünscht haben. So, wie wir es von unseren Eltern vorgelebt bekommen haben. Altmodisch kann man das nennen. Oder eben luxuriös. Ich genieße es. Und bin froh, dass ich meinen Traum nicht aus den Augen verloren habe. Und dass ich ihn leben darf. Selbstverständlich ist das nicht, das weiß ich.

Quelle: n-tv.de

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