Leben

Der Zauber der Mini-Gitarre Die Ukulele bringt Menschen zusammen

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Das Instrument ist klein und macht schon mit wenigen Akkorden Musik.

(Foto: imago images / Westend61)

Die meisten verbinden die Ukulele mit Hawaii oder Stefan Raab. In Deutschland fristete sie lange ein Nischendasein. Doch die Community der Ukulele-Begeisterten wächst stetig. Ihre Fans schwärmen vom Geist der Verbundenheit.

Was verbindet eine Flugbegleiterin aus Frankfurt, zwei Pädagoginnen aus Berlin und einen Musiklehrer aus Korea? Sie alle schwärmen für eine kleine Gitarre mit vier Saiten: Die Ukulele. "Mein Herz schlägt einfach für dieses tolle Instrument, mit dem man so schnell überall auf der Welt mit anderen Menschen zusammen Musik machen kann", sagt Diana All, die in der deutschen Ukulele-Szene und darüber hinaus als "The Ukulele Ambassador" (zu deutsch: "Die Ukulele- Botschafterin") bekannt ist.

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Diana All nimmt ihre Ukulele überall mit hin.

(Foto: privat)

Die 47-jährige Flugbegleiterin kam eher zufällig zu ihrer großen Leidenschaft. Vor vier Jahren kaufte sie für 13 Euro eine Ukulele bei Aldi, brachte sich mit der Hilfe von Youtube-Tutorials die Grundkenntnisse bei und machte sich dann auf die Suche nach einem Lehrer. Heute widmet sie jede freie Minute ihrem Hobby, gibt Workshops, besucht Festivals auf der ganzen Welt und schreibt für die britische Fachzeitschrift "UKE Magazine".

"In Großbritannien ist die Ukulele als Instrument schon viel bekannter und wird auch mehr gefördert", erzählt All n-tv.de. Aber auch in Deutschland wächst die Community stetig. "Die meisten vernetzen sich auf Facebook und kennen sich untereinander. Es ist wahnsinnig familiär: Durch die Ukulele kann man überall in Deutschland in einer Stadt aufschlagen und schon wenige Stunden später mit Gleichgesinnten musizieren", schwärmt All. Sie fliegt oft nach Nordamerika, und nutzt jeden Layover, um neue Festivals zu besuchen und Gleichgesinnte kennenzulernen. Auch ihre fünf Wochen Jahresurlaub standen dieses Jahr komplett im Zeichen der Mini-Gitarre, mit Reisen zu Festivals nach Polen, Österreich, Tschechien und Großbritannien. Ihr Highlight bislang: Ein Korea-Aufenthalt, bei dem sie den Musiker Changsoo Kim kennenlernte, in seiner Heimat ein Großmeister des Instruments.

Von Portugal nach Hawaii

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Ukulele-Spielen verbindet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Anders als die Gitarre ist die Ukulele eine relativ junge Erfindung. Einwanderer aus dem portugiesischen Madeira brachten das traditionelle Saiteninstrument Machete Ende des 19. Jahrhunderts mit nach Hawaii. Bald wurde es dort mit hawaiianischem Koa-Holz nachgebaut, was den Klang veränderte. Die preiswerten Instrumente erfreuten sich schnell großer Beliebtheit und bekamen aufgrund der herumhüpfenden Finger der Spieler den Namen "hüpfender Floh" – ‘ukulele.

Die Ukulele avancierte zum Nationalinstrument. Heute sind der Aloha-Spirit und der Sehnsuchtsort im Pazifischen Ozean untrennbar mit ihr verbunden. Das kleine Instrument hat weltweit eine große Fanbase – und auch in Deutschland wächst diese stetig. "Fünfzehn designierte Ukulele-Festivals finden alleine in diesem Jahr in Deutschland statt, dazu kommen zahlreiche lokale Events und Stammtische", weiß Ukulele-Händlerin Maria Mahler. "Auch der Musikmarkt spürt einen deutlichen Aufwärtstrend beim Absatz des preiswerten Vier-Saiten-Instruments."

Mahler ist ihm ebenfalls verfallen: Für ihr Hobby hängte sie sogar ihren Job als PR-Managerin in einem großen Elektronikunternehmen an den Nagel, seit Mai 2019 vertreibt sie mit ihrem Geschäft "Uke Supply" im hessischen Langen alles rund um die kleine Gitarre. Die Nachfrage ist da: Frauen wie All haben statt eines Schuhticks mittlerweile einen Sammeltrieb für Ukulelen. "So fünfzehn sind es bestimmt, Sopran-, Tenor- und Konzert-Modelle, darunter auch eine Kanilea aus Hawaii die knapp 2000 Euro gekostet hat. Meine Freunde machen sich mittlerweile ein bisschen darüber lustig", sagt All. Mahler kennt das: Sie nennt den Drang zum massenhaften Erwerb des Instruments "Ukulele Acqusition Syndrome" – und profitiert als Händlerin davon.

Wenige Akkorde reichen

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Marion Schmidt (li.) und Monika Saße sind der Ukulele verfallen.

(Foto: privat)

Auch an den Wänden des Musikraums in der Wohnung von Monika Saße und Marion Schmidt im beschaulichen Berliner Stadtteil Friedenau hängen Dutzende Ukulelen. Ein Ende der Sammelleidenschaft ist auch bei ihnen nicht abzusehen. Die beiden Pädagoginnen sind seit 21 Jahren ein Paar, seit drei Jahren treten sie gemeinsam unter dem Namen "MoMaS Berlin" mit Ukulelen und Gesang, Bluesharp und Percussion auf. Saße gibt dreimal wöchentlich Ukulele-Kurse, zudem hat sie eine Reihe von Schülern, die Privatunterricht nehmen und mittlerweile sogar eine Warteliste. "Die Nachfrage ist enorm, die Schüler sind sehr divers – viele sind erst Anfang 20, aber auch im Rentenalter bekommen manche auch Lust, sich wieder einem Instrument zu widmen", sagt Saße.

Auffällig sei: Die Ukulele baue bei vielen vermeintlich unmusikalischen Menschen Versagensängste ab. "Das Instrument jagt keine Angst ein, es gibt nicht wie bei der Violine oder beim Piano einen Kanon an Werken, die jeder kennt. Zudem reichen wenige Akkorde, um mit anderen musizieren zu können, und so eine Ukulele lässt sich auf Reisen viel leichter verstauen als eine Gitarre zum Beispiel", erklärt Saße, die in ihrer Jugend Pfadfinderin und später in der Friedensbewegung aktiv war, die Beliebtheit der Ukulele. Sie selbst schätzt das Hierarchiefreie der Szene, dass bei den Festivals bekannte Musiker mit Laien musizieren und sich so die Schranken zwischen Publikum und Performer oft komplett auflösen.

Schmidt kam durch ihre Lebensgefährtin zur Ukulele und hat heute riesige Freude an dem kleinen Instrument. "Die Ukulele öffnet das Herz einfach, und das ist unglaublich schön", sagt Schmidt. Vor Kurzem erst reiste sie mit Lebensgefährtin Saße durch Kanada. Das Paar traf viele der örtlichen Ukulele-Fans. "Dieses Hobby eröffnet einem auch neue Perspektiven und einen sofortigen Anknüpfungspunkt zu Einheimischen. Alle, die wir auf Facebook angeschrieben haben, haben uns geantwortet und durch die Community haben wir das Land ganz anders erlebt", sagt Schmidt. Gemeinsamer Traum der beiden Frauen: Einmal nach Hawaii und einen Urlaub auf den Spuren der Ukulele verbringen.

All, Saße und Schmidt kennen und schätzen sich seit zwei Jahren. Ein Wiedersehen gibt es spätestens beim Ukulele-Festival in der Berliner ufaFabrik, das in diesem Jahr zum vierten Mal stattfindet – in der Community ein wichtiger Termin. Vom 25. bis zum 27. Oktober treffen dann Rentner, Studenten, Anwälte und Heilpraktikerinnen aufeinander – und die Frage "Was machst Du beruflich?" tritt völlig in den Hintergrund, wenn die Ukulele einmal ausgepackt ist.

Quelle: n-tv.de

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