Essen und Trinken

Blick aus dem Oval Office Alles nur geklaut!

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Seit 1910 steht in Washington ein Denkmal Steubens.

(Foto: © AgnosticPreachersKid/Wikipedia)

Der Mann, der preußische Ordnung und Disziplin in die amerikanische Armee brachte, war - ein Magdeburger! Die Stadt an der Elbe war zwischen 1715 und 1740 vom damaligen Gouverneur Fürst Leopold von Dessau zur stärksten preußischen Festung ausgebaut worden. In ihr wurde 1730 Friedrich Wilhelm von Steuben als Sohn eines Festungsbauingenieurs geboren. Er brachte es in der preußischen Armee bis zum Generalstabsoffizier. 1763 nahm von Steuben seinen Abschied. Über die Gründe seiner Entlassung wird noch heute spekuliert. Auch im Zusammenhang mit seiner späteren Auswanderung nach Amerika wird mitunter vermutet, dies hätte etwas mit einer drohenden Anklage wegen Homosexualität zu tun.

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In Magdeburg ist seit 1996 ein Nachguss des Washingtoner Denkmals zu sehen.

(Foto: © V.Plack / PIXELIO)

Jedenfalls war Steuben sozusagen arbeitslos. Nun, nicht ganz: In den Diensten der Hohenzollern wurde er Markgraf und machte mit seinem Prinzen ein paar Dienstreisen ins Ausland. Nicht nur aus Jux und Tollerei: So hofften Fürst Josef Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen und Steuben, nun Baron Steuben, in Paris etwas Geld aufzutreiben. Sie mussten 1775 aber tief enttäuscht - und noch höher verschuldet - wieder zurückkehren.  Auf der Suche nach Arbeit versuchte von Steuben bei einigen ausländischen Armeen, sich anwerben zu lassen, was ihm aber nicht gelang. Später lernte er, wieder einmal in Paris, dort den amerikanischen Botschafter Benjamin Franklin kennen, der ihn in einer Depesche an Präsident George Washington in den höchsten Tönen lobte. Washington ließ sich überzeugen, Baron von Steuben verließ von Marseilles aus den europäischen Kontinent und brachte der amerikanischen Kontinentalarmee den preußischen Gleichschritt bei.

Heute steht General von Steuben als Denkmal im Lafayettepark vorm Weißen Haus und natürlich als Nachguss in seiner Geburtsstadt.

Überhaupt die Magdeburger! Nicht nur Zucht und Ordnung exportierten sie nach Amerika, sondern auch den Broadway. Der ist nämlich nur eine Kopie vom „Breiten Weg“ in Magdeburg. Falls Sie also mal über den Broadway flanieren wollen, sparen Sie sich das teure Flugticket und nehmen Sie sich stattdessen eine viel billigere Bahnfahrkarte nach Magdeburg.

Das verdanken wir alles dem Streit ums liebe Geld. Der Breite Weg als wichtigste und eben auch breiteste Verkehrsader Magdeburgs wurde 1207 erstmalig beurkundet. Die Prachtstraße verläuft in Nord-Süd-Richtung und parallel zur Elbe. Sie war identisch mit mittelalterlichen Heer- und Handelsstraßen und wurde niemals in Straße, Boulevard oder Allee umbenannt, sondern blieb für alle Zeiten nur der „Breite Weg“.

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"Nicht ganz" Broadway, aber auch ganz schön breit. Am Breiten Weg 203-206 steht in Magdeburg das Justizzentrum mit fünf Gerichten und Staatsanwaltschaft.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

1607 hatten aber die dort ansässigen Händler von den ewigen Mietpreiserhöhungen die Nase voll und stellten einfach ihre Ladenmöbel auf die Straße. Die Stadtoberen gaben nicht nach und so verfrachteten die Händler voller Wut ihre Möbel nach Hamburg und schifften sich dort nach Nieuw Amsterdam ein. Sie bauten dort ihre Läden wieder auf - der Legende nach in der gleichen Reihenfolge wie in Magdeburg - und nannten ihre Straße heimwehtrunken „Breedeweg“, denn schließlich waren sie ja in der niederländischen Kolonie Nieuw Nederland und nicht mehr in der Börde.  Als die Engländer 1664 Nieuw Amsterdam einnahmen wurde im Handumdrehen daraus New York und aus Breedeweg der Broadway. Auch er verläuft von Nord nach Süd und ist mit über 20 Kilometern die längste Straße New Yorks. Der „Breite Weg“ in Magdeburg ist nicht ganz so lang - nur reichlich 2 Kilometer. Und wohl auch nicht ganz so berühmt …

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Der lebendigste Käse der Welt. Würchwitzer Milbenkäse mit 10.000 Tierchen flog schon mit zur ISS!

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

„Weltberühmt“ dagegen dürfte der Milbenkäse sein. Bei dessen Reifung werden statt Bakterien oder Pilzen wie bei anderen Käsesorten Milben eingesetzt. Der Speichel der Biester bewirkt die Fermentation des Käses.

Sollten Sie also mal ihre Dschungelcamp-Festigkeit testen wollen, kaufen Sie einfach Würchwitzer Milbenkäse und lassen Sie sich‘s schmecken. Die Krabbeltiere leben beim Verzehr nämlich noch. Mit einer Lupe gut zu sehen …

Ich bevorzuge Essen, das nicht mehr krabbelt, zum Beispiel  den sachsen-anhaltinischen Klassiker „Magdeburger Börde-Topf“:

Zutaten (4 Personen):

250 g Lammfleisch
250 g Schweinefleisch
500 g Kartoffeln
1 kg Weißkohl
4 Zwiebeln
Ca. ½ l Brühe
Speiseöl
Salz, Pfeffer, Thymian, Kümmel, Petersilie

Zubereitung:

Beide Fleischsorten in gleichgroße Stücke schneiden. Den Weißkohl vom Strunk befreien und schnitzeln. Die geschälten Kartoffen und die Zwiebeln in Scheiben schneiden. Die Fleischwürfel mit der heißen Brühe (oder Wasser) übergießen und 5 Minuten ziehen lassen.

Eine Schmorpfanne gut einölen, eine Lage Zwiebeln hineingeben, darauf Kartoffelscheiben, darauf Fleischwürfel und dann Weißkohl. Salzen und pfeffern und mit wenig Thymian und wenig Kümmel würzen. In der Reihenfolge so weiter schichten, bis alles verbraucht ist. Mit der Brühe nicht ganz bis zur obersten Schicht auffüllen. Sollte die Brühe nicht reichen, etwas Wasser dazugeben.

Die Pfanne gut zudecken und bei Mittelhitze etwa eineinhalb Stunden in der Röhre garen. Nicht ständig in den Topf gucken, das schadet nur! Lassen Sie den Deckel schön drauf.

Erst vor dem Servieren den Deckel abnehmen, das Gericht mit gehackter Petersilie bestreuen und im Topf auf den Tisch bringen.

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"Glitzermetropole" Magdeburg

(Foto: © Matthias Haberland / PIXELIO)

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de