Essen und Trinken

Kiek mol wedder in Der Norden macht's auf die leckere Tour

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Frisch, herb und ehrlich - so ist der Norden.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der Norddeutsche riecht das Meer zwei Kilometer gegen den Wind, sagt "Moin, Moin" zu jeder Tages- und Nachtzeit und ansonsten nicht viel, ztolpert gern mal über 'nen zpitzen Ztein, ist standfest bei Seegang und an der Theke, liebt Pharisäer, aber nur in der Tasse, und lebt nach der Devise: "Dat har noch leeger warrn kunt!"

Mobilität ist aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken, nur wenige bleiben sesshaft. Und so zieht man entweder der Arbeit oder der Liebe hinterher, der eine weniger, der andere öfter. Ob sich nun Bayern oder Schwaben in Berlin immer wohl fühlen, darf bezweifelt werden. Umgekehrt hat aber auch die "Berliner Schnauze" hinter dem Weißwurstäquator ziemliche Verständigungsschwierigkeiten. Weiter nördlich, so zwischen den Meeren, dürfte es nicht anders sein. Doch der Norddeutsche nimmt's gelassen, denn es kann immer noch schlimmer kommen: "Dat har noch leeger warrn kunt!"

Klischees halten sich hartnäckig und sterben einfach nicht aus. Doch ein Klischee wäre keins, wenn nicht doch ein Körnchen Wahrheit darin stecken würde. Es ist nicht zu leugnen, der Norden ist weniger zum Skifahren geeignet als der Süden, halt mehr zum Radeln. Die Menschen dort gelten als unterkühlt - aber stimmt das wirklich? Der Norddeutsche liebt seine steife Brise und pfeift auf ständig nasse Füße, steht auch nach etlichen Korn im Bier immer noch gerade und bekommt bei Labskaus keinen Würgereiz im Hals. Von den Bewohnern der Küsten und nachgelagerter Landschaften heißt es, sie nähmen kein Blatt vor den Mund. Das liegt vielleicht an der frischen Meeresluft und am FKK-Baden, was man beides ja im Süden vergeblich sucht. Bussi-Bussi kommt bei diesen Rau-aber-herzlich-Typen ebenso wenig an wie dünnes Bier und Lederhose.

Möglicherweise kommt man in einem Münchner Biergarten eher ins Geplaudere als auf dem Hamburger Fischmarkt, denn ausgemachte Quasselstrippen sind diese Nordlichter nicht. Auch ihren trockenen Humor verstehen eher die Briten als die Bayern. Doch hat man erst einmal das Herz eines dieser wortkargen Hanseaten erobert, ist diese Freundschaft dauerhafter als auf der Wies'n. "Kiek mol wedder in", sagt der Norddeutsche. Das sollte man dann auch tun.

So schlemmt der Norden

Fürs Wiederkommen tut der Norden so einiges und poliert mächtig an den Töpfen, denn im kollektiven Bewusstsein vom Rest der Republik kommt "kulinarisch" keinesfalls im Zusammenhang mit norddeutschen Gerichten vor. Das ist ziemlich ungerecht. Na gut, Labskaus ist wirklich nicht jedermanns Sache; auch kennen Mitbürger unterhalb des Nordens möglicherweise einige Pharisäer, haben aber noch nie einen geschlürft. Dabei wissen sie nicht, was ihnen entgeht - auch Hamburger Aalsuppe, Amrumer Lammkarree, Holsteiner Rehbock-Rücken oder diese unscheinbaren, aber total leckeren Sandgarnelen, den meisten als Nordsee-Krabben bekannt, sollte niemand aus Unwissenheit links liegen lassen.

Im Norden isst man gern, oft viel und deftig und so mancher hat sich dabei "överfreten". Was im Norden Eisbein heißt und aus dem Kessel kommt, heißt im Süden Haxn und kommt aus dem Grill. Schmecken tut beides und geht allerorten auch hübsch auf die Hüfte. In so mancher norddeutschen Kneipe kann man den Spruch an der Wand lesen: "Nix daun, slapen, düchtig freten, düchtig supen - sachte gahn und bäten pupen: dat sleit an!" (Nichts tun, schlafen, tüchtig fressen, tüchtig saufen - langsam geh'n und n' bisschen pupsen: das schlägt an) Man muss ja nicht alles wortwörtlich nehmen … Aber lustig ist dieses Bekenntnis reinster Lebensfreude schon - oder? Es wird behauptet, dass der Spruch von Till Eulenspiegel stammt. Der Schalk starb 1350 in Mölln; die Stadt im Südosten Schleswig-Holsteins trägt deshalb den Beinamen "Eulenspiegelstadt".

Durchaus ernsthaft gemeint, aber mit viel Spaß verbunden ist eine Kampagne der Metropolregion Hamburg, bei der ein halbes Jahr lang Ausflügler eingeladen waren, Land und Leute auf 23 Touren kennenzulernen, und zwar per Rad quer übers platte Land. Die Metropolregion Hamburg ist eine von elf Metropolregionen in Deutschland und erstreckt sich über Hamburg sowie Teile der Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Wer strampelt, soll auch gut essen, und so luden "Genusspunkte" entlang der Routen ein, die kulinarische Vielfalt zu genießen.

Passend zur Tour à la Carte gab es einen Wettbewerb ums leckerste Rezept der Metropolregion. Gesucht wurden typische Rezepte aus der Region, egal ob Hauptgericht, Kuchen oder Dessert. 280 Vorschläge wurden eingereicht, die meisten davon kamen aus der Flusslandschaft Elbe gefolgt vom Aller-Leine-Tal, sogar Teilnehmer aus Bayern waren dabei. Die Sieger wurden von einer prominenten Fachjury um Starköchin Cornelia Poletto gekürt. Kriterien waren typisch norddeutsch, regionale Produktherkunft, Originalität und ob die Gerichte gut nachzukochen sind. "Na jedereen sien Mund kann'n ni kaken" (Nach jedermanns Mund kann man nicht kochen), und das ist auch gut so, denn die Geschmäcker sind zum Glück verschieden.

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Birnen, Bohnen und Speck muss man einfach mal probieren.

(Foto: www.mediaserver.hamburg.de / C. Spahrbier)

Das Zusammenspiel von süß und pikant, die Vorliebe für Süß-Salziges hat möglicherweise wie so vieles im Norden mit der Seefahrt zu tun: Fleisch wurde gepökelt und geräuchert, um es haltbar zu machen; Obst wurde aus demselben Grund getrocknet. Den Seefahrern und der Seefahrt hat es nicht geschadet, dass beides in der Kombüse in einem Topf landete. Und wenn wir Landratten ein Leben lang unsere grünen Bohnen mit Räucherspeck verfeinert haben - warum nicht mal eine Birne dazu tun?

Sie werden erstaunt sein, wie gut das Experiment schmeckt. "Birnen, Bohnen und Speck" ist ein Hamburger Traditionsgericht, das in Abwandlungen in ganz Norddeutschland gern gekocht wird. Mal sind die Kartoffeln mit im Topf und mal nicht, mal wird mit gut geräuchertem Bauchspeck gekocht, mal mit Schweinebacke. Heidi Wilsing aus Halstenbek bereitet  das Gericht nach Großmutters Rezept zu, hat damit die Jury überzeugt und den Wettbewerb "So schlemmt der Norden" gewonnen. Lassen auch Sie sich von dem norddeutschen Klassiker überzeugen:

Birnen, Bohnen und Speck à la Heidi Wilsing

Zutaten (4 Pers):

600 g durchwachsener Speck
1,5 kg Kartoffeln
1 kg Brechbohnen
1 Bund Bohnenkraut
1 Bund Petersilie
500 g kleine Kochbirnen
1 EL Mehl
1 TL Butter
Salz

Zubereitung:

Den Speck etwa 1 Stunde in leicht gesalzenem Wasser garen. Die Kartoffeln waschen, unter fließendem Wasser gründlich sauber bürsten und gar kochen. Inzwischen die Bohnen putzen und waschen. Das Bohnenkraut waschen. Die Bohnen und das Bohnenkraut zu dem Speck geben und alles zusammen weitere 30 Minuten kochen. Die Kartoffeln abgießen, etwas abkühlen lassen, pellen und warm halten. Die Birnen putzen, waschen, und zu den Bohnen geben und alles etwa weitere 10 Minuten garen. Petersilie fein hacken. Bohnen, Speck und Birnen aus der Flüssigkeit nehmen und warm halten. Mehl mit der Butter verkneten, den Mehlkloß in den Kochsud hineinrühren und damit binden.

Die Bohnen auf einem Teller anrichten, die Birnen dekorativ dazulegen. Den gekochten Speck in dünne Scheiben schneiden und auch auf dem Teller anrichten. Alles mit viel gehackter Petersilie bestreuen und mit den Pellkartoffeln servieren.

Soweit das Rezept von Frau Wilsing. Zu beachten ist, dass sich nicht jede Birnensorte für das Gericht eignet. Gut sind Bergamotte-Birnen geeignet.

Viel Erfolg beim Ausflug in den Norden wünscht Ihnen Heidi Driesner - und överfreten Sie sich nicht!

Quelle: ntv.de