Essen und Trinken

Jeder Berliner hat die "echte" Die Suppe des Apothekers

Die Heimat der Kartoffel liegt in den Anden. Heute weiß man, dass sie dort bereits seit Beginn unserer Zeitrechnung eine wichtige Rolle gespielt haben muss. Ihren Weg nach Europa trat sie allerdings erst im 16. Jahrhundert an. Nachgewiesenermaßen war sie bereits 1573 in Europa - im Archiv eines Hospitals in Sevilla ist für genau jenes Jahr der Ankauf von Knollen für Heilzwecke vermerkt.

1581 wurden schon die ersten Kartoffelrezepte in der deutschsprachigen Literatur veröffentlicht. Zuerst fand das besondere Kräfte enthaltende Stärkungs- und Nahrungsmittel natürlich Verwendung in fürstlichen Küchen, das gemeine Volk und die Masttiere kamen später dran. Zwischendurch ließ das Kartoffel-Strohfeuer nach, und fast 100 Jahre vergingen, ehe die vergessene Frucht neu entdeckt wurde, aber noch längst nicht zu den Lieblingen der Kochkunst gehörte. Erst die Hungerjahre um 1770 brachen den Kartoffelbann.

Heute füllen Rezepte mit Kartoffeln ganze Bücher. Und selbstverständlich gibt es auch unzählige Suppenvarianten, in denen der "Erdapfel" die bestimmende Rolle spielt. Dem Vernehmen nach soll die Kartoffelsuppe zum ersten Mal in Frankreich gekocht worden sein. Wo sonst - schließlich haben die Franzosen der Küchenwelt wohl über 300 Suppen beschert. Der "Erfinder" der Kartoffelsuppe soll der Apotheker Antoine Augustin Parmentier gewesen sein, der zur Zeit Ludwigs XVI. lebte.

Ihre einfache Zubereitung überzeugte auch die Deutschen: "Eine nahrhafte Suppe wird aus den Kartoffeln, wenn man sie, nachdem sie geschält, gekocht und kalt geworden sind, auf einem Reibeisen reibet, und in der Sonne oder auf dem Ofen trocknet, sie darauf entweder in Stücke schneidet, oder zu einem groben Pulver wie Grütze stößt, und so verwahret. Da kann man zu der Zeit, wenn es an anderem Gemüse mangelt, diese getrockneten Kartoffeln in warmer Fleischbrühe, oder bloß in Wasser mit Butter, bey gelindem Aufwallen am Feuer zergehen lassen und über Brod anrichten."

Na ja - Im Gegensatz zu Johann Georg Krünitz in seiner "Oekonomisch-technologischen Encyklopädie" von 1785 ist die heutige "Berliner Kartoffelsuppe" wirklich ein Kinderspiel. Ich bin überzeugt davon, dass es so viele Rezepte für die "echte" Berliner Kartoffelsuppe gibt, wie es (echte) Berliner gibt. Hier eine der "echten":

Zutaten

ca. 500 g geschälte Kartoffeln (möglichst mehlig kochende)
½ Knolle Sellerie
2 Möhren
2 große Zwiebeln
75 g magerer Speck (Bauchspeck)
1 Bund Petersilie
Lorbeer, Piment, Majoran, Salz, Pfeffer

Einlage: pro Person 1 Paar Wiener oder eine Bockwurst

Zubereitung

Die geschälten Kartoffeln vierteln, das geputzte Gemüse in Stückchen schneiden und in Salzwasser mit Piment, Lorbeer und getrocknetem Majoran (wer Kümmel mag, kann auch "kümmeln". Aber bitte gemahlenen verwenden.) gar kochen. Abgießen, aber das Kochwasser auffangen. Piment und Lorbeer entfernen.

Mit einem Kartoffelstampfer Kartoffeln und Gemüse zerdrücken. (Man kann sie auch durch ein Sieb streichen - nervig - oder mit dem Passierstab pürieren. Mir persönlich ist das aber zu fein. Es sei denn, das Süppchen soll ein feines werden, zum Beispiel ein Vorsüppchen.) Den Topf wieder auf den Herd bringen und die zerstampften Kartoffeln mit dem Kochwasser so weit auffüllen, dass eine sämige Suppe entsteht.

In der Zwischenzeit hat man den Speck gewürfelt und ausgelassen. Die Zwiebel darin glasig andünsten. Speckfett mit Zwiebeln in die Kartoffelsuppe rühren. Mit gemahlenem Pfeffer und evtl. Salz abschmecken. Die Würstchen einlegen und in der heißen Suppe warm werden lassen. Alles mit gehackter Petersilie bestreuen.

Man kann die zerstampften Kartoffeln auch mit Fleischbrühe (anstelle des Kartoffelkochwassers) auffüllen und mit einem Becher saure oder süße Sahne verfeinern. Mir gefällt die wirklich einfache Variante aber besser. Auch können die Würstchen in Scheiben in die Suppe gegeben werden und vorher im Speckfett leicht angebraten werden - det hält selbst der Bärlina wie'n Dachdecka ...

Viel Spaß und Guten Appetit wünscht Heidi Driesner

Quelle: ntv.de

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