Essen und Trinken

Strauch der Erkenntnis Liebe unterm Hollerbusch

Vielleicht kann man ja auch noch zu Zeiten von "Tokio Hotel" an stillen Herbstabenden irgendwo in der deutschen Pampa den netten kleinen Kindervers hören: "Ringel, Ringel, Reihe, sind wir Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, machen alle Husch, Husch, Husch!" Auch wenn nicht - die Sträucher gibt es immer noch, die im Frühjahr und Frühsommer süßlich riechende, zartgelbe Blütendolden tragen und im Herbst, oft schon Ende August, mit schwarzen Beeren locken.

Aus den Blüten lassen sich wunderbare Sachen zaubern: Sirup und Sekt, Parfait und Küchlein. Jetzt im Herbst wiederum werden die Beeren geerntet. Sie ergeben eine wunderbare Suppe, die sowohl kalt als auch warm schmeckt. In meiner Kindheit hatten wir auf dem Hof einen mittelgroßen Holunderbusch stehen, von dessen Beeren meine Oma manchmal im September eine Suppe kochte. Die Nachbarsjungs allerdings schnitzten sich aus den Zweigen Blasrohre, denn das korkartige Mark lässt sich gut entfernen, benutzten die kleinen Beeren als Geschosse und freuten sich diebisch über die Flecke auf meinem Allerwertesten. Meine Mutter weniger, die Flecke gehen nämlich kaum 'raus ...

Der anspruchslose Strauch ist ein Geißblattgewächs und gedeiht selbst auf kargen Sandböden. Er wächst in Gärten, Wäldern und Hecken, an Straßenrändern und auf Schutthalden. Sowohl Blüten als auch Beeren sind gesund: Tee aus den Blüten wirkt schweißtreibend und hilft bei Erkältungen. Die Beeren wirken verdauungsfördernd. Roh sind allerdings alle Teile des Holunders giftig; der Genuss führt zu Brechreiz und Durchfall. Durch Erhitzen wird der Holunder genießbar.

Holunder hat viele Namen: Holler, Holder, Eller, Elderbaum, Eiderbaum, Fliederbeere. Und das sind sicher nur einige. Die Germanen glaubten, dass in dem Strauch die Liebesgöttin Freya (Holla) wohnt, und verehrten ihn als heilig. (Achtung: Flecke! Denn die reifen Beeren fallen leicht von den Dolden, und sie verhelfen jedem zu der Erkenntnis, unter welchem Strauch Sie lagerten ...

Holla kennen wir alle als "Frau Holle" aus Grimms Märchen. Holla wurde als Hausgöttin besonders in Bayern, Schwaben und dem Elsass verehrt. Warum ausgerechnet dieser mehr als bescheidene Busch einer Liebesgöttin als Wohnort zugedacht wurde, weiß wohl keiner. Denn besonders ansehnlich ist er eigentlich nicht. Nur wenn er blüht besitzt er eine stille Schönheit, und es wird einem klar, dass so ein Strauch durchaus etwas Göttliches haben kann.

Pflücken Sie also vor dem Picknick unterm Hollerbusch die Dolden ab und kochen Sie daraus eine leckere Holundersuppe mit Grießklößchen:

Zutaten:

1 kg Holunderbeeren
3 EL Zucker
2 EL Grieß
2 El Orangensirup
1 Glas Weinbrand oder Rum

Für die Klößchen:
1/8 l Milch
50 g Grieß
1 TL Butter
1 Ei
etwas Salz

Zubereitung:

Die Holunderbeeren gut waschen; die Büsche haben oft Blattläuse, was ihnen aber offenbar nicht sehr zu schaffen macht. Erst dann erst von den Stielen abstreifen. In 1 l Wasser etwa 10 min kochen lassen. Durch ein Sieb streichen, aufkochen lassen, den Zucker zufügen, Grieß einstreuen und ausquellen lassen. Nicht zuviel Grieß nehmen, die Suppe sollte nur leicht sämig sein, keine dicke Pampe.

Für die Klößchen Milch und Butter mit einer Prise Salz aufkochen, Grieß einstreuen und mit einem Holzlöffel so lange rühren, bis die Masse zu einem dicken Kloß wird und sich vom Topfboden löst. Etwas abkühlen lassen und dann das Ei darunter mischen. Mit einem Kaffeelöffel kleine Klößchen abstechen und in der heißen Suppe gar ziehen lassen. Mit dem Orangensirup und dem Rum verfeinern. Die Suppe schmeckt heiß und kalt.

Für Kinder lassen Sie den Alkohol weg. Haben Sie nicht so viele Holunderbeeren, können auch 2 Äpfel und 2 Birnen (geschält, entkernt und klein geschnitten) mit verwendet werden. Die Suppe kann auch mit etwas gemahlenem Zimt, Nelken oder Zitronensaft abgeschmeckt werden.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner

Quelle: ntv.de