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Die letzten Zuckungen Wann ist eine Frau eine Frau?

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Der goldene Oktober macht seinem Namen alle Ehre.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wann ein Mann ein Mann ist, dürfte geklärt sein, obwohl sich in den Jahrzehnten das Idealbild eines richtigen Kerls mächtig verändert hat. Was aber macht eine richtige Frau aus? Blonde Mähne, Beine bis zum Hals? Fortpflanzungsfähigkeit, Kochkunst, Denkvermögen? Etwa das Alter??? Lieber nicht daran erinnern ...

Die vergangenen sonnigen Tage waren wohl die letzten Zuckungen der Wärme dieses Jahres. Tagsüber noch sonnig-warm, nachts schon recht kühl und taureich - Altweibersommer - der dürfte ruhig noch ein Weilchen anhalten! Die Chancen stehen aber nicht so gut, bei viel Regen und Sturm beginnt der goldene Oktober allmählich zu rosten und wird in absehbarer Zeit allen Landesteilen kühles und feuchtes Wetter bringen.

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Mit den im Wind wehenden Fäden driften die Spinnen in neue Lebensräume.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Eine Schönwetterperiode bis in den Oktober hinein ist seit etwa 200 Jahren nachweisbar, in Bauernregeln sogar seit mehreren Jahrhunderten. Eigentlich bezeichnet das Wort Altweibersommer nicht den späten Sommer, der Name rührt vielmehr von den vielen dünnen Spinnfäden her, die in dieser Zeit in der Luft schweben. Von Nebel und Tau benetzt sehen sie aus wie Perlschnüre. Die Kühle am Morgen zaubert diese Tauperlenschnüre ins Gras. Mit "weiben" wurde im Altdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet; der Begriff Altweibersommer hat also nichts mit ollen Frauen zu tun.

Im Volksglauben wurden diese Spinnweben auch für Gespinste von Elfen und Zwergen gehalten oder gar persönlich von der Jungfrau Maria. In Süddeutschland werden diese Fäden deshalb auch als Marienfaden, Marienhaar, Marienseide oder Mariengarn genannt. Laut der germanischen Mythologie glaubten die Menschen, an den Spinnenfäden das Wirken der "Nornen" zu erkennen, der alten Schicksalsgöttinnen, die an den Lebensfäden der Menschen spinnen.

Spinnen fliegen davon

Es sind aber Millionen von Jungspinnen und erwachsenen Kleinspinnen, die diese durch die Luft schwebenden Fäden produzieren. Die Spinnen erklettern einen herausragenden Punkt und lassen dann die Spinnfäden aus ihrem Hinterleib austreten, um sich damit durch die Luft tragen zu lassen. Die vom warmen Boden ausgehende Thermik trägt dann die Spinnen in höhere Luftschichten und sie fliegen ungesteuert damit davon.

Trotz fliegender Spinnen und warmer Altweibersommer-Tage - die fallenden Blätter signalisieren längst: Es ist Herbst. Nun kommt noch die Fummelei an den Uhren, die keinen Nutzen, aber Verdruss bringt. Nicht vergessen: Am 28. Oktober werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt und wir befinden uns wieder in der "normalen" Zeit. Es sind auch nur die Uhren, die wir zweimal im Jahr verstellen, nicht die Zeit. Die kann man nämlich weder vorstellen noch zurückdrehen oder anhalten: "Verweile doch, du bist so schön…", auch Goethes "Faust" ist das nicht gelungen.

Längst Winter im Supermarkt-Regal

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Nun kommen Nebel und Kälte.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Schon seit Anfang September stößt man in Supermärkten an Türme von Christstollen, will das Gehirn nicht glauben, was das Auge sieht: Weihnachtsmänner, rot und gülden eingewickelt: "Großhirn an Faust: ballen!" Hilft aber nicht, die Konsumlockungen vor dem Fest der Liebe gilt es, jedes Jahr möglichst unbeschadet an Leib, Seele und Geldbeutel zu überstehen. Dennoch haben Winter und Weihnachten auch gute Seiten: Die Kinder können rodeln und Schneemänner bauen, auf Weihnachtsmärkten kann man sich mit Glühwein und Eierpunsch "stärken" und endlich gibt es Gänsebraten! Sieht man mal von ausfallenden Bahnen und Bussen, vereisten Straßen und matschigen Stiefeln, triefenden Nasen und viel zu kurzen Tagen ab … Allen Winter-Hassern (ich oute mich als solcher) bleibt der Trost, dass nach Schnee und Eis immer wieder helle und sonnendurchglühte Zeiten kommen.

Wetter muss man schließlich hinnehmen, dagegen zu klagen ist zwecklos. Obwohl es ja Mitbürger gibt, die den Gang vor den Richter zu einem wahren Hobby gemacht haben. Geklagt wird wegen muhender Kühe, krähender Hähne, quakender Frösche. Kirchenglocken-Gebimmel stört oder die Hoffunzel des Nachbarn. Selbst spielende Kinder bleiben nicht von der Klagewut verschont.

Alter schützt vor Dummheit nicht

Wenn Sie nun glauben, gegen den Altweibersommer kann man nicht klagen - da irren Sie gewaltig! Eine klagewütige Darmstädterin hatte wohl nichts gegen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen, dafür aber eine ganze Menge gegen die Bezeichnung dafür und sie zog 1989 vor den Kadi. Verklagt hatte die damals 78-Jährige den Deutschen Wetterdienst, obwohl der nachweislich den "Altweibersommer" nicht erfunden hat.

Der Begriff Altweibersommer verletze sie in ihren Persönlichkeitsrechten, meinte die streitbare Dame. Sie fühle sich von dem vielbenutzten Wort gleich zweifach diskriminiert: Zum einen werde sie als Frau diskriminiert, weil das Wort Weib "seit altersher" abfällig gebraucht werde. Noch schlimmer sei die Bezeichnung "altes Weib", weil dadurch "zum Ausdruck gebracht werde, dass die Betreffende keine richtige Frau mehr sei".

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Mit älteren Damen hat der Altweibersommer nichts zu tun.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das Darmstädter Landgericht wie die Klage jedoch ab. Die Klägerin sei im Hinblick auf die Bezeichnung "Altweibersommer" in Wetterberichten nicht "beleidigungsfähig". Zum einen setze eine Beleidigung einen Angriff auf die Ehre dadurch voraus, dass jemand seine Missachtung über eine Person gegenüber dem Betroffenen oder einem Dritten äußere. Derartiges liege bezüglich der Klägerin bei den Meldungen des Deutschen Wetterdienstes unzweifelhaft nicht vor. Zum anderen liege auch keine Herabwürdigung einer bestimmten Gruppe, hier der "alten Frauen", vor. Eine solche Beleidigung setze voraus, dass der betroffene Personenkreis zahlenmäßig überschaubar ist, damit sich das einzelne Gruppenmitglied angesprochen fühlen muss. Das sei angesichts der unbestimmten Zahl älterer Frauen ebenfalls nicht gegeben. Das Landgericht hatte offenbar Humor: Es verkündete das Urteil am 2. Februar – "Altweiberfastnacht".

Wir dürfen also weiter ungestraft den Altweibersommer lieben und das auch laut sagen. Bevor nun nicht nur die Nächte, sondern auch die Tage kühl werden und gerne wieder Deftiges wie Tafelspitz oder Speckkuchen auf den Tisch kommt, nehmen Sie mit einem leichten Gericht Abschied vom Sommer:

Hähnchensalat "Sommerausklang"

Zutaten (4 Pers):

2 Hähnchenbrustfilets ohne Haut
1 Salatgurke
½ Bd Dill
½ Bd Schnittlauch
4 EL Olivenöl
2 TL heller Balsamico
1 EL Zitronensaft
Salz, weißer Pfeffer

Zubereitung:

Die zimmerwarme Salatgurke schälen und in 3 cm lange Stifte schneiden. Den Schnittlauch in feine Röllchen schneiden und mit den Gurkenstiften in einer großen Salatschüssel vermengen. Für das Dressing den Zitronensaft kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken und 3 EL Olivenöl gut unterschlagen.

Das Hähnchenfleisch in kleine Stücke schneiden. In einer Pfanne oder einem Wok 1 EL Olivenöl erhitzen und das Fleisch hineingeben. Den Balsamico darüber tröpfeln, vermengen und das Fleisch unter mehrmaligem Wenden in etwa 5 Minuten garen.

Das fertige Fleisch zu der Gurke geben, das Dressing darübergießen und alles vermengen. Mit fein gehacktem Dill bestreuen und sofort servieren. Der Salat, warm serviert, ergibt mit gekochten Kartoffeln eine leichte Hauptmahlzeit; er schmeckt aber auch kalt.

Viel Spaß an den letzten warmen Tagen - auch mit "alten Weibern" - wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de