Essen und Trinken

Nicht gackern... Weicheier bevorzugt

Ostern naht, das Fest der Eier. Das Hühnerprodukt gilt in vielen Kulturen seit Jahrhunderten als Symbol für den Kosmos, für Fruchtbarkeit, gilt als Sinnbild des Lebens und der Auferstehung. Geschützt durch eine feste Schale trägt es zukünftiges Leben in sich. Auch die Frage nach der Ewigkeit kann man sich beim Anblick eines Eies stellen - denn wo ist Anfang, wo Ende bei dem kleinen Oval?

Das klassische Osterei entstammt dem jüdischen Passah-Fest, aus dem das christliche Osterfest hervorging. Seit Urzeiten werden beim Passah-Fest Eier gegessen und als Symbol am Ostermorgen verschenkt. Rot die traditionelle Farbe für das Osterei in der westlichen Welt: Es symbolisiert das Blut Jesu.

Doch das Färben der Eier war schon viel früher und auch in anderen Kulturen bekannt. Bemalte Eier haben die Chinesen schon vor 5.000 Jahren zum Frühlingsanfang verschenkt. Auch für sie war es ein Symbol der Fruchtbarkeit, ebenso wie für die Ägypter und die Germanen. Das wohl älteste bemalte Ei stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Es lag als Beigabe in einem Grab. Heutzutage ist das Färben der Eier mitunter eine Kunst - man denke nur an die Wunderwerke der Sorben. "Ist es noch so gut versteckt. Endlich wird es doch entdeckt. Hier ein Ei! Dort ein Ei! Bald sind's zwei und drei", dichtete Heinrich Hoffmann von Fallersleben über das Osterei und die bei allen Kindern beliebte Sucherei nach den bunten Eiern, die in geballter Menge sehr gern auch in Schokolade daherkommen.

Für die meisten Menschen ist wohl Ostern nicht nur ein christliches Fest, sondern ein Fest des Frühlings, des Neubeginns. "Ostara" leitet sich aus dem angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin der Morgenröte, der Frühlings und der Fruchtbarkeit ab. Die Tage werden wieder länger (auch ohne Sommerzeit), das Wetter freundlicher und die Natur grüner, die Knospen schwellen und die Gefühle schlagen Purzelbaum.

Das "Ei an sich" und ohne Ostern gibt's das ganze Jahr hindurch, obwohl Ostern natürlich auch für die Hennen ein Zeichen des Neubeginns ist - mit dem höheren Stand der Sonne legen sie nämlich wieder mehr. Geschmacklich ist es egal, ob das Ei groß oder klein ist, eine weiße oder braune Schale hat. Über den Geschmack entscheiden allein Futter und Haltung der Hühner sowie die Dauer der Lagerung der Eier. Wenn Sie also auf Nummer sicher gehen und Eier von "glücklichen" Hühnern essen wollen, holen Sie die Eier von ihrer Verwandtschaft auf dem Lande (soweit vorhanden) oder kaufen Sie die entsprechend gekennzeichneten Eier im Handel. Seit 2004 ist nämlich die Kennzeichnung von frischen Eiern in der EU einheitlich geregelt. Ein Erzeugercode auf der Schale gibt Auskunft über Herkunftsland und Haltungsform. Auch der Legehennenbetrieb lässt sich bei Bedarf ausfindig machen. Frische Eier aus der Region können darüber hinaus an ihrer Kennzeichnung auf dem Karton erkannt werden.

Das bekannteste Ei ist wohl das Frühstücksei. Laut einer CMA-Befragung bevorzugt die Hälfte ihr Frühstücksei am liebsten mit "mittlerer" Konsistenz, 38 Prozent lieben "Weich-Eier". Nur 11 Prozent mögen die "harten Jungs" (zumeist junge Leute bis 30). Übrigens bevorzugen mehr Männer als Frauen "Weich-Eier", die Damenwelt legt mehr Wert auf den Mittelweg. Die Interpretation überlasse ich Ihnen.

Eier begleiten unser Leben, denn sie stehen ja nicht nur auf dem Frühstückstisch. 82 Prozent der Deutschen bereiten regelmäßig Eierspeisen zu: Salate, Suppen, Hackfleisch, Soßen, Desserts und Kuchen. Ohne Eier keine Panade, keine Nudeln, keine Gratins.

Eingedenk des Spruches: "Nicht so viel gackern, mehr Eier legen", höre ich auf herumzueiern. Als österliches Frühstücksei schlage ich Ihnen zwecks Verwöhnung für Ihren Hasen ein festliches Rührei "La mer" vor (Debussy möge mir verzeihen). Der Aufwand ist ein wenig größer als fürs übliche Weich-Ei, hält sich aber in Grenzen:

Zutaten (für 4 Personen)

8 Eier
80 g Butter
1 EL süße Sahne
etwas Milch
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
120 g Lachs- oder Forellen-Kaviar

Zubereitung

Die rohen Eier vorsichtig waschen (die Schale sollte sauber sein). Noch vorsichtiger jedem Ei die Spitze abschneiden. Die Öffnung sollte nicht zu klein sein und der untere Teil der Schale ganz bleiben. Eigelb und Eiweiß in eine Schüssel geben. Die Schalen ausspülen.

Die Eier mit Salz und ein wenig Milch gut verschlagen. In einer beschichteten Kasserolle auf schwacher Hitze die Eimasse ständig umrühren und dabei nach und nach die Butter zugeben, bis die Masse cremig ist. Sahne unterrühren, pfeffern und vom Herd nehmen.

Abwechselnd je 1 Teelöffel Rührei und Fisch-Eier in die Eierschalen geben. Mit einer Schicht Fischeier abschließen. Die gefüllten Eier in Eierbecher setzen, mit 2 bis 3 Stängeln Kresse garnieren und sofort servieren. Am besten schmeckt frisch getoastet Brot dazu.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de