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Dienstag, 27. April 2010

Als wäre nichts gewesen: Der Frühling der Banken

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In New York geht alles wieder seinen Gang: Nicht ganz zwei Jahre nach dem größten Finanzerdbeben der Gegenwart macht sich ein verführerisches Gefühl von Erfolg und Sicherheit breit. (Foto: REUTERS)

In New York geht alles wieder seinen Gang: Nicht ganz zwei Jahre nach dem größten Finanzerdbeben der Gegenwart macht sich ein verführerisches Gefühl von Erfolg und Sicherheit breit.

In New York geht alles wieder seinen Gang: Nicht ganz zwei Jahre nach dem größten Finanzerdbeben der Gegenwart macht sich ein verführerisches Gefühl von Erfolg und Sicherheit breit.

Anfang April 2010 klettert der Dow Jones Industrial Index (DJIA) über die Marke von 11.000 Punkten: Die Geldhäuser schreiben wieder dicke schwarze Zahlen: Sie stehen voll im Saft.

Mancher Marktbeobachter fühlt sich an frühere Zeiten erinnert: Trügt der Schein?

Wie geht es den Banken wirklich? Wo stehen sie nach dem ersten Quartal?

Als erstes Dickschiff unter den großen Finanzkähnen holt JP MORGAN CHASE die Bücher aus dem Laderaum. Der Finanzkonzern verdient im ersten Quartal weit mehr als erwartet:

Der Nettogewinn liegt bei 3,3 Mrd. Dollar. Das sind deutlich mehr als im Frühjahr 2009, als das Haus "nur" auf 2,1 Mrd. Dollar verbuchen konnte.

Ein Blick auf den 3-Jahres-Chart genügt: Der Markt zählt JP Morgan Chase (ISIN: US46625H1005) zu den Gewinnern der Krise.

Doch Quartalsgewinne sind nicht alles: Die hohe US-Arbeitslosenquote bereitet den Analysten Kopfzerbrechen; der Aufschwung könnte sich verzögern. Er könnte an Schwung verlieren. Er könnte auch komplett in sich zusammenfallen.

"Wir glauben, die Erholung wird anhalten", hält JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Mitte April 2010 Skeptikern entgegen.

Drohende Konjunkturüberraschungen sind nicht der einzige Unsicherheitsfaktor: Unter Präsident Obama schraubt Washington an einem neuen Regulierungsrahmen.

Die US-Finanzreform soll die schmerzhaften Lehren aus Krise in die Praxis umsetzen. Sicher ist bislang nur: Die Reform wird die Spielregeln in der Bankenlandschaft verändern.

Daneben sorgt die US-Aufsicht SEC mit schwerwiegenden Vorwürfen für Unruhe: Goldman Sachs soll die Immobilienkrise für lukrative Geschäfte genutzt und dabei Kunden wissentlich getäuscht haben.

Der Betrugsvorwurf schlägt hohe Wellen, die Kurse der Banken rauschen zeitweise in den Keller: Beobachter sehen in dem SEC-Vorstoß den Beginn einer neuen Ära im Umgang der Politik mit den Banken. Zunächst nur indirekt davon betroffen ist die BANK OF AMERICA.

Das Haus mit dem Nyse-Kürzel BAC erfreut sich nach dem Milliardenverlust im Krisenjahr 2009 wieder stolzer Gewinne. Im ersten Quartal verdient die Bank satte 3,2 Mrd. Dollar. Netto, versteht sich.

Den BoA-Büchern messen Analysten besondere Bedeutung bei: Nach dem Niedergang der Citigroup überragt das Haus als neue Nummer 1 unter den US-Banken ihre Mitbewerber.

Die BoA-Zentrale liegt fernab der großen Finanzzentren im beschaulichen Ostküstenstädtchen Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Die Filialen sind im ganzen Land verstreut.

Der große Sprung in den BoA-Ergebnissen lässt Händler kalt: Ein Grund für das tiefe Minus Ende 2009 war, dass die Bank Staatshilfen von insgesamt 45 Mrd. Dollar zurückgezahlt hatte.

Der Blick auf den 3-Jahres-Chart zeigt: Die Aktien der Bank of America (ISIN: US0605051046) haben Luft nach oben.

Offen bleibt dagegen die Frage, wie es am Markt für Gewerbeimmobilien weitergeht: BoA-Bürotürme ragen in zahlreichen US-Metropole an markanter Stellen aus der Skyline. Die Immobilienfinanzierung ist für viele Häuser ein wichtiges Standbein.

Die CITIGROUP - einst die größte Bank der Welt - kennen Händler an der Wall Street unter dem schlichten Kürzel "C".

Das Haus mit Sitz in Manhattan muss im Schlussquartal 2009 einen Nettoverlust von 7,6 Mrd. Dollar hinnehmen. Auch hier geht ein Teil der Miesen auf die vorzeitige Rückzahlung der Staatshilfen aus dem Tarp-Programm zurück.

Im Krisensommer 2007 brechen die ersten Hedgefonds ein: Die US-Hypothekenkrise erhob ihr kompliziertes Haupt. Der Kurs der Citigroup-Aktie (ISIN US1729671016) hat sich seitdem noch nicht erholt.

Im November 2008 pumpt die US-Regierung rund 20 Mrd. Dollar in den Finanzkonzern, um den wankenden Giganten zu stabilisieren.

Nicht einmal eineinhalb Jahre später erzielt die Bank mit plus 4,4 Mrd. Dollar ihr bestes Zwischenergebnis seit langem. Im ersten Quartal 2010 gelingt ihr damit eine Bestleistung: Sie legt das bislang branchenweit beste Ergebnis vor.

Die Bank sei "stolz" auf das Ergebnis, bleibe aber wegen der "ungewissen konjunkturellen Erholung und der hohen Arbeitslosigkeit in den USA weiterhin vorsichtig", sagt Citigroup-Chef Vikram Pandit.

"Uns bei Citi ist klar, dass wir ohne die Hilfe des amerikanischen Steuerzahlers nicht da wären, wo wir jetzt sind", bemüht sich Pandit die Wogen zu glätten. "Wir schulden den Steuerzahlern ein großes Maß an Dankbarkeit."

Für viele Mitarbeiter von GOLDMAN SACHS beginnt das Jahr 2010 mit einem Umzug: Die Zentrale der Bank verlässt die Traditionsadresse 85 Broad Street unweit der Wall Street und ...

... bezieht einen Neubau an der West Street, schräg gegenüber des im Bau befindlichen "One World Trade Center" am Ground Zero.

Die Kisten sind kaum verräumt, als die US-Aufsicht aus scheinbar heiteren Himmel mit ihren Vorwürfen herausplatzt: Für Goldman-Chef Lloyd Blankfein (links) und Goldman-Präsident Gary Cohn (rechts) beginnt eine schwere Zeit.

Einflussreiche Kritiker, darunter Senator Carl Levin aus Michigan, durchkämmen die Dokumente der Bank auf der Suche nach Beweisen für ein etwaiges Fehlverhalten.

Weltweit gehen Kunden und Geschäftspartner auf Distanz. Der Knick im Kurs der Goldman-Aktie (ISIN: US38141G1040) ist gut zu erkennen.

Von solchen Fragen unberührt residiert die US-Bank MORGAN STANLEY weiterhin am Broadway, Hausnummer 1585.

Als die US-Regierung Ende April jemanden sucht, der die restlichen Citi-Aktien aus Staatsbesitz an den Markt bringt, meldet sich Morgan Stanley für den Job.

Generell läuft es recht gut am Broadway: Dank des insgesamt erstarkten Kapitalmarktgeschäfts streicht die Bank im ersten Quartal netto 1,4 Mrd. Dollar ein.

Der Kurs der Morgan-Stanley-Papiere (ISIN: US6174464486) bleibt nach dem 08er-Kursrutsch vergleichsweise stabil.

In der Liga der großen Geldhäuser der Vereinigten Staaten steht US BANCORP in der zweiten Reihe. Die Zahlen zum ersten Quartal 2010 fallen ...

... im Verhältnis zur Größe anständig aus: Dank steigender Zins- und Gebühreneinnahmen kann US Bancorp 529 Mio. Dollar einstreichen.

Nach dem Abstieg in den einstelligen Kursbereich nähert sich die US-Bancorp-Aktie (ISIN US05969A1051) nach Jahren der Schwäche wieder der 10-Dollar-Marke.

Besser hält sich BANK OF NEW YORK MELLON (ISIN US0640581007) - als schwergewichtige Depotbank und stiller Vermögensverwalter bleibt das Haus im ruhigen Fahrwasser.

Die US-Großbank WELLS FARGO leidet dagegen unter dem Fluch der Fleißigen und Guten:

Weil das Haus schon im Vergleichsquartal aus dem Vorjahr 2,38 Mrd. Dollar verdient hat, sehen die 2,37 Mrd. Dollar aus den ersten drei Monaten 2010 ein bisschen blass aus.

Allerdings hat sich der Aktienkurs von Wells Fargo (ISIN US9497461015) in derselben Zeitspanne immerhin mehr als verdreifacht.

Die Wucht der Erholung macht Analysten staunen. Auch jenseits des Atlantiks bleibt das überraschend schnelle Comeback der US-Banken nicht unbeobachtet:

Die großen Wall-Street-Häuser legen die Latte extrem hoch. Können die europäischen Großbanken da mithalten?

Josef Ackermann kann: Getragen von glänzenden Geschäften geht sein Haus locker mit.

Im Frühjahr 2010 verdient die DEUTSCHE BANK unterm Strich gut 1,8 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Umgerechnet entspricht das einem Nettogewinn von rund 2,4 Mrd. Dollar.

Damit fahren die Deutschen mehr ein als Morgan Stanley. Oder etwa so viel wie Wells Fargo. Und nur 400 Mio. Dollar weniger als die Bank of America.

Vor allem das viel gescholtenen Investmentbanking - etwa im Handel mit Anleihen und Aktien, Währungen und Rohstoffen - beschert der Deutschen Bank den besten Jahresauftakt seit 2007.

Über den Vergleichszeitraum von drei Jahren betrachtet rückt die Deutsche Bank mit ihrem Aktienkurs (ISIN DE0005140008) an das Vorkrisenniveau heran.

Doch Experten warnen: Der Erfolg der Banken - vor allem in den USA - ist fragil. Noch profitieren sie massiv von der Niedrigzinspolitik der Notenbank, die vor allem das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren lukrativ macht.

Fed-Chef Ben Bernanke weiß nur zu gut, dass das nicht auf ewig so weitergehen kann. Irgendwann muss er die Hand an den Leitzins legen - sonst geht alles wieder von vorne los.

(Quellen: AFP/dpa/rts, Stand: 26. April 2010, Text: Martin Morcinek)

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