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Donnerstag, 17. September 2015

Reise einer Flüchtlingsfamilie: "Alle glücklichen Erinnerungen verloren"

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Die sechsjährige Yasmine bricht am Strand von Lesbos in Tränen aus. Die Männer, die ihre Familie von der Türkei aus mit einem Boot hierherbrachten, haben den wertvollsten Besitz des Mädchens über Bord geworfen: ein Kleid, das ihr ihre Großmutter geschenkt hatte. (Foto: REUTERS)

Die sechsjährige Yasmine bricht am Strand von Lesbos in Tränen aus. Die Männer, die ihre Familie von der Türkei aus mit einem Boot hierherbrachten, haben den wertvollsten Besitz des Mädchens über Bord geworfen: ein Kleid, das ihr ihre Großmutter geschenkt hatte.

Die sechsjährige Yasmine bricht am Strand von Lesbos in Tränen aus. Die Männer, die ihre Familie von der Türkei aus mit einem Boot hierherbrachten, haben den wertvollsten Besitz des Mädchens über Bord geworfen: ein Kleid, das ihr ihre Großmutter geschenkt hatte.

Das Kleid war in einer Tasche, für die auf dem winzigen Boot kein Platz mehr war, erzählt die Familie der Reuters-Fotografin Zohra Bensemra.

Sie sind aus dem Ort Deir al-Zor in Syrien geflohen, um dem Krieg zu entkommen.

Später erzählt Yasmines Vater, der 30-jährige Ihab, dass in der Tasche auch seine Hochzeitsfotos gewesen seien.

Bei aller Erschöpfung ist es dieser Schmerz, den sie nun kaum ertragen können.

Ihab sagt, es fühle sich an, als ob all seinen glücklichen Erinnerungen verloren gegangen seien.

Wie so viele hat die Familie Schleuser bezahlt, um die gefährliche Überfahrt nach Griechenland zu schaffen.

2250 Euro pro Person ist der aktuelle Preis für eine Überfahrt von Bodrum nach Lesbos.

Die Flüchtlinge müssen in US-Dollar zahlen, um einen Platz auf einem der aufblasbaren Boote zu ergattern.

Schon für den Weg bis an die türkische Küste brauchen die Flüchtlinge Tage. Mitnehmen können sie kaum etwas.

Nach den tagelangen Märschen harren sie nachts ohne Licht oder Feuer versteckt aus, um etwas auszuruhen. Oft bleibt nicht mal dafür Zeit.

Doch das ist erst der Anfang der Reise, ebenso wie die Überfahrt nach Griechenland.

Vor den Familien liegt eine lange Wanderung nach Norden, durch Griechenland, über Mazedonien und Serbien ins Kosovo, um vielleicht irgendwann in Deutschland oder einem anderen Industrieland anzukommen.

Ein Flüchtling sagt: "Ich bin bereit, bis ans Ende der Welt zu gehen, um ein besseres Leben und eine gute Ausbildung für meine Kinder zu bekommen."

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