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Donnerstag, 14. Juni 2018

Die Feuernacht von London: Grenfell-Brand hätte verhindert werden können

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Es ist mitten in der Nacht, als am 14. Juni vor einem Jahr im Grenfell Tower im Londoner Stadtviertel North Kensington ein Feuer ausbricht. (Foto: REUTERS)

Es ist mitten in der Nacht, als am 14. Juni vor einem Jahr im Grenfell Tower im Londoner Stadtviertel North Kensington ein Feuer ausbricht.

Es ist mitten in der Nacht, als am 14. Juni vor einem Jahr im Grenfell Tower im Londoner Stadtviertel North Kensington ein Feuer ausbricht.

Die ersten Notrufe gehen um kurz vor 1 Uhr Ortszeit bei der Feuerwehr ein.

Das Feuer erfasst innerhalb kurzer Zeit fast das ganze Gebäude.

72 Menschen kommen in den Flammen ums Leben.

Ein Jahr später erinnert ein Plakat an der Ruine an die Opfer.

Das Gerippe des 24-stöckigen Gebäudes ist inzwischen komplett abgedeckt.

Der vorläufige Untersuchungsbericht zu dem Brand kommt zu dem Schluss, dass eine Reihe von Mängeln zu dem verheerenden Ausmaß geführt haben.

Als Brandherd gilt die Wohnung Nummer 16, aus der auch der erste Notruf abgesetzt wurde.

Vermutlich war ein defekter Kühlschrank der Auslöser des Feuers.

Genau lässt sich das jedoch nicht mehr feststellen, von dem Elektrogerät war nur ein verkohltes Rechteck am Boden geblieben.

Dennoch hätte der Kühlschrankbrand nicht mit so vielen Toten und einem völlig zerstörten Hochhaus enden müssen.

Erst eine ganze Reihe von Mängeln führten zu dieser Katastrophe.

Innerhalb von 12 Minuten breitete sich das Feuer auf 19 Stockwerken des Hauses aus.

Die Bewohner hatten von der Feuerwehr die Anweisung bekommen, in ihren Wohnungen zu bleiben.

Doch diese Anweisung erwies sich als fatal.

Schon nach einer halben Stunde sei klar gewesen, dass dies der falsche Weg sei, so der Untersuchungsbericht.

Zu diesem Zeitpunkt muss den Brandbekämpfern klar geworden sein, dass das Feuer nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen war.

Trotzdem wurde zwei Stunden an der Anweisung festgehalten.

Vertreter der Feuerwehr rechtfertigten das Vorgehen damit, es habe "keine offensichtliche und sichere" Alternative gegeben.

Unterdessen breitete sich das Feuer weiter aus.

Inzwischen ermittelt die Polizei deshalb gegen die Feuerwehr.

Geprüft werden soll, ob Sicherheits- oder Gesundheitsvorschriften missachtet wurden.

Zum Verhängnis wurden den Bewohnern des Hochhauses jedoch noch weitere Versäumnisse.

Herabfallende brennende Teile fielen auf diejenigen, die versuchten, das Haus trotzdem zu verlassen.

Sie stammten meist von der Außenverkleidung des Grenfell-Towers.

Diese bestand offenbar aus brennbarem Material, was jeder Brandschutzverordnung widersprach.

Ob dafür jemand zur Verantwortung gezogen werden kann, wie es sich die Überlebenden und Angehörigen der Opfer wünschen, ist ungewiss.

Im Inneren des Hauses sorgten möglicherweise sogar die Feuerwehrleute dafür, dass sich das Feuer immer schneller ausbreiten konnte.

Sie ließen Türen offen, während sie gegen die Flammen kämpften ...

... und machten so womöglich den Weg erst frei.

Das lag auch daran, dass ein Feuerwehraufzug nicht funktionierte.

Deshalb mussten die Löschtrupps durch das Treppenhaus in die einzelnen Stockwerke vordringen.

Hinzu kam, dass die etwa 100 verbauten Brandschutztüren nicht den Sicherheitsvorschriften entsprachen.

Statt der vorgegebenen Stunde hielten sie lediglich 20 Minuten.

Auch die Fenster verfügten nicht über feuerhemmende Hohlraumbarrieren.

Außerdem waren sie von brennbarem Füllstoff umgeben.

Der mehr als 40 Jahre alte Apartment-Block mit 120 Wohnungen hatte keine Sprinkleranlage, ...

... obwohl er 2016 renoviert worden war.

Ein Jahr nach der Brandkatastrophe wird auch auch die Kritik an den lokalen Behörden immer lauter.

Dem oppositionellen Labour-Politiker John Healey zufolge haben mehr als 300 Hochhäuser noch immer die gleiche gefährliche Fassadenverkleidung wie der Grenfell Tower.

Lediglich an zehn Wohntürmen sei die Verkleidung ausgetauscht worden.

Es ist nicht das einzige Thema, bei dem noch immer Handlungsbedarf besteht.

Insgesamt 210 Haushalte waren der BBC zufolge von dem Brand betroffen. 201 von ihnen sollten in neue Wohnungen umziehen.

Lediglich 138 dieser Haushalte waren bis Mitte Mai 2018 jedoch tatsächlich in neue Wohnungen gezogen. Und nur 74 davon dauerhaft.

Und so mischen sich ein Jahr nach der schrecklichen Brandnacht Trauer und Wut.

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