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Mittwoch, 29. November 2017

"Leise ins Jenseits gehen": Immer mehr Japaner sterben zu Hause

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Im Juli wird bei Katsuo Saito Leukämie diagnostiziert. Der 89-Jährige entscheidet sich gegen eine Behandlung, er will lediglich Palliativpflege. (Foto: REUTERS)

Im Juli wird bei Katsuo Saito Leukämie diagnostiziert. Der 89-Jährige entscheidet sich gegen eine Behandlung, er will lediglich Palliativpflege.

Im Juli wird bei Katsuo Saito Leukämie diagnostiziert. Der 89-Jährige entscheidet sich gegen eine Behandlung, er will lediglich Palliativpflege.

Doch weder im Hospiz noch im Krankenhaus ist ein Bett frei.

So verbringt er die meiste ihm noch verbleibende Zeit in seiner Wohnung im fünften Stock.

Viele Japaner wollen lieber im Krankenhaus sterben, weil sie sich dort sicherer fühlen und ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen.

Doch in Japans alternder Gesellschaft werden Krankenhausbetten immer rarer und das Sterben zu Hause zu einer Option.

"Ich denke, es ist gut, einen Arzt zu haben, der Menschen unterstützt, die ihre letzten Tage an dem Ort verbringen wollen, wo sie gelebt haben", sagt der Arzt Yuu Yasui (r.), der eine mobile Klinik leitet.

Auch Mitsuru Niinuma entschied sich, zu Hause zu bleiben, um mehr Zeit mit seinem Enkel und seinem geliebten Dackel Rin zu verbringen.

"Häusliche Pflege ermöglicht es den Menschen, ihre Fähigkeiten so lange wie möglich voll auszuschöpfen", sagt der 69-Jährige. "Das ist nicht so einfach in einem Krankenhaus. Dieser Aspekt ist wirklich nett."

Yasudo Toyoko war schon im Krankenhaus, sie leidet an Bauchkrebs und Demenz.

Doch ihre Tochter hatte das Gefühl, die Demenz würde dort schlimmer. Nun pflegt sie ihre 95-jährige Mutter bei sich zu Hause.

Yasuhiro Sato hat Lungenkrebs im Endstadium.

Der 75-Jährige hat keine Familie und keine Freunde, bis auf die Besuche des Pflegepersonals sind die Tage in seiner Tokioter Wohnung einsam.

"Wenn jemand reich ist, wie ein Politiker oder Sänger, kann er seine Probleme mit Geld lösen", sagt Sato.

Er kann das nicht, für ihn ist ein Krankenzimmer für sich allein unerreichbar.

"Es ist okay. Ich bin niemandem eine Last", sagt er über sein Dasein an den letzten Tagen.

"Ich werde leise ins Jenseits gehen. Allein."

Sato stirbt schließlich im Beisein von Ärzten und Helfern.

Ein Bestatter kümmert sich um die Abholung des Leichnams.

Auch sonst ist für die Bestattung bereits alles vorbereitet.

Von Sato bleiben ein paar Kassetten, die von einer längst vergangenen Leidenschaft fürs Karaoke-Singen künden.

Und seine Uhr, die kein Enkel je in der Erinnerung an ihn tragen wird.

2015 dauerte ein Krankenhausaufenthalt in Japan im Durchschnitt 16,5 Tage. In Deutschland sind es 7,3 Tage.

Inzwischen wächst die Zahl der Hospize, weil die Wartelisten immer länger werden.

Leukämiepatient Saito fiindet schließlich im September einen Platz, zwei Tage später ist er tot.

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