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Mittwoch, 11. Mai 2016

Vielfältiges Leben hinter Gittern: "La Joya" ist ein bunter Knast

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"La Joya" bedeutet "Schmuckstück" - doch davon ist in dem überfüllten Gefängnis am Rande von Panama City nichts zu sehen. Auf diesem Bild warten die Insassen geduldig bei der Essensausgabe, es gibt fast immer Reis mit einer wechselnden Beilage. (Foto: reuters)

"La Joya" bedeutet "Schmuckstück" - doch davon ist in dem überfüllten Gefängnis am Rande von Panama City nichts zu sehen. Auf diesem Bild warten die Insassen geduldig bei der Essensausgabe, es gibt fast immer Reis mit einer wechselnden Beilage.

"La Joya" bedeutet "Schmuckstück" - doch davon ist in dem überfüllten Gefängnis am Rande von Panama City nichts zu sehen. Auf diesem Bild warten die Insassen geduldig bei der Essensausgabe, es gibt fast immer Reis mit einer wechselnden Beilage.

Nicht nur Menschen sind in "La Joya" hinter Gittern: Auch viele Tiere sind in dem Gefängnis zu finden. Allerdings nicht, weil sie ein Verbrechen begangen haben, ...

... sondern weil die Insassen sie sich als Haustiere halten. Carlos Fuentes hat sich einen Hund namens Nieves zugelegt. Nach mehr als zwei Jahren in "La Joya" wartet Fuentes immer noch auf seinen Prozess.

Alvis Javier ist mit seinem weißen Mischlingshund ins Gefängnis gekommen. Zusammen machen sie ein Nickerchen in der Zelle. Er hat den Raum mit Blumenmalereien und Wandschmuck versehen.

Robert Maximilian hat die Staatsbürgerschaft von Polen und Kanada. Er behauptet, zu Unrecht im Gefängnis zu sitzen: "Ich bin eigentlich ein Heiler. Ich benutze Pflanzen als Medizin, um anderen zu helfen. Ich wurde zu Unrecht wegen Drogenschmuggel festgenommen. Jemand hat mir am Flughafen Drogen ins Gepäck getan." Seine Zelle bewohnt er mit einer Spottdrossel.

Einige Insassen von "La Joya" haben tagsüber Freigang. Abends kehren sie zusammen mit ihren Hunden ins Gefängnis zurück.

Miguel Anguel Quiros ist zusammen mit seiner Katze ins Gefängnis gezogen. Über das Verhältnis von Hunden und Katzen ist in "La Joya" nichts bekannt.

Der Terrier "Terry" ist Daniel Boniches Ein und Alles. Er posiert mit ihm für ein Bild und hebt ihn stolz in die Kamera. Die Tiere geben den Insassen emotionalen Halt, denn oft ist ihr Alltag geprägt von Härte und Gewalt.

Mit zwei Hunden und zwei Menschen ist die Zelle voll belegt. Vor knapp zehn Jahren erschütterte ein schlüpfriger Skandal "La Joya": Anwältinnen, die ihre Klienten auf ihre bevorstehenden Prozesse vorbereiten sollten, boten ihnen stattdessen Liebesdienste an.

Die Schäferstündchen fanden in den Räumen der Haftanstalt statt, die eigentlich für diskrete Gespräche zwischen Anwälten und ihren Klienten reserviert sind. Die Anwältinnen wurden wegen Prostitution festgenommen.

Um die tristen Gefängniswände etwas schöner zu gestalten, haben die Bewohner in "La Joya" Poster und Zeitungsausschnitte angebracht.

Der "Pavillion Nummer 6" ist nur für Ausländer und verfügt über einen kleinen Garten. Die Gefangenen können hier Gemüse anbauen.

Einige ausländische Gefängnisinsassen trainieren an Geräten. Die meisten Ausländer sitzen wegen Drogendelikten in "La Joya" - um sie vor Übergriffen und Erpressungsversuchen zu schützen, werden sie von den übrigen Gefangenen getrennt.

Der Holländer Petrus ist in einer provisorischen Abteilung im "Pavillion Nummer 6" untergekommen. Die medizinische Versorgung ist äußerst schlecht, zumal viele Insassen gegen ihre Drogensucht kämpfen.

Die ausländischen Gefangenen haben die Möglichkeit, gemeinsam Basketball zu spielen. Für sie gelten aber keine besseren Haftbedingungen als für die einheimischen Kriminellen.

Schmutzige Zustände und Überbelegung sind in allen Bereichen von "La Joya" an der Tagesordnung. Die hygienischen Verhältnisse im Gefängnis sind sehr einfach: Hier wäscht sich ein Insasse im Hinterhof.

Stacheldraht und Maschendrahtzaun sind nicht nur ausbruchsicher - man kann darauf auch gut die Wäsche zum Trocknen aufhängen.

Es gibt auch Liebesbeziehungen innerhalb der Gefängnismauern. Seit 2008 sind homosexuelle Handlungen in Panama legal, die Rechte von Schwulen und Lesben finden in der Öffentlichkeit mehrheitlich Anerkennung.

Doch sexuelle Übergriffe und Misshandlungen finden innerhalb des Gefängnisses trotzdem noch statt. Im "La Joya" Gefängnis gibt es daher eine eigene Unterbringung für Transgender-Insassen.

Schwule und Lesben sollen hier untereinander bleiben, ohne von anderen Gefangenen diskriminiert zu werden. Die Transsexuellen können selbst für sich kochen. Auf dem selbstgebauten kleinen Kochern haben sie gerade ein Reisgericht zubereitet.

Auch die Zellen in der Transgender-Abteilung des "La Joya" sind mit mehreren Personen belegt. Mit Decken und Bettlaken versuchen die Insassen, ein wenig Privatsphäre zu schaffen.

Stolz zeigt Ubaldo Marcus sein Schulzeugnis. Der 36-Jährige wurde wegen Drogenschmuggels verurteilt. Weil es in seiner vorherigen Zelle zu Streitereien kam, ist er in die Transgender-Abteilung umgezogen, auch wenn er nicht schwul oder transsexuell ist.

Auch wenn die Bilder anderes vermuten lassen, kommt es laut Amnesty International in den Gefängnissen von Panama immer wieder zu Misshandlungen durch die Wärter. Die Häftlinge versuchen, sich durch Proteste und Hungerstreiks zu wehren.

Diese Unterkunft war eigentlich nicht als Zelle vorgesehen. Doch der Platzmangel und die akute Überfüllung zwingen die Behörden in Panama City, die Gefangenen auch in Hallen und Notunterkünften unterzubringen. Mit der Zeit richten sich die Insassen häuslich ein und schaffen sich ein Reich für sich.

Es entsteht vielerorts eine regelrechte Infrastruktur innerhalb des Gefängnisses. Es gibt auch kleine Geschäfte, wo die Insassen allerlei Produkte fürs tägliche Leben kaufen können.

Mit Brettspielen versuchen die Gefangenen, sich die Zeit zu vertreiben. Eine Beschäftigung zu finden, ist für sie sehr wichtig, denn fast immer ziehen sich die Verfahren über Jahre hin.

Alvis Javier wartet seit sechs Jahren auf eine Verhandlung. Er ist zusammen mit seinem Zellennachbarn in einer engen Behelfsunterkunft untergebracht.

Die sanitären Einrichtungen bieten im "La Joya" wenig Komfort und noch weniger Privatssphäre.

In den Gefängnissen Lateinamerikas sterben täglich Menschen - manche aufgrund jahrelanger Fehl- und Unterernährung, unbehandelten Krankheiten, andere, weil sie jemandem im Weg standen.

Angel Hurtado hat hinter Gittern trotzdem Spaß mit seinen Zellengenossen. Der 23-Jährige sagt: "Ich bereue meine Fehler. Ich bin wegen einem Überfall hier - und es ist wirklich kein schöner Ort."

Viele Insassen sind sehr religiös. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung Panamas gehören dem römisch-katholischen Glauben an.

Die katholische Kirche genießt laut einer Umfrage der Tageszeitung "La Pensa" das höchste öffentliche Ansehen unter den Institutionen in Panama. Für fast zwei Drittel der Befragten hat die Katholische Kirche das meiste Vertrauen - sie tritt deshalb oft als Vermittlerin in Konflikten aller Art in Erscheinung.

Im "Pavillion Nummer 2" werden gerade religiöse Riten abgehalten. Es wird gesungen und getanzt.

"Gott ist viel größer" mahnt eine Wandmalerei die Insassen. Panama ist ein streng katholisches Land, die Kirche hat großen Einfluss - auch im Gefängnis.

Der Gottesdienst wird behelfsmäßig vor dem "Pavillion Nummer 6" abgehalten - die Rolle des Priesters übernimmt ein Mitgefangener.

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