"Problem durch das Wasser" in Nachterstedt: Mögliche Gründe für die Katastrophe
Bilderserien
Die Katastrophe von Nachterstedt, bei der vermutlich drei Menschen ums Leben gekommen sind, ist nach Auskunft von Experten höchst ungewöhnlich.Bild 1 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Bergschäden gibt es hauptsächlich im untertägigen Abbau", erläutert Prof. Axel Preuße von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen gegenüber n-tv.de.Bild 2 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
Dass es in Tagebauen zu kleinen Rutschungen kommt, sei zwar nicht ausgeschlossen. "Aber Fälle wie der in Nachterstedt sind mir nicht bekannt", so der Experte.Bild 3 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
Preuße betont, dass Mutmaßungen über die Ursachen zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulationen sind. Er verweist jedoch darauf, dass in Nachterstedt früher offenbar untertägiger Abbau betrieben wurde.Bild 4 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Im Jahre 1842/43 wurden auf Betreiben der Anhalt-und-Bernburgischen Regierung Probebohrungen durchgeführt", heißt es auf der Website der Gemeinde in der Rubrik "Geschichte", ...Bild 5 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
... "und bereits im Jahre 1857 wurde die Grube 'Concordia' abgeteuft. Anfangs wurde unter Tage gefördert; das Flöz hatte eine Mächtigkeit von bis zu 30 Metern, während die darauf lastende Erdschicht nur 15 Meter betrug. ...Bild 6 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
... Die Untertageförderung hatte allerdings ein großes Problem durch das Wasser, sodass dazu übergegangen wurde, die Kohle über Tage zu fördern."Bild 7 von 31 | Foto: picture-alliance/ ZB
15 Meter sind im Untertagebau nicht viel. In Bezug auf Bergschäden gilt Tiefenbergbau erst ab einer Tiefe von 100 Metern als unproblematisch. "Im oberflächennahen Bereich ist das anders", erklärt Preuße.Bild 8 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Da können zum Beispiel Wasserzutritte noch lange nach Stilllegung eines Bergwerks dafür sorgen, dass es zu Schäden kommt."Bild 9 von 31 | Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
Der Tagebau in Nachterstedt ist Anfang der 90er Jahre eingestellt worden.Bild 10 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
Das Fördergebiet wird seitdem geflutet. Dadurch entstand der Concordia-See - benannt nach der alten Bergbaugesellschaft Concordia -, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat.Bild 11 von 31 | Foto: picture-alliance/ ZB
Bisher sind erst 40 Prozent der geplanten Wassermenge in den See gelaufen, die Flutung soll nach den bisherigen Plänen erst 2027 abgeschlossen sein. (Das Bild zeigt den Concordia-See oben am 29. August 2001 sowie am 19. Juli 2009.)Bild 12 von 31 | Foto: picture-alliance/ ZB
Ein solches Vorgehen ist nicht ungewöhnlich, sagt Preuße. (Hier der Markkleeberger See bei Leipzig, ebenfalls ein Tagebausee.)Bild 13 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Tagebaue können in der Regel nur dann Schäden verursachen, wenn eine großräumige Grundwasserabsenkung dazukommt. Wenn man einen Tagebau von vielleicht mehreren hundert Metern Tiefe aufschließt, ...Bild 14 von 31 | Foto: REUTERS
... dann muss man das Grundwasser im Vorfeld des Tagebaus abpumpen, um überhaupt Abbau betreiben zu können. ...Bild 15 von 31 | Foto: ASSOCIATED PRESS
... Wenn der Tagebau dann später aufgegeben wird, lässt man das Wasser wieder ansteigen. Die stehenbleibenden Endböschungen müssen dann entsprechend gesichert und überwacht werden."Bild 16 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
Zu Abrutschungen könne es in dieser Phase kommen, "wenn das Wasser beim Wiederanstieg eine unzureichend gesicherte Böschung überstaut oder Wasserwegsamkeiten entstehen", so Preuße.Bild 17 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
Er könne sich aber auch vorstellen, "dass es einen Zusammenhang mit dem untertätigen Altbergbau gibt. Hier kann es eventuell erst nach vielen Jahren zum Zusammengehen von alten Abbauhohlräumen kommen, ...Bild 18 von 31 | Foto: Reuters
... weil zum Beispiel alter Holzausbau verrottet und dadurch keine Stützwirkung mehr hat. Es könnten auch Wechselwirkungen aus beiden möglichen Ursachen gewesen sein."Bild 19 von 31 | Foto: Reuters
Auslöser war möglicherweise das Wetter. "Der Regen soll zwar so stark nicht gewesen sein. Aber vielleicht war er das i-Tüpfelchen, das die Schichten zum Gleiten brachte."Bild 20 von 31 | Foto: Reuters
Die betroffene Siedlung in Nachterstedt, in der rund 40 Menschen lebten, wurde in den 1930er Jahren auf der Böschung einer Abraumhalde gebaut, die schon im 19. Jahrhundert zugeschüttet worden war.Bild 21 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Heute würde so etwas sich nicht mehr genehmigt", sagt Uwe Steinhuber, Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die für die Sanierung ostdeutscher Bergbauregionen zuständig ist.Bild 22 von 31 | Foto: ASSOCIATED PRESS
Die betroffenen Anwohner dürfen kurz in ihre Häuser, um ein paar Habseligkeiten zu holen. Möglicherweise zum letzten Mal.Bild 23 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Es ist derzeit nicht erkennbar, dass der Teil des Ortes in absehbarer Zeit wieder bewohnt werden kann", hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer bereits am Sonntag gesagt.Bild 24 von 31 | Foto: Reuters
Dass es an anderen ostdeutschen Tagebauen zu ähnlichen Erdrutschen kommen könnte, schloss der LMBV-Sprecher aus. (Hier der Bärwalder See vor der Kulisse des Braunkohlenkraftwerkes Boxberg - mit 13 Quadratkilometern der größte See in der Oberlausitz.)Bild 25 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"So ein Zusammenspiel von geologischen Voraussetzungen und einer Wohnbebauung, die sich so dicht an einem Bergbaufolgesee befindet, haben wir an keiner anderen Stelle."Bild 26 von 31 | Foto: ASSOCIATED PRESS
Naturschützer sind da nicht so sicher. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor ähnlichen Risiken durch die Braunkohlentagebaue im Rheinland.Bild 27 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
Nach dem Erdrutsch in Nachterstedt fordern die Stadt Düren und eine Bürgergemeinschaft den Stopp der Planungen für den See im Restloch des Tagebaus Inden.Bild 28 von 31 | Foto: picture-alliance/ dpa
"Wegen der enormen Dimensionen der rheinischen Braunkohlentagebaue ist die Gefahr von Erdrutschen hier sogar wesentlich größer als in Ostdeutschland", meint BUND-Braunkohlenexperte Dirk Jansen.Bild 29 von 31 | Foto: REUTERS
Völlig ausschließen lasse sich so etwas zwar nicht. "Aber es wird alles getan, damit so ein Unglück nicht passiert."Bild 30 von 31 | Foto: ASSOCIATED PRESS
Der Braunkohletagebau geht unterdessen weiter. In der Nähe von Kerpen-Buir wird derzeit sogar die A4 verlegt. Sie muss dem Tagebau weichen.Bild 31 von 31 | Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
"Problem durch das Wasser" in NachterstedtMögliche Gründe für die Katastrophe