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Sonntag, 05. August 2018

Erwärmung weckt Begehrlichkeiten: Neue Konkurrenz in der Arktis

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In der Arktis ist die Durchschnittstemperatur gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um mehr als 2 Grad Celsius gestiegen. (Foto: REUTERS)

In der Arktis ist die Durchschnittstemperatur gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um mehr als 2 Grad Celsius gestiegen.

In der Arktis ist die Durchschnittstemperatur gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um mehr als 2 Grad Celsius gestiegen.

Das macht die arktische Tundra inzwischen interessant für industrielle Unternehmungen, die lange als ausgeschlossen galten.

Nils Mathis Sara ist hier schon immer mit seinen 2000 Rentieren unterwegs.

Nun versucht er, den Menschen zu erklären, dass sein er seinen Lebensunterhalt bald nicht mehr verdienen können wird.

Die kuwaitische Nussir ASA will hier Kupfer abbauen, der Genehmigungsprozess steht kurz vor dem Abschluss.

Aber Samen wie Sara fürchten, Sommerweiden für ihre Tiere zu verlieren. "Diese Mine ist völlig verrückt", sagt der 60-Jährige.

Die Entscheidung über die Mine gilt als Test für die Aktis, wo Klimawandel und Technologie immer öfter den Abbau von Mineralien und Energie, Schifffahrt und Tourismus ermöglichen und gleichzeitig traditionelle Lebensformen bedrohen.

Nach Ansicht von Experten verfolgen einige Weltkonzerne sehr aufmerksam, wie die Entscheidung auf dem Finnmark Plateau ausgeht.

Die Bedenken richten sich nicht nur gegen die Grube selbst, Umweltschützer beklagen, dass der Grubenabfall im Fjord entsorgt werden soll.

Das sei zwar weniger schädlich, als sie an Land zu stapeln, würde jedoch die hier gelegenen Laichgründe des Kabeljau zerstören.

"Ich verstehe es nicht", sagt Tommy Pettersen (li.), ein 47-jähriger Sami-Fischer.

"Wir sind eine maritime Nation. Wir haben uns auf den Ozean verlassen, um davon zu leben, und wir wollen dieses Zeug in den Fjord werfen?"

Gerade hat er Königskrabben im Wert von umgerechnet 1700 Euro gefangen.

Im vergangenen Jahr hat er so etwa 170.000 Euro verdient.

Sein Boot bringt ihm ein potenziell lukratives, aber nicht immer berechenbares Einkommen.

Doch vielleicht wird das künftig nicht mehr so sein.

Es gibt aber auch andere Stimmen.

Terje Wickstroem, Bürgermeister des Dorfes Kvalsund mit 1.027 Einwohnern, erhofft sich von dem Bergwerk eine Stärkung seiner Gemeinde.

"Es würde Optimismus bringen", sagt Wicktroem, der selbst ein Sami ist.

Bei Nussir leitet Oeystein Rushfeldt das Projekt. Er geht davon aus, dass die Mine mit den Fischern und den Rentierhirten koexistieren kann.

Die Rentierzüchter beklagen hingegen, dass schon jetzt verschiedene Maßstäbe angelegt werden.

Nussir werde es erlaubt, Abfall auszubringen, gleichzeitig verpflichten norwegische Gesetze die Rentierzüchter, die Mägen und Därme der Tiere manchmal Hunderte von Kilometern zur Beseitigung zu verschicken, um das Krankheitsrisiko zu verringern.

Traditionsgemäß hatten Hirten die Überreste einfach begraben.

Sie betonen, dass sie die Veränderungen nicht einfach rundweg ablehnen.

Die samische Sprache hat kein Wort für "Stabilität".

Die Politiker hörten einfach nicht zu, beklagt Nils Mathis Sara.

"Wenn diese Mine grünes Licht bekommt, werden wir vor Gericht gehen, um sie zu stoppen."

In Norwegen wird die Frage längst auf nationaler Ebene diskutiert.

Irgendwann wird man entscheiden müssen, was schwerer wiegt: dringend benötigte Arbeitsplätze und Finanzmittel oder die traditionelle Lebensweise der Samen. (sba/rts)

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