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Freitag, 10. April 2009

1949 - 2009: 60 Jahre Bundesrepublik

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Das Provisorium hält bis heute. Gegründet wurde die Bundesrepublik Deutschland nur für den Übergang. Deutlich wurde dies bereits in ihrem Gründungsdokument:

Das Provisorium hält bis heute. Gegründet wurde die Bundesrepublik Deutschland nur für den Übergang. Deutlich wurde dies bereits in ihrem Gründungsdokument:

Das Provisorium hält bis heute. Gegründet wurde die Bundesrepublik Deutschland nur für den Übergang. Deutlich wurde dies bereits in ihrem Gründungsdokument:

"Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist", hieß es im letzten Artikel der Verfassung, die so nicht heißen durfte.

Die Basis für die Stabilität der westdeutschen Republik legte ihr erster Bundeskanzler, Konrad Adenauer, indem er das Land eng an die Westmächte band. Vergab er damit die Chance auf ein geeintes Deutschland?

Vermutlich nicht. Die Priorität seines großen Gegenspielers von der SPD war eine andere: Kurt Schumacher sah die deutsche Einheit als Nahziel, nicht als ferne Perspektive.

Als die Bundesrepublik gegründet wurde, war der Untergang des "Tausendjährigen Reiches" erst vier Jahre her. Deutschland lag noch immer in Trümmern, die Mörder lebten noch "unter uns", wie der erste deutsche Kinofilm nach dem Krieg betonte.

Der Zusammenbruch war vollkommen, Deutschland war in jeder Hinsicht am Ende: militärisch, politisch, wirtschaftlich und vor allem moralisch.

Millionen Menschen waren von Deutschen ermordet worden oder hatten ihr Leben im Krieg verloren. "Insgesamt sind weit über 50 Millionen Tote das Ergebnis nationalsozialistischer Herrschaft in Europa", schreibt der Historiker Wolfgang Benz.

Zwei Millionen Menschen starben bei Flucht und Vertreibung, weitere 14 Millionen verloren ihre Heimat, Deutschland verlor ein Viertel seines Territoriums.

Acht Millionen Soldaten der Wehrmacht sind in Kriegsgefangenschaft, allein in Westdeutschland befinden sich 6,5 Millionen "Displaced Persons": vor allem ehemalige Zwangsarbeiter und Juden, die den Holocaust überlebt haben.

Die Deutschen ändern ihre Einstellungen nur langsam. Der Hohe Kommissar der USA veröffentlichte im Januar 1953 das Ergebnis einer Umfrage in Westdeutschland. Danach sind 44 Prozent der Befragten der Ansicht, ...

... der Nationalsozialismus habe mehr Gutes als Schlechtes gebracht. Fazit der US-Hochkommission: Der Nazismus stelle in der Bundesrepublik ein größeres Problem dar als der Kommunismus.

Wer in den Städten lebt, ist auf den Schwarzmarkt angewiesen.

Vor allem aus den USA und Kanada kommen die berühmten CARE-Pakete.

Schon 1946 finden die ersten Gemeinde- und Kreistagswahlen statt, 1947 die ersten Landtagswahlen. Im Winter 1946/47 bilden Briten und Amerikaner die "Bizone", deren in Frankfurt (Bild vom März 1949) tagender Wirtschaftsrat ein Vorläufer des deutschen Bundestags ist.

Am 5. Juni 1947 schlägt US-Außenminister George C. Marshall in Harvard das "European Recovery Program" vor. Der "Marshall-Plan" organisiert und finanziert den Wiederaufbau Westeuropas.

Am 20. Juni 1948 wird in den Westzonen die D-Mark eingeführt, wenige Tage später auch in den Westsektoren von Berlin. Die Gründung eines westdeutschen Staates zeichnet sich ab.

Die Sowjetunion reagiert mit einer Blockade West-Berlins. In der Nacht zum 24. Juni 1948 sperren sowjetische Truppen die Zufahrtswege. Die Blockade dauert fast ein Jahr.

Die Westmächte organisieren eine Luftbrücke: Alle zwei bis drei Minuten landet ein Flugzeug auf den Flughäfen Tegel, Tempelhof oder Gatow.

Am 1. Juli 1948 fordern die Westmächte die Ministerpräsidenten der elf westdeutschen Länder auf, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Am 1. September 1948 trifft sich der Parlamentarische Rat zum ersten Mal:

Die 61 Männer und 4 Frauen erarbeiten das Grundgesetz, das am 23. Mai 1949 in Kraft tritt - die Bundesrepublik Deutschland ist gegründet.

Die erste Bundestagswahl am 14. August 1949 gewinnt die CDU: Konrad Adenauer wird erster Bundeskanzler einer Koalition aus CDU, CSU, FDP und der rechten Deutschen Partei.

Am 7. Oktober 1949 wird die DDR gegründet; Ministerpräsident wird Otto Grotewohl.

Die 50er Jahre in Westdeutschland sind das Jahrzehnt des "Wirtschaftswunders" - und der Wellen: Fresswelle, Autowelle, Wohnungswelle, Reisewelle. Das Bild zeigt eine Hamburger Hausfrau beim Karpfenkauf, Weihnachten 1949.

Stärker als der Bundeskanzler ist Ludwig Erhard, Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963, eine Ikone dieser Zeit. Sein Buch "Wohlstand für alle" steht in den Wohnzimmerschränken der Nachkriegsbürger.

Am 1. Mai 1950 werden in Westdeutschland die Lebensmittelmarken abgeschafft, der Schwarzmarkt verschwindet.

Über Nacht kommt das "Wirtschaftswunder" nicht: 1950 liegt die Arbeitslosigkeit bei zwölf Prozent, die Bundesbank hat Mühe, die Inflation zurückzuhalten.

Beim Durchbruch hilft ein Krieg: Durch den Korea-Krieg wird die Produktion in den USA auf Rüstungsgüter umgestellt, was deutschen Waren im Ausland ein Fenster öffnet.

Eine Nacktszene von Hildegard Knef in dem Film "Die Sünderin" erregt im Westdeutschland des Jahres 1951 die Gemüter.

Doch die meisten Kinozuschauer wollen Schmalz: "Grün ist die Heide" aus dem selbem Jahr, mit Sonja Ziemann (Bild) und Rudolf Prack, ist der erfolgreichste Film der fünfziger Jahre.

Am 18. April 1951 wird die Montanunion gegründet, die "Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl", ein Vorläufer der EU. Sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist (West-) Deutschland Teil eines europäischen Bündnisses.

17. Juni 1953: Hunderttausende Demonstranten in der DDR fordern "Weg mit der SED-Diktatur!" Es ist ein Arbeiteraufstand im Arbeiter- und Bauern-Staat. Sowjetische Panzer schlagen ihn nieder, 21 Menschen sterben.

"Rahn schießt, Tor, Tor, Tor!", jubelt der Reporter Herbert Zimmermann am 4. Juli 1954. Die Bundesrepublik besiegt Ungarn in Bern mit 3:2 und wird unerwartet Fußballweltmeister. Das Tor gibt der jungen Teilnation Selbstbewusstsein: "Wir sind wieder wer".

1955 unternimmt jeder fünfte Westdeutsche eine Urlaubsreise. Die meisten verbringen ihren Urlaub in Deutschland, wichtigstes Transportmittel ist noch die Bahn. Den Traum einer Reise nach Italien muss das Kino erfüllen.

Am 5. August 1955 läuft in Wolfsburg der millionste VW-Käfer vom Band, das knapp 4000 Mark teure Symbol des Wirtschaftswunders.

Erich Kästner nennt die 50er Jahre spöttisch das "motorisierte Biedermeier".

Die DDR setzt auf den von 1957 an in Zwickau gebauten Kunststoff-Kleinwagen "Trabant".

Am 9. Oktober 1955 wird in Friedland die erste große Gruppe der letzten Russland-Heimkehrer empfangen, deren Freilassung Adenauer in Moskau erreicht hatte. Im selben Jahr wird die deutsche Teilung durch den Beitritt in die gegnerischen Bündnisse zementiert.

1956 kommt der Film "Die Halbstarken" mit Horst Buchholz (hier 1958 mit Gina Lollobrigida) und Karin Baal in die Kinos. Doch die Massenkultur orientiert sich an Peter Kraus und Conny Froboess.

Im Mai 1958 wird auch in der DDR die Lebensmittelkarte abgeschafft.

Am 1. Oktober 1958 tritt Elvis Presley seinen Dienst bei der US-Armee im hessischen Friedberg an.

Im selben Monat schlagen Fans bei Konzerten von Bill Haley das Mobiliar kurz und klein.

Ein neues Traumpaar tritt auf: Die 16-jährige Marika Kilius und der 18-jährige Hans Jürgen Bäumler gewinnen am 19. Februar 1960 bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley (USA) die Silbermedaille im Eiskunstlauf.

Und jetzt beginnen die Sechziger wirklich: Am 18. März 1960 treten die Beatles erstmals in Deutschland auf, im Hamburger Nachtclub "Indra". "Spielen, trinken, Mädchen", beschreibt John Lennon die Zeit in St. Pauli.

1962 folgen Auftritte im "Starclub" in der Besetzung Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr. Im Juni 1966 füllen die Pilzköpfe bei ihrer Deutschlandtournee Riesenhallen in München, Essen und Hamburg.

13. August 1961: Walter Ulbricht lässt die Berliner West-Sektoren mit Stacheldraht und Sperren abriegeln. Es beginnt der Bau der Berliner Mauer, die bis 1989 die Stadt teilen wird.

1962 macht sich der Kabarettist Wolfgang Neuss (Bild) unbeliebt: Er verrät dem empörten Volk, wer den Mord in dem Krimi "Das Halstuch" begangen hat. Der Sechsteiler von Francis Durbridge sorgt für leere Straßen - der Begriff "Straßenfeger" ist geboren.

Bei einer Sturmflutkatastrophe sterben am 17. Februar 1962 in Norddeutschland 347 Menschen, allein 315 in Hamburg. 20.000 Menschen werden obdachlos. Innensenator Helmut Schmidt koordiniert die Rettungseinsätze und begründet seinen Ruf als "Macher".

Deutschland verändert sich. In der "Bravo" erscheint 1962 die erste Aufklärungsserie: Der "Knigge für Verliebte". Sieben Jahre später übernimmt "Dr. Sommer" die Aufklärung der westdeutschen Pubertisten. Das Bild zeigt einen "Bravo"-Titel von 1964.

Am 26. Oktober 1962 erscheint im "Spiegel" ein Artikel über die NATO-Übung "Fallex 62", in dem beschrieben wird, "dass die Vorbereitungen der Bundesregierung für den Verteidigungsfall völlig ungenügend sind".

Es ist die Zeit der Kuba-Krise. Die Bundesanwaltschaft wirft dem "Spiegel" Landesverrat vor. Die Redaktion wird durchsucht, Rudolf Augstein (Bild) und der Autor des Artikels, Conrad Ahlers, werden verhaftet.

Verteidigungsminister Franz Josef Strauß behauptet, er habe "nichts, im buchstäblichen Sinne nichts" mit der Sache zu tun. Eine Lüge. Die FDP droht, ihre Minister abzuziehen. Strauß muss gehen.

Im Juni 1963 besucht US-Präsident John F. Kennedy West-Berlin. Von einem Notizzettel liest er ab: "Ish bin ein Bearleener".

Am 24. August 1963 werden die ersten Spiele der Fußball-Bundesliga angepfiffen. Timo Konietzka (r.) von Borussia Dortmund schießt das erste Tor, der 1. FC Köln wird Meister der ersten Bundesliga-Saison.

24. Oktober 1963: Das "Wunder von Lengede". Nach einem Unglück in der Grube "Mathilde" werden Dutzende Bergleute unter Tage eingeschlossen. Einige können geborgen werden, die letzten elf Kumpel aber erst am 7. November - nach einer Trauerfeier für sie.

Im September 1964 wird in der Bundesrepublik der offiziell millionste Gastarbeiter begrüßt: Armando Rodrigues de Sá, ein Portugiese. Er bekommt bei der Ankunft im Bahnhof Köln-Deutz ein Zündapp-Mokick "Sport-Combinette" geschenkt.

Im Endspiel der Fußball-WM unterliegt Deutschland am 30. Juli 1966 Gastgeber England mit 2:4 im Wembley-Stadion. Spielentscheidend ist das umstrittene dritte Tor.

An den Universitäten begehren die Studenten gegen den "Muff von 1000 Jahren" auf.

Am 2. Juni 1967 wird bei einer Demonstration gegen den Schah-Besuch in Berlin der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Sein Tod radikalisiert die Studentenproteste.

2. April 1968: Andreas Baader und Gudrun Ensslin legen Brände in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Die Tat ist der Wendepunkt vom studentischen Protest der APO gegen den Vietnamkrieg hin zum Terrorismus.

11. April 1968: Attentat auf Rudi Dutschke in Berlin. Es folgen die schlimmsten Krawalle in der Geschichte der Bundesrepublik. In München gibt es zwei Tote bei Straßenschlachten.

30. Mai 1968: Der Bundestag beschließt die (bis heute geltenden) Notstandsgesetze. Die jahrelange Diskussion um die Einschränkung verschiedener Grundrechte wird von heftigen Protesten vor allem der Gewerkschaften und der Studentenbewegung begleitet.

Der Aufklärungsfilm "Wunder der Liebe" von Oswalt Kolle (l.) kommt im Februar 1968 in die Kinos. Schon seit dem 1. Juni 1961 ist in Westdeutschland die Anti-Baby-Pille auf dem Markt.

Im Sommer 1968 erlebt der Mini-Rock seinen Durchbruch.

Bei der Bundestagswahl vom 28. September 1969 kann die SPD 3,4 Punkte zulegen. Sie bleibt zwar unter dem Ergebnis der CDU/CSU. Doch mit der FDP reicht es zur Mehrheit. Die Große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger (2.v.r.) ist zu Ende, ...

... neuer Bundeskanzler wird am 22. Oktober 1969 Willy Brandt. Nach Adenauer, Erhard und Kiesinger ist er der vierte Kanzler der Bundesrepublik - und der erste Sozialdemokrat in diesem Amt. Deutschland hat sich verändert.

Im März 1970 besucht Brandt die DDR. In Erfurt rufen die Menschen "Willy, Willy!" - sie rufen mit Ypsilon, nicht mit "i" - Brandts Gastgeber heißt Willi Stoph.

Am 6. September 1970 tritt Jimi Hendrix beim "Love and Peace"-Festival auf der Insel Fehmarn auf. Keine zwei Wochen später stirbt er in einem Hotel in London.

7. Dezember 1970: Der Kniefall von Willy Brandt vor dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Warschau wird zum Symbolbild. Brandts Ostpolitik spaltet die Westdeutschen. Ein Jahr später erhält Brandt den Friedensnobelpreis.

Am 3. Mai 1971 tritt Walter Ulbricht als Erster Sekretär des ZK der SED zurück. Sein Nachfolger wird Erich Honecker. Anfängliche Hoffnungen auf eine Liberalisierung werden bald enttäuscht.

374 Frauen bekennen im "Stern" vom 6. Juni 1971: "Wir haben abgetrieben". Sie protestieren gegen Paragraf 218 StGB.

Am 5. September 1972 überfallen palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen die israelische Mannschaft, nehmen elf Geiseln, von denen sie zwei töten. Die übrigen sterben bei einem Befreiungsversuch. Eine Konsequenz ist die Gründung der GSG 9.

Am 19. Oktober 1972 erhält Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur.

Am 21. Dezember 1972 unterzeichnen Bundesminister Egon Bahr und DDR-Staatssekretär Michael Kohl den Grundlagenvertrag. Im Mai 1974 nehmen die "Ständigen Vertretungen" in Bonn und Ost-Berlin ihre Arbeit auf.

25. November 1973: Leere Autobahnen in Deutschland wegen des arabischen Ölboykotts. An vier Sonntagen erleben die Westdeutschen, wie abhängig sie vom Erdöl sind.

Von Januar 1973 bis November 1974 läuft die Fernsehserie "Ein Herz und eine Seele", in der Heinz Schubert alias Alfred Tetzlaff eine Karikatur des westdeutschen Spießers gibt.

Doch die TV-Sendung des Jahrzehnts ist "Am laufenden Band" mit Rudi Carrell, die zwischen 1974 und 1979 läuft. Bis zu 30 Millionen Zuschauer verfolgen, wie Föhnhauben und Toaster am Gewinner vorbeiziehen.

Am 6. Mai 1974 tritt Bundeskanzler Brandt zurück. Sein Referent Günter Guillaume war als Spion des DDR-Geheimdienstes entlarvt worden. Neuer Kanzler wird Helmut Schmidt.

22. Juni 1974: "Sparwasser, Sparwasser, TOOR!" Der Magdeburger Jürgen Sparwasser schießt bei der Fußball-WM in Hamburg den 1:0- Siegtreffer der DDR über den späteren Weltmeister Bundesrepublik.

Ab dem 1. Januar 1976 gilt in der Bundesrepublik die Anschnallpflicht - allerdings zunächst nur vorn. Auf den westdeutschen Rücksitzen bleiben die Kinder noch bis 1984 unangeschnallt.

Weder friedliche noch gewalttätige Proteste können den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf in Schleswig-Holstein stoppen. 1976 wird der Bau begonnen, ein Baustopp kann die Fertigstellung nur verzögern.

Die SED demonstriert nach innen und nach außen, wie sie mit Kritikern umgeht: Der Liedermacher Wolf Biermann, der auf Einladung der IG Metall zu einer Konzertreise in die Bundesrepublik gekommen war, wird am 16. November 1976 ausgebürgert.

7. April 1977: Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel sowie der Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft, Georg Wurster, werden in Karlsruhe ermordet.

30. Juli 1977: Der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, wird in Frankfurt ermordet.

5. September 1977: Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird entführt. Sein Fahrer und drei Polizisten werden ermordet. Die Entführer fordern die Freilassung von elf RAF-Mitgliedern.

13. Oktober 1977: Palästinensische Terroristen entführen die Lufthansa-Maschine "Landshut". Fünf Tage später stürmt eine GSG-9-Einheit das Flugzeug und befreit die Geiseln.

Noch in der Nacht begehen die Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim Selbstmord. Am 19. Oktober wird die Leiche von Hanns Martin Schleyer im französischen Mülhausen gefunden.

Im Winter 1978/79 versinkt Norddeutschland im Schnee. Hunderte Orte sind zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. In der DDR trifft es die Insel Rügen besonders hart. In Westdeutschland sterben 17 Menschen, in der DDR mindestens fünf.

Im Januar 1979 löst der TV-Vierteiler "Holocaust" eine Diskussion über die deutsche Vergangenheit aus. Titel und Inhalt der Serie prägen die westdeutsche Erinnerungskultur auf Jahre.

Am 13. Januar 1980 werden in Karlsruhe die Grünen gegründet. Im März 1983 ziehen sie in den Bundestag ein.

"Das beste Solitärspiel" des Jahres 1980 ist der "Zauberwürfel". 1981 erreicht der Hype um "Rubik's Cube" seinen Höhepunkt, 1982 ist der Spuk schon wieder vorbei - um 2009 ein Comeback zu erleben.

28. Juni 1981: Die ARD strahlt den ersten "Schimmi"-Tatort "Duisburg Ruhrort" mit Götz George als Kommissar Schimanski aus. Der Fahnder mit der Jacke wird zum Kult-Kommissar.

Zwei Tage später, am 30. Juni, läuft die erste Folge der amerikanischen TV-Serie "Dallas".

22. September 1981: Nach der Räumung von besetzten Häusern in West-Berlin wird bei Auseinandersetzungen mit der Polizei ein Demonstrant von einem Bus überrollt und stirbt. In Hamburg wird die Hafenstraße (Bild) zum Symbol der Hausbesetzerszene.

Herbst 1981, Höhepunkt der Proteste gegen den Bau der Startbahn West. 1984 wird die Startbahn in Betrieb genommen.

24. April 1982: Mit ihrem Lied "Ein bisschen Frieden" gewinnt Nicole als erste und bisher einzige Deutsche den Grand Prix d'Eurovision.

Die Jugend hört eine andere Musik: In den Jahren 1981 und 1982 erscheinen "Da Da Da" von Trio, "Nur geträumt" von Nena, "Hurra, hurra, die Schule brennt" von Extrabreit und "Sternenhimmel" von Hubert Kah.

Die Popper kämmen ihre Haare, die Punks liegen auf der Straße und die Jungs und Mädels aus dem Physik-LK beschäftigen sich mit dem C64. Später werden sie Programmierer und verdienen viel Geld.

Die siebziger Jahre sind endgültig vorüber. Am 1. Oktober 1982 beendet ein Misstrauensvotum die Ära Schmidt. Nach 13 Jahren sozialliberaler Koalition wechselt die FDP zur Union.

Bundeskanzler Helmut Kohl beginnt seine 16 Jahre als Kanzler mit der Ankündigung einer "geistig-moralischen Wende".

25. April 1983: Der "Stern" präsentiert auf einer großen Pressekonferenz die angeblichen Tagebücher von Adolf Hitler. Schon eine Woche später ist klar: Alles nur gefälscht.

Am 22. Oktober 1983 nehmen mehr als eine Million Menschen an Demonstrationen gegen die bevorstehende Stationierung neuer US-Atomraketen auf deutschem Boden teil. Die Nachrüstung war im NATO-Doppelbeschluss von 1979 festgelegt worden.

1. Januar 1984: Der Vorläufer des Fernsehsenders Sat1, die "Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenfunk" (PKS), geht als erstes Privatfernsehen auf Sendung. Am 2. Januar folgt RTL plus.

Dieter Bohlen und Thomas Anders veröffentlichen 1984 ihre erste Single: "You're My Heart, You're My Soul".

Am 12. Dezember 1985 wird der erste Grüne in Deutschland Minister. In Turnschuhen und Jeans legt der hessische Umweltminister Joschka Fischer seinen Amtseid ab.

26. April 1986: Bei einer Notfallübung im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl kommt es zur Katastrophe. Weite Teile Europas werden verseucht.

Laut IPPNW nimmt in bestimmten Regionen Deutschlands die Zahl der Krebserkrankungen zu. Allein in Bayern seien 1000 bis 3000 zusätzliche Fehlbildungen gezählt worden.

16. Februar 1987: In der Flick-Parteispendenaffäre werden die ehemaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs sowie der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch vom Bonner Landgericht wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

28. Mai 1987: Der 19 Jahre alte Sportpilot Mathias Rust aus Wedel landet mit seiner Cessna 172 ungehindert auf dem Roten Platz in Moskau. Er will "ein Zeichen für Frieden und Abrüstung setzen".

24. August 1987: Im Kaiser-Wilhelm-Koog im schleswig-holsteinischen Dithmarschen wird der erste deutsche Windpark eingeweiht.

11. Oktober 1987: Der schleswig-holsteinische CDU-Politiker Uwe Barschel wird tot in der Badewanne seines Genfer Hotelzimmers gefunden.

17. Januar 1988: Auf einer offiziellen Demonstration der SED (Bild) kommt es zu Protesten unter der Losung eines Zitats von Rosa Luxemburg: "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden". Zahlreiche Demonstranten werden verhaftet.

Im Juli 1989 gewinnen Steffi Graf und Boris Becker in Wimbledon.

Im Mai 1989 beginnt Ungarn mit dem Abbau der Grenzanlagen zu Österreich. Im Laufe des Sommers kommt eine Fluchtbewegung in Gang. Ende August halten sich etwa 150.000 DDR-Bürger in Ungarn auf.

Am 4. September 1989 findet die erste Montagsdemonstration in Leipzig statt. Die Demonstranten rufen "Wir wollen raus", aber auch "Wir bleiben hier".

In der bundesdeutschen Botschaft in Prag halten sich Anfang September 3500 DDR-Flüchtlinge auf. Am 30. September verkündet Außenminister Hans-Dietrich Genscher in der Prager Botschaft, dass die Flüchtlinge in die Bundesrepublik ausreisen dürfen.

In den folgenden Tagen fahren Züge mit insgesamt 17.000 Flüchtlingen von Prag über die DDR in die Bundesrepublik.

Am 7. Oktober kommt es in Berlin, Leipzig, Potsdam und anderen Städten der DDR zu Protesten, die vielerorts niedergeknüppelt werden. In Berlin schlägt der Staat auch am 8. Oktober noch einmal zu.

Am 9. Oktober demonstrieren 70.000 Menschen in Leipzig. Die befürchtete "chinesische Lösung" bleibt aus - die Revolution hat gesiegt.

9. November 1989: Die Mauer fällt.

Am 18. März wird in der DDR gewählt, Sieger wird die "Allianz für Deutschland" unter Führung der (Ost-) CDU. Hier Helmut Kohl bei einem Wahlkampfauftritt in Erfurt am 20. Februar 1990.

Am 8. Juli 1990 wird (West-) Deutschland in Rom mit einem 1:0-Sieg über Argentinien zum dritten Mal nach 1954 und 1974 Fußball-Weltmeister.

16. Juli 1990: In Ost-Berlin konstituiert sich die Treuhandanstalt, die für die "Abwicklung" der 8000 Volkseigenen Betriebe (VEB) zuständig ist. Millionen Menschen verlieren ihre Arbeit.

3. Oktober 1990: Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Deutschland wird östlicher und protestantischer, sagt Lothar de Maizière, der letzte Regierungschef der DDR.

30. April 1991: Der letzte Trabant rollt in Zwickau vom Band - direkt ins Automobilmuseum der Stadt.

22. bis 28. August 1992: Pogrom-artige Zustände in Rostock-Lichtenhagen. Rechtsradikale Randalierer aus ganz Deutschland belagern ein Heim für Asylbewerber, Anwohner applaudieren.

23. November 1992: Bei einem rechtsextremistischen Brandanschlag in Mölln (Bild) sterben drei Türkinnen. Am 29. Mai 1993 setzen vier junge Männer in Solingen das Haus einer türkischen Großfamilie in Brand. Fünf Türkinnen sterben.

15. Mai 1993: Die Bundeswehr beginnt ihre UN-Mission in Somalia. Zum ersten Mal operieren Bundeswehr-Soldaten außerhalb des NATO-Gebiets.

Am 1. Juli 1993 tritt das neue Asylrecht in Kraft. Es erschwert den Zugang zum Asylverfahren und erleichtert die Abschiebung.

Ebenfalls am 1. Juli 1993 werden die vierstelligen Postleitzahlen durch ein fünfstelliges System ersetzt.

Erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik überschreitet die Arbeitslosenzahl die Vier-Millionen-Grenze. 4,029 Millionen Menschen waren im Januar 1994 ohne Arbeit, teilt die Bundesanstalt für Arbeit am 8. Februar mit.

15. April 1994: Die Jürgen Schneider AG meldet Konkurs an. Hauptgläubiger ist die Deutsche Bank. Unbezahlte Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark bezeichnet Vorstandssprecher Hilmar Kopper (Bild) später als "Peanuts".

22. April 1994: Der Kaufhaus-Erpresser Arno Funke wird gefasst. Als "Dagobert" hatte er die Polizei jahrelang zum Narren gehalten.

24. Juni 1995: Der Reichstag in Berlin ist verhüllt - ein Projekt des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude. Bis zum Ende der Aktion am 6. Juli kommen fünf Millionen Besucher.

18. November 1996: Die Deutsche Telekom geht an die Börse. Die 713 Millionen ausgegebenen Aktien bringen der Telekom Einnahmen von 20 Milliarden Mark. Später sorgt der tiefe Fall des Papiers für Ärger bei den vielen privaten Anteilseignern.

"Jahrhunderthochwasser" im Sommer 1997: Überschwemmungen an der Oder halten die Menschen wochenlang in Atem.

27. Juli 1997: Jan Ullrich gewinnt als erster Deutscher die Tour de France.

20. April 1998: Die RAF erklärt ihre Auflösung. Bei RAF-Anschlägen starben seit 1970 mehr als 30 Menschen.

7. Mai 1998: Die Daimler-Benz AG und der US-Autokonzern Chrysler geben ihren Zusammenschluss bekannt. Die Fusion der Autogiganten wird für Daimler-Benz zum Milliardengrab.

3. Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

1. August 1998: Die Rechtschreibreform tritt in Kraft. Die neuen Schreibweisen sind zunächst nur für Schulen und Behörden verbindlich. Die Übergangszeit, während der auch die alte Schreibweise erlaubt ist, endet 2005.

Die Bundestagswahl vom 27. September 1998 endet mit einem Sieg von SPD und Grünen. Helmut Kohl, der es nach 16 Jahren im Amt "noch einmal wissen" wollte, ist abgewählt. Die Union erzielt ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949.

16. Oktober 1998: Der (alte) Bundestag billigt die Beteiligung der Bundeswehr an einem NATO-Einsatz im Kosovokonflikt. Die NATO beginnt im März 1999 ohne UN-Mandat mit Luftangriffen. Für die Bundeswehr wird es der erste Kampfeinsatz ihrer Geschichte.

Am 11. März 1999 legt Finanzminister und SPD-Chef Oskar Lafontaine alle politischen Ämter nieder. Das Bild zeigt den "Privatmann" Lafontaine zwei Tage später vor seinem Haus in Saarbrücken.

19. April 1999: Das deutsche Parlament kehrt acht Jahre nach dem Umzugsbeschluss des Bundestags vom Juni 1991 offiziell von Bonn in den Berliner Reichstag zurück.

10. Juli 1999: In Berlin brechen 1,5 Millionen Raver bei der Love Parade alle Rekorde. Tanzende Techno-Fans verwandeln den Tiergarten in die größte Open-Air-Diskothek der Welt. 2006 zieht die Love Parade zum letzten Mal über die Straße des 17. Juni.

1999 erhält Günter Grass den Literatur-Nobelpreis.

30. November 1999: Altkanzler Kohl räumt in der CDU-Spendenaffäre die Führung verdeckter Partei-Konten ein.

Seit dem 1. April 2000 gilt das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das den Ausbau der regenerativen Energien fördert. Zahlreiche Länder nehmen sich die Regelungen zum Vorbild.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erklärt Bundeskanzler Gerhard Schröder die "uneingeschränkte Solidarität" der Bundesrepublik mit den USA.

Im bargeldlosen Geldverkehr gilt der Euro bereits seit dem 1. Januar 1999. Am 1. Januar 2002 löst der Euro die D-Mark auch als Bargeld ab.

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