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Mittwoch, 20. Juli 2016

20. Juli 1944: Der Anschlag auf Hitler

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Mit dem Anschlag auf Adolf Hitler wollten die Männer des 20. Juli einen Machtwechsel und damit ein Ende des Krieges einleiten. (Foto: AP)

Mit dem Anschlag auf Adolf Hitler wollten die Männer des 20. Juli einen Machtwechsel und damit ein Ende des Krieges einleiten.

Mit dem Anschlag auf Adolf Hitler wollten die Männer des 20. Juli einen Machtwechsel und damit ein Ende des Krieges einleiten.

Auch wenn die Wehrmacht sich zum Erfüllungsgehilfen der Nazis gemacht hatte, gab es in ihren Reihen Widerstand gegen Hitler: Zentrum des militärischen Widerstands war Generalstabschef Ludwig Beck.

In der Sudetenkrise im Sommer 1938 hatte Beck die Absetzung Hitlers für den Fall eines Kriegsausbruchs vorbereitet. Als jedoch der britische Premier Arthur Neville Chamberlain im Münchner Abkommen einknickt, ...

... sind die Voraussetzungen für den Putsch nicht mehr gegeben. Deutschland annektiert das tschechoslowakische Sudetenland. Die deutsche Bevölkerung ist erleichtert, weil ein Krieg abgewendet ist. Für Hitler ein Triumph.

Beck tritt als Generalstabschef des Heers zurück. Er hatte von Hitler Klarheit über dessen außenpolitische Ziele verlangt. Hitlers Antwort: Beck habe das Schwert zu führen, wo und wann immer Hitler es ihm befehle.

Gemeinsam mit Generalmajor Henning von Tresckow ...

... und Carl Friedrich Goerdeler, Finanzfachmann, früherer Oberbürgermeister von Leipzig und der führende Kopf des konservativen Widerstands, ...

... erarbeitet Beck einen Plan für eine Regierung nach dem Sturz des NS-Regimes. Beck soll Staatsoberhaupt werden, Goerdeler Reichskanzler.

Den Verschwörern ist klar: Hitler muss sterben, wenn ein Putsch erfolgreich sein soll. Schließlich hatte die gesamte Wehrmacht einen Treueeid auf Hitler abgelegt.

"Man konnte die Truppe nicht gegen Hitler führen. Hitler war für die fabelhaft", sagt Ewald Heinrich von Kleist (r.), einer der letzten Überlebenden des 20. Juli, 60 Jahre später.

Bereits 1942 entwickelt Tresckow mehrere Anschlagspläne gegen Hitler. Sie scheitern allesamt. Im März 1943 gelingt es ihm, eine Zeitbombe in Hitlers Flugzeug zu platzieren. Doch der Zünder versagt.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der zunächst mit den Nazis sympathisiert hatte, stößt zu den Verschwörern. Er unterhält auch Kontakt zum "Kreisauer Kreis" um Helmuth James Graf von Moltke (Bild).

Nach dem gescheiterten Tresckow-Attentat beginnen die Verschwörer mit der Arbeit an der "Operation Walküre". Beteiligt sind neben Oberst Stauffenberg ...

... General Friedrich Olbricht ...

... und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim.

Die "Operation Walküre" gibt es in zwei Ausführungen: Offiziell ist es ein Alarmplan der Wehrmacht für den Fall innerer Unruhen. Die Verschwörer arbeiten diesen Plan für ihre Zwecke um.

Kern der Verschwörung: Das Militär sollte den NS-Machtapparat ausschalten, ohne dass die Kommandeure die Absicht der Verschwörer sofort erkennen.

Anfang Juli 1944 beschließt Stauffenberg, den Anschlag auf Hitler selbst auszuführen. Hier liegt ein Problem: Als Kopf der Aktion wird er auch in Berlin gebraucht.

Am 20. Juli 1944 ist es soweit: Um 7 Uhr morgens fliegt Stauffenberg von Berlin aus in das Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen.

Sein Adjutant Werner von Haeften begleitet ihn. Haeften hat in einer Aktentasche zwei Sprengladungen dabei. Nach seiner Ankunft im Führerhauptquartier erfährt Stauffenberg, dass die Besprechung vorverlegt wurde, weil Hitler sich am Nachmittag mit Mussolini treffen will. Damit hat Stauffenberg weniger Zeit als geplant. Er deponiert nur eine der beiden Sprengladungen ...

... im Besprechungszimmer. Vor der Explosion verlässt Stauffenberg den Raum. Er gibt vor, telefonieren zu müssen. In seiner Abwesenheit wird die Tasche mit dem Sprengsatz weiter unter den schweren Kartentisch geschoben. Etwa um 12.45 Uhr detoniert die Bombe.

Vier Personen werden getötet. Hitler selbst wird jedoch nur leicht am Arm verletzt, da ihn der Tisch schützt.

Später zeigt er Mussolini den Ort des Anschlags.

Es ist nicht der erste Anschlag, den Hitler überlebt. Am 8. November 1939 explodierte eine Bombe im Münchner Bürgerbräu-Keller.

Der Tischler Johann Georg Elser hatte die Bombe in eine Säule eingemauert. Doch Hitler verließ den Saal etwa zehn Minuten früher als gewohnt, um einen Zug nach Berlin zu erreichen.

Nach dem Anschlag in der "Wolfsschanze" sitzt Stauffenberg im Flugzeug nach Berlin. Er glaubt, dass Hitler tot ist. In Berlin lösen Olbricht und Mertz von Quirnheim - verunsichert durch widersprüchliche Nachrichten - den "Walküre-Alarm" erst mit vierstündiger Verspätung aus.

Für die nicht eingeweihten Militärs sollen die "Walküre"-Befehle so aussehen, als habe eine "gewissenlose Clique frontfremder Parteiführer" Hitlers Tod ausgenutzt, um die Macht an sich zu reißen.

Während die "Walküre"-Befehle bei den Stabsoffizieren eintreffen, bringt der Rundfunk auf Initiative Hitlers und Goebbels' die Nachricht vom Attentat - und von Hitlers Überleben. Die meisten Offiziere verhalten sich abwartend.

Von der "Wolfsschanze" aus werden die Befehle der Verschwörer widerrufen. Die Abriegelung des Regierungsviertels, die Ausschaltung des Rundfunks in Charlottenburg, die Verhaftung der SS-Führung und die Besetzung der Gestapo-Zentrale scheitern.

Im Bendlerblock erklärt der Befehlshaber des Ersatzheeres, Generaloberst Friedrich Fromm, die Verschwörer gegen 23 Uhr für verhaftet. Zugleich verkündet er Todesurteile wegen Hochverrats. Das nutzt ihm nichts: Fromm wird "wegen Feigheit" zum Tode verurteilt.

Noch in der Nacht zum 21. Juli werden Stauffenberg, Haeften, Mertz von Quirnheim und Olbricht im Hof des Bendlerblocks erschossen. Ludwig Beck wird Gelegenheit zur Selbsttötung gegeben. Nach einem misslungenen Selbstmordversuch wird er von einem Feldwebel erschossen.

Andere Mitwisser des Umsturz-Plans werden vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler abgeurteilt. Hitler gibt die Anweisung, die Verschwörer binnen zwei Stunden nach dem Urteilsspruch "wie Schlachtvieh" aufzuhängen.

Zum Beispiel Oberleutnant Albrecht von Hagen (Mitte, sitzend). Er war maßgeblich an der Beschaffung des Sprengstoffes beteiligt und wird hingerichtet.

Hitler nutzt den 20. Juli zur Generalabrechnung. 200 Personen werden hingerichtet, darunter 19 Generäle, 26 Obersten, zwei Botschafter, sieben Diplomaten, ein Minister, drei Staatssekretäre, der Chef der Reichskriminalpolizei, mehrere Ober-, Polizei- und Regierungspräsidenten.

Das Scheitern des 20. Juli zählt "zu den großen Tragödien des 20. Jahrhunderts", schrieb Klaus Wiegrefe zum 60-jährigen Jahrestag im "Spiegel". Hätte Stauffenberg auch die zweite Bombe eingesetzt, wäre der Krieg vermutlich bald zu Ende gewesen.

Zwischen dem 20. Juli 1944 und dem Kriegsende am 8. Mai 1945 sterben Millionen Menschen in Konzentrationslagern, an der Front, bei Bombardierungen.

In der Bundesrepublik war der 20. Juli lange umstritten - von rechts wie von links. Heute gehört der "Gedenktag zweiter Klasse" (Joachim C. Fest) zu den zentralen Daten deutscher Erinnerungskultur.

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