Die Rote Armee Fraktion - besser bekannt unter ihrem Kürzel RAF - hält 30 Jahre lang die Bundesrepublik in Atem. Am Anfang steht eine Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt/Main 1968 und am Ende die "Selbstauflösung" 1998.Bild 1 von 62 Mit der Geiselnahme von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln beginnt eine Entwicklung, die als "Deutscher Herbst" in die Geschichte eingeht: Mehr als sechs Wochen lang hält die Terrorwelle der "Rote Armee Fraktion" die BRD in Atem.Bild 2 von 62 Mehr als 100 Mal schießen die Terroristen an diesem Montagnachmittag im Kölner Stadtteil Lindenthal auf die drei Polizisten und den unbewaffneten Chauffeur von Schleyer.Bild 3 von 62 Reinhold Brändle, Helmut Ulmer, Roland Pieler und der Fahrer Heinz Marcizs haben keine Chance und sterben noch am Tatort. Die Täter zerren Schleyer in einen VW-Bus und flüchten.Bild 4 von 62 Für die RAF ist Schleyer das ideale Opfer: Nie zuvor ist so viel Wirtschaftsmacht in einer Person vereinigt, der 62-Jährige ist gleichzeitig Daimler-Benz-Manager, Arbeitgeber- und BDI-Präsident.Bild 5 von 62 Schleyer war außerdem schon in seiner Jugend Anhänger der Nazis und machte später im Dritten Reich Karriere. Allerdings wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg nur als "Mitläufer" eingestuft.Bild 6 von 62 Im Wirtschaftswunder der 50er Jahre arbeitete sich der gelernte Jurist bei Daimler vom Sachbearbeiter bis zum Vorstandsmitglied hoch.Bild 7 von 62 Für die Bundesrepublik ist Schleyers Entführung eine Herausforderung, wie belastbar die Demokratie sein würde.Bild 8 von 62 Mit einem bis dahin beispiellosen Polizeiaufwand wird in weiten Teilen Deutschlands nach Schleyer gesucht. Erfolglos.Bild 9 von 62 "Hanns Martin Schleyer könnte noch leben", bedauert der frühere Polizeibeamte Ferdinand Schmitt. Er hatte einen Hinweis auf die Wohnung am Renngraben gegeben, in der die Terroristen den Arbeitgeberpräsidenten vor 30 Jahren gefangen hielten.Bild 10 von 62 Irgendwo auf dem Dienstweg zwischen Hürth und Köln war Schmitts Hinweis auf das "Volksgefängnis" im Renngraben 8 zwischen tausenden anderen untergegangen. Während Polizist Schmitt kurz nach Schleyers Entführung nach auffälligen Anmietungen forscht, ...Bild 11 von 62 ... ist Schleyer in Appartment 104 in einem Schrank angekettet und bittet die Bundesregierung vor einer Videokamera, die Forderungen der Terroristen zu erfüllen.Bild 12 von 62 Die RAF will die Freilassung von elf inhaftierten RAF-Terroristen in ein Land ihrer Wahl. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) lehnt ab. Ein Spiel auf Zeit beginnt. (Foto: Regierungssprecher Klaus Bölling).Bild 13 von 62 "Ich bin verstrickt in Schuld - Schuld gegenüber Schleyer und gegenüber Frau Schleyer", erklärt Schmidt im August 2007 in einem "Zeit"-Interview. Als Bundeskanzler stand er damals vor einer grausamen Wahl und entschied für den Staat.Bild 14 von 62 Schleyers Sohn wendet sich ans Bundesverfassungsgericht, um die Bundesregierung zum Einlenken zu bewegen. Das Gericht urteilt, die im Grundgesetz begründete Schutzpflicht gelte "nicht nur gegenüber dem Einzelnen, sondern auch gegenüber der Gesamtheit aller Bürger".Bild 15 von 62 Am 22. September erschießt der RAF-Terrorist Knut Folkerts in Utrecht einen Polizisten und wird festgenommen. Doch das Versteck Schleyers verrät er nicht.Bild 16 von 62 Die Bundesregierung hat als Vermittler den Genfer Rechtsanwalt Denis Payot eingeschaltet. An ihn schicken die Terroristen am 8. Oktober einen Brief mit Schleyers Foto - seit 31 Tagen Gefangener.Bild 17 von 62 Am 13. Oktober spitzt sich die Lage weiter zu. Palästinensische Terroristen entführen die Lufthansa-Maschine "Landshut" auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt.Bild 18 von 62 Die Palästinenser unterstützen die Forderung der Schleyer-Entführer. (Foto: die 21-jährige Palästinenserin Nadia Schehadeh Duaibis)Bild 19 von 62 Sie kidnappen die Maschine mit 91 Menschen an Bord nach Somalia ...Bild 20 von 62 ... und fordern die Freilassung der RAF-Inhaftierten sowie 15 Millionen US-Dollar (Foto: Pilot Jürgen Schumann wird von einem Entführer mit einer Pistole bedroht und später erschossen).Bild 21 von 62 Im Falle einer Verweigerung drohen sie mit der Ermordung Schleyers und aller Flugzeuginsassen. Letzteres kann ein Bundesgrenzschutz-Kommando (GSG 9) verhindern (Foto), das am 18. Oktober die Geiseln in Mogadischu befreit.Bild 22 von 62 Die Befreiten kehren nach Hause zurück.Bild 23 von 62 Wenige Stunden später werden im Gefängnis Stuttgart-Stammheim die Leichen der drei RAF-Anführer Andreas Baader (Foto: seine Zelle), Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe gefunden. Sie hatten Selbstmord begangen. Meinhof hatte sich bereits 1975 umgebracht.Bild 24 von 62 Am 19. Oktober 1977 findet die Polizei Schleyers Leiche im Kofferraum eines Wagens im Elsaß.Bild 25 von 62 In Stuttgart findet eine Trauerfeier für den Toten statt (Foto: Helmut Schmidt sitzt in der Stuttgarter Sankt Eberhardskirche neben der Witwe, Waltrude Schleyer).Bild 26 von 62 Der RAF-Terror fordert im Laufe der Jahre insgesamt 34 Menschenleben. Im Versuch, durch Morde und Bombenanschläge die "potenziell revolutionären Teile des Volkes" zu einer "Revolution" zu mobilisieren, sterben auch über zwei Dutzend "bewaffnete Kämpfer".Bild 27 von 62 Angefangen hatte alles mit Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin (v.l.). Am 2. April 1968 legen sie in zwei Frankfurter Kaufhäusern Feuer - u.a. aus Protest gegen Kapitalismus und den Vietnamkrieg. Noch entsteht nur Sachschaden.Bild 28 von 62 Doch der erste Schritt ist gemacht vom anarchistischen Politprotest der Studentenbewegung zum politisch motivierten Einsatz von Gewalt. Weil Baader mit der Tat prahlt, kann die Polizei die Brandstifter schon am nächsten Tag verhaften.Bild 29 von 62 Am 31. 10. 1968 werden die Angeklagten zu drei Jahren Haft verurteilt, im Juni 1969 bis zur Entscheidung über ihren Revisionsantrag aus der Haft entlassen. Als der Bundesgerichtshof fünf Monate später die Revision verwirft, fliehen Baader und Ensslin ins Ausland.Bild 30 von 62 Später kehren sie zurück und schlüpfen als "Hans" und "Grete" bei der Journalistin Ulrike Meinhof (l) in Berlin unter.Bild 31 von 62 Beim Versuch, Waffen zu beschaffen, wird Baader von einem Spitzel des Verfassungsschutzes am 3. April 1970 in eine Falle der Polizei gelockt. Seine von Gudrun Ensslin initiierte und von Ulrike Meinhof vorbereitete Befreiung am 14. Mai 1970 gilt als Geburtsstunde der RAF.Bild 32 von 62 Die RAF-Aktivisten fliehen nach Jordanien und werden von der palästinensischen Fatah im Guerilla-Krieg ausgebildet. (Foto: Ausstellung "Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF" 2005 in Berlin).Bild 33 von 62 Die spektakulärsten Fälle der RAF sind die Morde am Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann 1974, ...Bild 34 von 62 ... an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, ...Bild 35 von 62 ... dabei sterben auch sein Fahrer Wolfgang Goebel ...Bild 36 von 62 ... und der Justizhauptwachtmeister Georg Wurster, ...Bild 37 von 62 ... Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto ...Bild 38 von 62 ... und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer 1977.Bild 39 von 62 Das RAF-Kommando Holger Meins überfällt im April 1975 die deutsche Botschaft in Stockholm und erschießt zwei Diplomaten (Foto: Militärattache Andreas von Mirbach).Bild 40 von 62 Mit der Aktion sollen 26 Gesinnungsgenossen freigepresst werden. Der RAF-Aktivist Holger Meins stirbt 1974 an den Folgen eines kollektiven Hungerstreiks der inhaftierten RAF-Mitglieder.Bild 41 von 62 Ohne Baader, Ensslin und Meinhof scheint auch die RAF tot. Aber die zweite Generation ist längst nachgerückt, an deren Spitze Brigitte Mohnhaupt (Foto) steht.Bild 42 von 62 Die "Generalbevollmächtigte" Baaders wird erst nach fünf Jahren aufwändiger Fahndung 1982 gefasst.Bild 43 von 62 Etliche Terroristen tauchen Anfang der achtziger Jahre in der DDR unter. Nach der Wende werden im Juni 1990 insgesamt zehn RAF-Aussteiger enttarnt (Foto: Susanne Albrecht, rechts) ...Bild 44 von 62 ... und in Berlin, Magdeburg, Senftenberg, Frankfurt (Oder), Schwedt und Neubrandenburg verhaftet (Foto: Inge Viet).Bild 45 von 62 Fünf ehemalige Stasi-Offiziere werden wegen des Verdachts einer RAF-Unterstützung verhaftet.Bild 46 von 62 1984 nehmen Baader-Meinhofs Enkel den "bewaffneten Kampf" auf. Die "dritte Generation" ermordet zehn Menschen: 1989 wird der Deutsche-Bank Vorstandssprecher Alfred Herrhausen ...Bild 47 von 62 ... mit seinem Wagen in die Luft gesprengt.Bild 48 von 62 1991 erschießen die Terroristen in Düsseldorf Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder.Bild 49 von 62 1993 gerät die RAF noch einmal in die Schlagzeilen, als auf dem Bahnhof von Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: RAF-Symphatisanten demonstrieren am 11. Juli 1993 gegen den Tod von Wolfgang Grams) ...Bild 50 von 62 ... die Terroristen Wolfgang Grams ...Bild 51 von 62 ... und Birgit Hogefeld gestellt werden.Bild 52 von 62 Grams (Foto) und der GSG 9-Kommissar Michal Newrzella kommen ums Leben.Bild 53 von 62 Der Einsatz ist ein Fiasko (Foto: Spurensuche in Bad Kleinen). Etliche Fahndungspannen kommen ans Licht. Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) muss seinen Hut nehmen; Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wird entlassen.Bild 54 von 62 Auch die RAF ist am Ende und erklärt im März 1998 ihre Auflösung: "Vor 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand aus einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte."Bild 55 von 62 Fast 30 Jahre danach sind die meisten der "Lebenslänglichen" aus den RAF-Reihen wieder in Freiheit.Bild 56 von 62 Am 25. März 2007 wird Brigitte Mohnhaupt aus der Haft entlassen. Sie ist das insgesamt am längsten inhaftierte ehemalige RAF-Mitglied.Bild 57 von 62 Die frühere RAF-Terroristin Eva Haule kommt Mitte August 2007 auf freien Fuß. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main setzt ihre verbleibende Strafe zur Bewährung aus.Bild 58 von 62 Haule gehört der RAF seit Anfang 1984 an. Am 2. August 1986 wird sie verhaftet und später zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.Bild 59 von 62 Nach Haules Entlassung sitzen noch die beiden RAF-Terroristen Christian Klar und Birgit Hogefeld in Haft. Hogefeld kann frühestens Mitte 2008, nach Ablauf von 15 Jahren Haft, erstmals einen Antrag auf Aussetzung ihrer Reststrafe stellen.Bild 60 von 62 Falls der Bundespräsident nicht früher über ihr Gnadengesuch entscheidet. Christian Klars Gesuch lehnte Horst Köhler im Mai 2007 ab. Klar muss mindestens bis Anfang 2009 hinter Gittern bleiben.Bild 61 von 62 Ende April 2007 setzte Klar aber Hafterleichterungen durch, die ihn auf die Freilassung vorbereiten sollen. (Alle Bilder AP und dpa)Bild 62 von 62