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Donnerstag, 01. April 2010

Nachbarn im Dauer-Clinch: Der Korea-Konflikt

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Juli 1953. Nach drei Jahren erbittertem Krieg beschließen Nord- und Südkorea in Panmunjom, einem kleinen Ort an der gemeinsamen Grenze, einen Waffenstillstand. (Foto: picture-alliance / dpa)

Juli 1953. Nach drei Jahren erbittertem Krieg beschließen Nord- und Südkorea in Panmunjom, einem kleinen Ort an der gemeinsamen Grenze, einen Waffenstillstand.

Juli 1953. Nach drei Jahren erbittertem Krieg beschließen Nord- und Südkorea in Panmunjom, einem kleinen Ort an der gemeinsamen Grenze, einen Waffenstillstand.

Der Koreakrieg ist vorbei. Schätzungen zufolge kamen insgesamt 3 Millionen Zivilisten und eine weitere Million Soldaten bei den Schlachten ums Leben.

Veränderung hat der Krieg nicht gebracht. Um die Grenze , die die koreanische Halbinsel in eine nördliche und eine südliche Hälfte teilt, wurde nach dem Waffenstillstand lediglich eine demilitarisierte Zone errichtet. Nord- und Südkorea waren immer noch getrennt, aber nun endlich friedlich. Das war zumindest der Plan.

Zeitsprung. Heute, über ein halbes Jahrhundert später, regiert Kim Jong-il, der diktatorische Machthaber, den Norden: die "Demokratische Volksrepublik Korea".

Lee Myung-bak, Oberhaupt der konservativen Partei "Grand National Party" ist Präsident des Südens: der "Republik Korea".

Der Krieg ist vorbei, Frieden herrscht jedoch auch nicht. Die aktuelle Situation liegt irgendwo in der Mitte. Nicht nur gibt es bis heute keinen Friedensvertrag, offiziell befinden die beiden Länder sich sogar noch im Kriegszustand.

Während Nordkorea, unter der Herrschaft Kim Jong-ils, mit Atomtests nicht nur im Süden des Landes Angst und Schrecken verbreitet, …

… Geschosse kurz vor der Seegrenze zum Nachbarland einschlagen lässt, …

… und androht, das Land zu vernichten, …

… äußern die Südkoreaner den festen Entschluss, den Norden mit aller Gewalt anzugreifen, sollte herauskommen, dass dort ein nuklearer Angriff auf den Süden in Erwägung gezogen wird.

Dieser Entschluss wird im Norden, in der Hauptstadt Pjöngjang, wiederum als offene Kriegserklärung verstanden.

Zusammen mit seinem großen Verbündeten, den USA, provoziert Südkorea die Empfindlichkeit des Nordens alljährlich mit militärischen Manövern.

Diese ziehen jedes Mal massive Kritik aus Nordkorea nach sich. So massiv, dass Kim Jong-il als Reaktion den Ausbau seines Atomwaffenarsenals ankündigt.

Während Südkorea mit den Vereinigten Staaten einen mächtigen Partner hat, …

… steht Nordkorea alleine da. Sogar die chinesische Regierung, die damals zusammen mit Kim Il-sung, dem Vater Kim Jong-ils, in den Krieg zog, nimmt heute Abstand. Das Atomprogramm beunruhigt Peking zunehmend.

Die Verhältnisse sind angespannt. Zwischen dem Norden und dem Süden herrscht Kalter Krieg.

Tatsächlich hat die Geschichte des Konfliktes ihren Ursprung im Kalten Krieg zwischen den USA …

… und der Sowjetunion in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Als Japan nach dem Zweiten Weltkrieg kapituliert hatte, wurde Korea, das damals noch unter japanischer Vorherrschaft stand, zwischen den Siegermächten Sowjetunion und Nordamerika aufgeteilt.

Die Sowjetunion erhielt die nördliche Besatzungszone, die USA die südliche. Die Grenze wurde auf den 38. Breitengrad festgelegt, wo sie heute noch verläuft.

Eigentlich hatten die beiden Mächte vor, das Land zu vereinen und gemeinsam die Bildung einer einheitlichen Regierung zu fördern. Als dann jedoch der Kalte Krieg ausbrach, wurden diese Friedenspläne verworfen.

Stattdessen entwickelte sich jedes Land unter der Herrschaft der jeweiligen Besatzer separat. In Südkorea wurde der Politiker Rhee Syngman (l.) durch eine von den USA durchgeführte Wahl Präsident. Als erste Amtshandlung rief dieser die "Republik Korea" aus.

Die sowjetische Macht im Norden reagierte. Sie unterstützten den Generalsekretär der nordkoreanischen Arbeiterpartei Kim Il-sung dabei, die "Demokratische Volksrepublik Korea" zu proklamieren und sich selbst zum Diktator über den Norden zu erklären.

Kim Il-sung gilt als Kriegstreiber. Er suchte von Anfang an die Eskalation mit dem Süden. Experten vermuten, dass er den russischen Diktator Josef Stalin dazu aufforderte, mit ihm zusammen in den Krieg zu ziehen.

Doch auch Südkorea zeigte Kampfbereitschaft. Beide Regierungen sahen sich als Herrscher über die gesamte Halbinsel.

Doch während Stalin die nordkoreanische Armee zwischen 1949 und 1950 aufstockte, ausrüstete, und nach sowjetischem Ideal trainierte, …

… zogen sich die USA aus den angespannten Verhältnissen eher zurück und schlossen Südkorea aus ihrer südostasiatischen Verteidigungslinie aus.

Kim Il-sung sah sich in der Annahme bestätigt, die USA würden nicht eingreifen, sollte der Norden in den Süden einmarschieren.

Im März 1950 genehmigte Stalin die Invasion. Kim Il-sung hatte nun die militärische Stärke, einen Eroberungsfeldzug in Südkorea zu starten.

Verschiedene Quellen belegen, dass zu dieser Zeit auch Südkorea einen Angriff auf den Norden plante, allerdings mangelte es an Kriegsgerät und Truppenstärke.

Am 25. Juni 1950 begann der Krieg. Die nordkoreanische Armee durchbrach die Grenze am 38. Breitengrad und zwang Südkoreas Verteidigungskräfte zum Rückzug.

Bereits nach drei Tagen war die Hauptstadt Seoul eingenommen.

Die schlecht aufgestellte und in allen Belangen unterlegene südkoreanische Armee hatte der Streitmacht nichts entgegenzusetzen. Die Truppen mussten sich weiter nach Süden zurückziehen.

In knapp drei Monaten wurde fast das ganze Land von der Armee Kim Il-sungs erobert.

Nur die kleine Region Daegu an der südöstlichsten Spitze blieb unter der Kontrolle des Südens. Allerdings nur, …

… weil die USA begonnen hatten, sich mit Luftangriffen für die Zerstörung US-amerikanischer Einrichtungen durch die Nordkoreaner zu rächen.

Als der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York noch im gleichen Monat eine militärische Intervention verabschiedete, wendete sich das Blatt.

Die Versorgungslinien des Nordens wurden durch amerikanische Soldaten abgeschnitten und ein Rückeroberungszug gestartet. Die Hauptstadt Seoul wurde im September 1950 von den US-Amerikanern befreit.

US-General Douglas Mac Arthur leitete die Operation. Er stärkte den südlichen Streitkräften mit seinen UN-Truppen, die fast ausschließlich aus US-Militär bestanden, den Rücken. Die Südkoreaner eroberten ihre Gebiete zurück.

Schließlich griffen die Chinesen in den Konflikt ein, weil sie ein vereintes Korea unter US-Flagge nicht dulden wollten. Die US-amerikanische Übermacht schwand.

Bis Ende 1951 tobten gnadenlose Stellungskriege, die hohe Verluste auf allen Seiten nach sich zogen.

In den folgenden Monaten bombardierten UN-Truppen Nordkorea massiv aus der Luft, um das Land und seine Verbündeten China und Russland in die Knie zu zwingen.

Schließlich schlug die Sowjetunion einen Waffenstillstand vor, der nach langen Verhandlungen im Grenzort Panmunjom beschlossen wurde.

Die Grenze zwischen Norden und Süden wurde durch das Abkommen verfestigt. Von einer Wiedervereinigung war Korea damals so weit entfernt wie heute noch.

Die Staatsformen änderten sich ebenfalls nicht. Nur die Oberhäupter. Nach Kim Il-sungs Tod im Jahr 1994 wurde der "der ewige Präsident" genannte Diktator von seinem Sohn abgelöst: Kim Jong-il.

In Südkorea wechselten die Präsidenten öfter. Erst 1993 kam mit Kim Young-sam ein Präsident an die Macht, der nicht aus dem Militär stammte.

Sein Nachfolger, Kim Dae-jung, der als achter Präsident 1998 sein Amt antrat, war der erste, der sich 2000 mit Nordkoreas Oberhaupt Kim Jong-il zu diplomatischen Gesprächen traf. Die Staatsmänner beschlossen Familienzusammenführungen über die Grenze und wirtschaftliche Kooperationen.

Das Treffen hatte nur symbolischen Wert, da es nicht viel geändert hat. Besonders nichts daran, dass die Bevölkerung Nordkoreas bis heute Hunger leidet und verarmt.

Diktator Kim Jong-il lebt nach dem Motto "Shogun". Übersetzt bedeutet das: "Das Militär zuerst". Die nordkoreanische Wirtschaft dient zum großen Teil der Aufrüstung, nicht dem allgemeinen Wohlstand in der Bevölkerung.

2007 schien sich zumindest das Verhältnis der beiden Staaten zu entspannen. Auch der nächste südkoreanische Präsident, Roh Moo Hyun, traf sich mit Kim Kong-il zu Verhandlungen.

Beide Staatschefs bekundeten ihr Interesse, endlich einen gültigen Friedensvertrag aufzusetzen. Allerdings blieb es beim guten Willen.

Trotzdem schien die gegenseitige Annäherung in den Jahren 2007 und 2008 einen guten Weg zu nehmen. Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun sagte 2008, dass täglich nun etwa 1000 Menschen die Grenze passieren würden und sich der Handel zwischen den Ländern verstärke.

Die heute wieder schwer angespannte Situation, die militärischen Drohgebärden und Beschuldigungen haben ihren Ursprung ein Jahr später, im Jahr 2009.

Mehrere Faktoren trafen aufeinander: Der neue Präsident Südkoreas Lee Myung-bak kündigte eine härtere Haltung gegenüber dem Norden an, …

... Kim Jong-il verschärfte seine Raketentests, ...

... und zündete zum zweiten Mal unterirdisch eine Atombombe, gefolgt von heftigen Protesten in der südkoreanischen Bevölkerung.

US-Präsident Barack Obama trat ins Amt und bekräftigte seine Solidarität mit Südkorea, was Nordkorea erneut gegen das Bündnis aufbrachte …

… und seither glauben lässt, dass der Süden einen Militärschlag plant.

Die Spirale des gegenseitigen Misstrauens, der Belauerungen, der Einschüchterungen und der militärischen Drohgebärden beginnt von Neuem. Bis heute können die Länder sich nicht vertrauen. Die Verletzungen der Vergangenheit sitzen zu tief, sie treiben einen Keil durch Korea.

Ein fast 60 Jahre alter Waffenstillstand - es scheint, als nähere er sich seinem Verfallsdatum. (Text: Robert Meyer)

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