Eine Welle von Hass und Gewalt überrollt 1994 Ruanda - 100 Tage lang wütet ein grausamer Völkermord in dem zentralafrikanischen Staat.Bild 1 von 56 Das "Land der tausend Hügel" wird vom Blut hunderttausender Menschen getränkt.Bild 2 von 56 Noch nie zuvor waren so viele Menschen in so kurzer Zeit ermordet worden: Mindestens 800.000 Menschen fallen dem Genozid zum Opfer. Manche Schätzungen gehen von über einer Million Toten aus.Bild 3 von 56 Im Schnitt sterben damit rund 8000 Menschen an einem Tag. Schätzungen zufolge werden rund zwei Drittel der Tutsi-Bevölkerung ermordet.Bild 4 von 56 Bis heute sind die Wunden der schrecklichen Taten nicht verheilt - hier ein Bild vom Gedenktag 2004.Bild 5 von 56 Auslöser des Bürgerkriegs ist der Tod des ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana, ...Bild 6 von 56 ... der am 6. April 1994 ums Leben gekommen war, als sein Flugzeug beim Landeanflug auf die Hauptstadt Kigali von einer Rakete abgeschossen wurde.Bild 7 von 56 Das Attentat ist bis heute nicht eindeutig aufgeklärt. Sicher ist: Nur Stunden nach dem Vorfall beginnen Mitglieder einer radikalen Hutu-Miliz mit der Jagd auf Angehörige der Tutsi, denen sie die Schuld am Tod des Hutu-Präsidenten geben.Bild 8 von 56 Zwischen Hutu und Tutsi war es seit der ruandischen Unabhängigkeit 1962 immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen gekommen.Bild 9 von 56 Vertreter der Bevölkerungsmehrheit der Hutu nahmen es den Tutsi übel, dass sie während der Kolonialzeit erst von deutschen und dann von belgischen Besatzern zur "überlegenen Rasse" erklärt worden waren und mit Privilegien ausgestattet wurden.Bild 10 von 56 Die Differenzierung der beiden Volksgruppen geht noch auf die vorkoloniale Zeit im 19. Jahrhundert zurück und wurde durch die soziale Stellung, insbesondere den Vieh-Besitz definiert.Bild 11 von 56 Als "Tutsi" galten die reichen Viehbesitzer, die Elite des Landes. "Hutu" waren die ärmeren Ackerbauern.Bild 12 von 56 Doch die Kolonialherren interpretierten die körperlichen Unterschiede zwischen Bauern und Besitzenden als Rassenunterschiede und beförderten diese, um die Machtstrukturen der herrschenden Tutsi für sich zu nutzen.Bild 13 von 56 Unter der Herrschaft der Belgier wurde schließlich die Zugehörigkeit in die Ausweisdokumente eingetragen. Aus Kasten waren "Rassen" geworden.Bild 14 von 56 Als mit der Unabhängigkeit Ruandas die Hutus die Macht im Land übernehmen, setzen sich die seit Ende der 50er Jahre aufflammenden Übergriffe auf die Tutsi fort.Bild 15 von 56 Tutsi werden von der regierenden Hutu-Partei als politische Sündenböcke missbraucht, Übergriffe teils staatlich gefördert und toleriert. Zehntausende von ihnen fliehen über die Jahre ins benachbarte Ausland.Bild 16 von 56 Anfang der 90er Jahre leben Schätzungsweise 600.000 Tutsi-Flüchtlinge in Ruandas Nachbarstaaten. Ihre Rebellenarmee verübt seit den 60er Jahren immer wieder Angriffe auf Ruanda. Der Widerstand im Exil formiert sich.Bild 17 von 56 Unter Führung von Paul Kagame (Bild) beginnt die Ruandische Patriotische Front (RPF) am 1. Oktober 1990 von Uganda aus den Einmarsch in Ruanda.Bild 18 von 56 Die militärischen Erfolge der RPF zwingen Ruandas Präsidenten Juvenal Habyarimana 1993 zum Friedensvertrag von Arusha, der den Waffenstillstand unter UN-Beobachtung besiegeln und Tutsi in die Regierung einbinden soll.Bild 19 von 56 Das allerdings lehnen radikale Hutus vehement ab. Seit Anfang der 90er Jahre wird in Ruanda unter ihrem Einfluss verstärkte rassistische Propaganda gegen die Tutsi betrieben und die Angst vor ihrer Rückkehr geschürt.Bild 20 von 56 In den Monaten vor dem Anschlag auf Habyarimana nimmt die Hasspropaganda zu, in radikalen Rundfunksendern werden Tutsi immer wieder als "Inyenzi" (Kakerlaken) bezeichnet.Bild 21 von 56 Lange bevor das eigentliche Morden beginnt, wird den Hörern stets eingetrichtert, es gebe in Ruanda keinen Platz mehr für die Tutsi.Bild 22 von 56 Zudem werden die Hutu aufgefordert, "große Bäume" und "Buschwerk" zu fällen - Chiffren für Tutsi. "Junge Triebe" - gemeint waren Kinder - dürften dabei keinesfalls geschont werden.Bild 23 von 56 Spätestens Anfang 1994 existieren Listen von Tutsi und moderaten Hutu, es gibt Berichte über geheime Waffenlager - Hinweise auf den bevorstehenden Genozid.Bild 24 von 56 Doch die vor Ort stationierten UN-Truppen dürfen diese nicht überprüfen, das New Yorker Hauptquartier untersagt es.Bild 25 von 56 So kommt es zum Abschuss der Präsidentenmaschine mit Habyarimana und seinem burundischen Amtskollegen Cyprien Ntaryamira. Noch in der Nacht nach dem Anschlag beginnen die Übergriffe auf die Tutsi.Bild 26 von 56 In den folgenden Tagen werden Tutsi und gemäßigte Hutu systematisch gejagt und getötet.Bild 27 von 56 Bereits nach fünf Tagen sind nach Einschätzung des Internationalen Roten Kreuzes tausende Menschen ermordet. Nach nicht einmal zwei Wochen geht die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von 100.000 Toten in Ruanda aus.Bild 28 von 56 Roméo Dallaire, Kommandant der 5000 Mann starken UN-Friedenstruppen in Ruanda, erhält die Anordnung, bewaffnete Auseinandersetzungen zu vermeiden und sich nicht in den Konflikt einzumischen.Bild 29 von 56 Nach der Ermordung von zehn belgischen Blauhelmsoldaten ziehen Belgien und Bangladesch ihre Soldaten aus Ruanda ab, es verbleiben 450 Mann.Bild 30 von 56 Militärexperten schätzen heute, dass 5000 Soldaten gereicht hätten, den Völkermord zu verhindern.Bild 31 von 56 Da die Täter in den wenigsten Fällen über Pistolen oder Gewehre verfügen - viele der Mörder sind Zivilisten -, werden die meisten Menschen mit Äxten, Keulen und Macheten ermordet; ...Bild 32 von 56 ... größere Menschenmengen werden verbrannt oder mit Handgranaten getötet.Bild 33 von 56 An den allgegenwärtigen Straßensperren müssen auch Menschen um ihr Leben fürchten, die sich in ihren Papieren als Hutu ausweisen können, wenn sie groß und schlank sind, relativ hellhäutig oder eine schmale Nase haben - Merkmale, die als "typisch" für Tutsi gelten.Bild 34 von 56 Die Verfolgten suchen Zuflucht in Kirchen und Klöstern, in Schulen oder in Gebäuden, in denen die UN-Friedenstruppen stationiert sind. Doch es gibt Priester und Bischöfe, die den Mördern die Kirchentüren öffnen.Bild 35 von 56 Tausende werden in Gotteshäusern niedergemetzelt. "Sie schossen mit Maschinengewehren in die Menge", schildert ein Überlebender ein solches Kirchenmassaker später. ...Bild 36 von 56 ... "Es gab keine Einschlaglöcher in den Wänden, weil die Menge so dicht war, dass die Kugeln in den Körper einer Person eindrangen und dann den nächsten trafen."Bild 37 von 56 Erst am 17. Mai 1994 stimmen die Vereinten Nationen der Bitte des UN-Generals Dallaire zu, die Friedenstruppen auf 5000 Soldaten zu erhöhen.Bild 38 von 56 Erstmals ist in einer Resolution von "Völkermord" die Rede. 300.000 Todesopfer sollen es zu diesem Zeitpunkt bereits sein.Bild 39 von 56 "Die Geschichte von Ruanda 1994 ist eine Geschichte von Verrat, Versagen, Naivität, Gleichgültigkeit, Hass, Völkermord, Unmenschlichkeit und des Bösen", schreibt Dallaiere später in seinem Buch "Handschlag mit dem Teufel".Bild 40 von 56 Frankreich erhält am 22. Juni schließlich vom UN-Sicherheitsrat das Mandat zur Intervention. In Südwestruanda sollen die Franzosen einen "sicheren Korridor" einrichten.Bild 41 von 56 Doch das Morden geht auch dort weiter: Eine ruandische Untersuchungskommission wirft Frankreich später Komplizenschaft mit den Mördern vor.Bild 42 von 56 Denn die Hutu-Regierung ist ein enger Verbündeter Frankreichs; Ruandas Militär wird von Frankreich ausgerüstet und trainiert.Bild 43 von 56 So sollen französische Soldaten gemeinsam mit Ruandern an Straßensperren kontrolliert und Tutsi festgenommen und misshandelt haben. Zudem soll der "sichere Korridor" der Franzosen dem Ziel gedient haben, Hutu-Milizen zu schützen.Bild 44 von 56 Am Ende sind es nicht ausländische Truppen, die den Massenmord stoppen, sondern Ruander. Exil-Tutsi der RPF marschieren erneut von Uganda aus in Ruanda ein.Bild 45 von 56 Viele von ihnen hatten beim Sturz des ugandischen Diktators Idi Amin mit den Ugandern gekämpft und bringen militärische Erfahrungen mit.Bild 46 von 56 Genau 100 Tage nach Beginn des Völkermords ist das Massenmorden an den Tutsi am 17. Juli mit dem Einmarsch der RPF in Kigali beendet.Bild 47 von 56 Doch nun sind es die Hutu, die in Massen fliehen, ...Bild 48 von 56 ... vor allem nach Zaire (dem heutigen Kongo) und Tansania.Bild 49 von 56 In Ruanda leben noch 300.000 Überlebende des Völkermords, viele von ihnen sind auch 15 Jahre nach dem Massenmord traumatisiert.Bild 50 von 56 Präsident ist Paul Kagame, der ehemalige Anführer der Tutsi-Rebellen der RPF.Bild 51 von 56 Die juristische Aufarbeitung der schrecklichen Verbrechen ...Bild 52 von 56 ... findet für die höchste politische Ebene durch den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda in Tansania ...Bild 53 von 56 ... und für Täter aus dem Volk in Ruanda in so genannten Gacaca-Gerichten statt.Bild 54 von 56 In Tansania wurde Ende 2008 Oberst Théoneste Bagosora, faktischer Chef der Militärregierung Ruandas während des Genozids, ...Bild 55 von 56 ... und damit einer der Hauptverantwortlichen des Völkermords, zu lebenslanger Haft verurteilt. (Text: Till Schwarze, Bilder AP/rts/dpa)Bild 56 von 56