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Sonntag, 18. April 2010

Benedikt fünf Jahre im Amt: Der Zauderer auf dem Heiligen Stuhl

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Vielleicht ahnte Joseph Kardinal Ratzinger bereits Unheil, als das Konklave im April 2005 zusammentrat, um einen Nachfolger für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. zu bestimmen: (Foto: picture-alliance/ dpa)

Vielleicht ahnte Joseph Kardinal Ratzinger bereits Unheil, als das Konklave im April 2005 zusammentrat, um einen Nachfolger für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. zu bestimmen:

Vielleicht ahnte Joseph Kardinal Ratzinger bereits Unheil, als das Konklave im April 2005 zusammentrat, um einen Nachfolger für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. zu bestimmen:

"Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu' mir dies nicht an", bekannte er kurz nach seiner Wahl zum neuen Papst Benedikt XVI.

Fünf Jahre später steckt die katholische Kirche mit Benedikt an der Spitze in einer tiefen Krise. Immer neue Missbrauchsfälle kommen ans Licht, die oft jahrzehntelang in den Kirchenarchiven versteckt blieben ...

... und wie schon im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson wirkt der zögerliche Papst mit der Situation überfordert.

"Wir sind Papst", jubelte die "Bild"-Zeitung noch, als erstmals seit fast 500 Jahren wieder ein Deutscher an der Spitze der 1,1 Milliarden Katholiken der Welt stand.

Auf seiner ersten Reise nach Deutschland im Sommer 2005 wurde Benedikt XVI. begeistert empfangen, beim Weltjugendtag in Köln jubelten ihm eine Million Gläubige zu.

Vergessen schien der Ruf als "Panzerkardinal", den sich Ratzinger als erzkonservativer Chef der vatikanischen Glaubenskongregation erworben hatte.

Und wie sein charismatischer Vorgänger Johannes Paul II. geht Benedikt einen Mittelweg zwischen konservativer Theologie und globalisierungskritischen Positionen.

In seiner ersten Enzyklika "Deus caritas est" (Gott ist die Liebe) im Januar 2006 hob er die zentrale Bedeutung von Liebe und Barmherzigkeit für das Zusammenleben der Menschen und das Handeln der Kirche hervor.

In seiner zweiten Enzyklika "Spe salvi" (Über die christliche Hoffnung) vom November 2007 machte er deutlich, dass nicht Fortschritt und Wissenschaft die Menschheit retten können, sondern die im Christentum verwirklichte gemeinsame Hoffnung.

Auch in seiner ersten Sozialenzyklika im Juli 2009 befasste Benedikt sich kritisch mit der Globalisierung und den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise.

Doch der Papst fremdelte mit der Rolle des Popstars in weißer Soutane: Anders als Johannes Paul II. gilt der frühere Professor für Dogmatik als kühler Intellektueller.

Reformkräfte in der katholischen Kirche waren von Beginn an skeptisch, dass das Pontifikat Benedikts einen theologischen Aufbruch markieren würde.

An der rigiden Sexualmoral mit Verhütungsverbot und Ablehnung von Homosexualität hält der Papst ebenso fest wie am Zölibat.

In einigen Fällen drehte Benedikt das Rad des Zweiten Vatikanischen Konzils sogar zurück: Mit der Wiederzulassung der sogenannten tridentinischen Messe in lateinischer Sprache erfüllte er eine langjährige Forderung von Traditionalisten.

Zu der tridentischen Liturgie gehört auch eine Neufassung der Karfreitagsfürbitte für die Juden: "Lasst uns auch beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchtete, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen".

Bei Juden stieß dies auf Empörung. (Das Bild zeigt Benedikt XVI. im Januar 2010 bei einem Besuch in der römischen Hauptsynagoge.)

Empört reagierten auch die Muslime, als Benedikt im September 2006 auf einer Reise nach Deutschland in Regensburg den byzantinischen Kaiser Manuel II. zitiert.

Der hatte (im 14. Jahrhundert) gesagt, der Prophet Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht.

Nach Massenprotesten in der islamischen Welt bedauert der Papst, mit dem Zitat religiöse Gefühle verletzt zu haben und spricht von einem "Missverständnis".

Doch es waren vor allem die Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson und der aktuelle Missbrauchsskandal, die das Verhältnis der Öffentlichkeit zum Papst nicht nur in Deutschland deutlich abkühlen ließen.

Im Januar 2009 hob Benedikt die Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Bischöfen der erzkonservativen Pius-Bruderschaft wieder auf.

Fast gleichzeitig strahlte das schwedische Fernsehen ein Interview aus, in dem Williamson die Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus bestritt.

Der Papst verurteilte eilig jede Form der Holocaust-Leugnung, doch nicht nur jüdische Organisationen beklagten das zaghafte Vorgehen des Vatikans.

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sah sich genötigt, vom Papst eine Klarstellung zu fordern. Ausgerechnet während des päpstlichen Amtsjubiläums steht Williamson nun in Regensburg, der langjährigen Heimatdiözese Benedikts, wegen Volksverhetzung in Abwesenheit vor Gericht.

Den längsten Schatten über das fünfjährige Jubiläum wirft allerdings der Missbrauchsskandal.

Die seit einigen Monaten über mehrere Kontinente rollende Enthüllungswelle offenbarte, dass katholische Würdenträger über Jahrzehnte Fälle sexuellen Missbrauchs verschleierten, um das Ansehen der Kirche nicht zu beschädigen.

Die Vorwürfe reichen in die höchsten Kreise des Vatikans, bis hin zu Benedikt selbst.

Doch wie beim Fall Williamson zögerte der Papst bislang, eine klare Linie einzuschlagen: Einerseits verurteilte Benedikt sexuellen Missbrauch mehrfach mit scharfen Worten, hatte sich auf seiner US-Reise 2008 sogar als erster Pontifex mit Missbrauchsopfern getroffen.

Andererseits verlor er in seiner Osterbotschaft kein Wort zu dem Thema - während sein ranghöchster Kardinal die Kritik als "Geschwätz des Augenblicks" abtat.

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